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Putin, was nun? Das schreibt Europas Presse

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Putin, was nun? Das schreibt Europas Presse

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Alexander Zemlianichenko/POOL via Reuters
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Wladimir Putin hat die Wahl in Russland haushoch gewonnen - niemand hatte mit einem anderen Ergebnis gerechnet. Doch was kommt jetzt auf die Russen zu?

SZ: Patriotismus reicht nicht

Die Süddeutsche Zeitung schreibt im Kommentar "Patriotismus reicht nicht", dass Wladimir Putin nach seiner Wiederwahl die schon vor Jahren gemachten Versprechen einlösen müsse: "Ja, viele Russen mögen Putin, aber diejenigen, die ihn nicht mögen, trauen sich immer seltener, dies auch offen zu sagen. Russland erlebt ein Klima der Einschüchterung, das Versammlungsrecht ist eingeschränkt, die Meinungsfreiheit beschnitten, und auch das Internet bietet Russen nicht mehr den freiheitlichen Fluchtraum wie noch vor einigen Jahren. Dies alles soll der Führung dabei helfen, Kontrolle und Macht zu behalten. Die Massenproteste rund um die Präsidentenwahl 2012 hatten den Kreml sichtlich nervös gemacht, das sollte sich nicht noch einmal wiederholen. Nun hat sich Putin die Macht für weitere sechs Jahre gesichert. Zeit also, dass er endlich einige von jenen Versprechen einlöst, auf welche die Bevölkerung schon lange vergeblich hofft.

Der Kreml muss sich entscheiden, ob er es sich leisten will, so weiterzumachen wie bisher. Das Lebensniveau der Russen hat sich im Vergleich zu den Industriestaaten verschlechtert, das lässt sich langfristig auch mit noch so viel Patriotismus und Atomwaffen-Prahlerei schwer aufwiegen. Seit Putins Rückkehr ins Präsidentenamt vor sechs Jahren haben Hunderttausende Russen ihr Land verlassen. Die meisten von ihnen sind enttäuschte gebildete Mittelständler und damit Teil einer Elite, die Russland für den dringend benötigten Aufschwung eigentlich daheim gebrauchen könnte."

Die NZZ aus Zürich sieht Wladimir Putin ohne echte Herausforderer. "Wir sind wieder wer, man fürchtet uns" – dieses Gefühl hatte Putin sehr zielführend mit seiner Waffenschau in der Rede zur Nation vor zwei Wochen unterstützt; es nährt den Stolz der Bürger. Die Medien tun so, als stehe der Westen kurz vor kriegerischen Handlungen gegenüber Russland. Die Auswirkungen des Giftanschlags auf den früheren Doppelagenten Sergei Skripal in Großbritannien bestärkten das Publikum in diesem Gefühl.

Der herausragende Sieg, zu dem es angesichts der bewusst marginalisierten demokratischen Opposition auch keine Manipulationen gebraucht hätte, dürfte es den wenigen Andersdenkenden noch schwerer machen. Zugleich zeigt er umso deutlicher das Fehlen einer Alternative zu Putin auf. Lässt dieser nicht die Verfassung ändern, tritt er im Mai seine vorerst letzte Amtszeit an. Nach außen und innen ist angesichts dessen gewiss nicht mit mehr Milde im Kreml zu rechnen."

LE MONDE: Putin und die Kriege

LE MONDE aus Paris zeigt in einer Grafik auf, wie sich Putins Popularität "im Rhythmus der Kriege" entwickelt hat. Vier Kriege durchziehen die lange Amtszeit des starken Mannes in Moskau.

DE VOLKSKRANT: Putin immer autoritärer

"De Volkskrant" aus den Niederlanden meint, dass Putins Regierung mit der Zeit immer autoritärer geworden sei: "Mit wenigen Ausnahmen verströmen die Medien eine Atmosphäre wie in der Sowjetunion. Kein Wort über Korruption an der Spitze: Etliche Verwandte und Jugendfreunde Putins sind steinreich geworden. Menschenrechtsaktivisten und politische Gegner werden auf verschiedenste Art und Weise behindert, manchmal sogar aus dem Weg geräumt. Das ist ein politisches Konzept, das sich auf Dauer als unhaltbar erweisen dürfte. Genau wie die Kluft zwischen der Wirklichkeit und der Propaganda dem Sowjetsystem letztendlich zum Verhängnis wurde.»

IL CORRIERE: Putin und die jungen Leute

IL CORRIERE DELLA SERA aus Mailand berichtet auch über die jungen Leute, die "Vlad" und die Zukunft des Landes im Auge behalten. Dabei berichtet ein Mitarbeiter von "Golo", dass die Manipulation im Wahlkampf und nicht erst bei der Wahl stattgefunden habe.

FINANCIAL TIMES: Wahlmanipulation?

Auf der Titelseite der "Financial Times" gibt es neben dem erwarteten Sieg Putins auch den Hinweis auf die Vorwürfe der Wahlmanipulationen.