Eilmeldung

Eilmeldung

"Japonismes 2018": Kulturelle Highlights aus Japan

Sie lesen gerade:

"Japonismes 2018": Kulturelle Highlights aus Japan

Schriftgrösse Aa Aa

In diesem Jahr feiern Frankreich und Japan 160 Jahre diplomatische Beziehungen. Aus diesem Anlass zeigt Paris Japonismes 2018, ein außergewöhnliches Kulturprogramm mit Ausstellungen, Aufführungen und Workshops.

Der Begriff Japonismus entstand im 19. Jahrhundert und bezeichnet die Faszination für japanische Kunst und Kultur, die in vielen Bereichen zum Tragen kam.

Didier Fusillier, Direktor der Grande Halle de la Villette: “Japonismus, das bedeutet Japan, aber auch seine Geschichte. Es ist ein Blick zurück – und zeigt uns zugleich das, was die Zukunft bringt, vor allen anderen. Es ist gewissermaßen ein erträumtes Japan. Viele Künstler werden nach Paris kommen. Und wer es wünscht, kann sich so fühlen, als lebe er im Herzen von Roppongi in Tokio.”

Meinung

Ich hatte das Gefühl, dass meine DNA und meine Körperzellen auf den Klang der Trommel reagierten.

Arisa Nishi. "Drum Tao"

Bevor die japanische Kultur nach Frankreich kommt, haben wir sie in Japan besucht. Unsere erste Station ist die Stadt Kochi am südlichen Ende der Insel Shikoku mit Blick auf den Pazifischen Ozean. Kochi war schon immer die Stadt der Fischer. Früher wurden hier Wale gejagt. Heute schätzen Gourmets die Zubereitung der Fischspezialität Bonito samt aromatischer Algenbeilage.

Ein Tanz, der munter macht

Seit den 50er Jahren ist Kochi jedoch vor allem für den Yosakoi bekannt, ein Tanz, der nach dem Krieg erschaffen wurde, um die Bewohner der Stadt aufzumuntern. Auf dem Yosakoi-Tanzfestival verschmelzen traditionelle Bräuche und Mangakultur. Anfang März durften wir bei den ersten Frühlingstänzen dabei sein.

Um in das Herz der Yosakoi-Kultur einzutauchen, begleiteten wir die Tänzer der Junintoiro-Truppe, die beim jüngsten Wettbewerb der Stadt den ersten Platz belegten.

Die Tanzleiterin Ai Urata sagt: “Sowohl ältere Menschen als auch Kinder tanzen den Yosakoi. Dieser Tanz ist fest in ihrem Leben verwurzelt. Die Menschen lieben diesen Tanz und kennen ihn von Kindesbeinen an.”

“In Japan gibt es viele Festivals, die meisten sind eher ruhig”, fügt ihr Ensemble-Partner Akira Takahashi hinzu. “Beim Yosakoi hingegen können Jung und Alt, Frauen und Männer frei mitmachen. Ich habe diese Truppe gegründet und mich gefragt, was wir erreichen könnten, indem wir uns zusammenschließen. Wir können die besten Tänzer in Kochi und in Japan werden. Unser Motto seit der Gründung vor 20 Jahren lautet: 100 Tage Training für einen genialen Moment.”

Der unwiderstehliche Klang der Trommel

Unsere nächste Station ist das Dorf Tao in der Präfektur Oita um Süden Japans. Hier mit dem Trommel-Ensemble Drum Tao verabredet. Ihr Training beginnt jeden Morgen um 6 Uhr kurz vor Sonnenaufgang.

Gründer und Leiter des Ensembles ist Ikuo Fujitaka. Als er Ende der 90er Jahre mit Drum Tao die ersten spektakulären Trommel- und Tanz-Spektakel auf die Bühne brachte, erntete er zunächst Kritik. Die Hüter der Tradition waren entsetzt. Dennoch ließ er sich nicht entmutigen und begann, die internationalen Bühnen zu erobern. Nach mehreren Welt-Tourneen setzte sich der Stil von Drum Tao auch in Japan durch. Und weil es seine Art ist, Praktiken zu revolutionieren, hat Ikuo Fujitaka eine Frau an die Spitze seines Ensembles berufen, Arisa Nishi.

“Unserer Mythologie zufolge wurde Japan vom Gott Yaorozu auf Geheiß der Göttin Amaterasu erschaffen”, erklärt Ikuo Fujitaka.“Und im Konzept meiner Bühnenshows finden Sie immer wieder diese Göttin, die Macho-Männern Befehle gibt. Das ist mein persönliches Anliegen. Ich stelle die Frau in den Vordergrund. Und deswegen musste eine Frau die Leiterin der Truppe werden.”

So beschreibt Arisa Nishi ihre erste Begegnung mit der japanischen Trommel: “Als ich das erste Mal die Wadaiko hörte, war das ein großer und zugleich angenehmer und beruhigender Klang. Ich hatte das Gefühl, dass meine DNA und meine Körperzellen auf den Klang der Trommel reagierten. Es war wie ein Schaudern. Ich spürte, dass dieses Instrument die Kraft hat, Gefühle zu erwecken.

Die Samurai sind in unseren Shows präsent. Denn die Samurai-Seele oder der Samurai-Geist sind in Japan sehr wichtig. Wir versuchen, das durch den Klang der japanischen Trommel auszudrücken. Wir möchten eine Show erschaffen, die den Geist der Samurai, den die jungen Menschen heute etwas vergessen haben, wieder zum Leben erweckt.”

Drum Tao werden in diesem Jahr erstmals in Frankreich auftreten, im Pariser Konzertsaal “La Seine Musicale “- im Rahmen des Kulturprogramms “Japonismes 2018”.

“Japonismes 2018. Les âmes en résonnance” heißt das der japanischen Kunst – zwischen Tradition und Moderne – gewidmete Kulturprogramm zu Ehren des 160. Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Japan.

Sechs Monate lang stehen rund 50 Veranstaltungen in Paris und Umgebung auf dem Programm: von Kabuki im Théâtre Chaillot über die Ausstellung “Jakuchu” im Petit Palais und das Yosakoi Festival im Jardin d’Acclimatation bis zur Ausstellung “teamLab, au-delà des limites” in der Grande Halle de la Villette und der Schau “Manga Tokyo” ebenfalls im Parc de la Villette. Das zeitgenössische japanische Theater wird auf dem Herbstfestival “Festival d’Automne” in Paris im Rampenlicht stehen.

Mehr dazu welt