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Hoffen auf Sicherheit: Christen vor der Wahl in Ägypten

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Hoffen auf Sicherheit: Christen vor der Wahl in Ägypten

Hoffen auf Sicherheit: Christen vor der Wahl in Ägypten
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In Ägypten leben Schätzungen zufolge bis zu zehn Millionen Christen. Im Land am Nil machen sie offiziell rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung aus, die meisten von ihnen sind Kopten. Sie werden immer wieder Ziel von Angriffen und Anschlägen.

Ab Montag wird ein neuer Staatschef gewählt. Für die christliche Gemeinde zählt bei der Wahl vor allem eines: Die Sicherheit und die politische Teilnahme.

"Die Kirche gibt nicht bekannt, welchen Kandidaten sie wählen wird. Ich auch nicht, ich erzähle das nicht einmal meiner Familie", erklärt Boutros Daniel, Leiter des katholisch-ägyptischen Zentrums in Kairo. "Wir sehen jetzt, dass die Sicherheit besser ist als vorher. Die terroristischen Gruppen, die Probleme machen, sind durch die Operation Sinai 2018 unter Kontrolle. Wir, die ägyptischen Christen, unterstützen unser Land."

Ägypten wird immer wieder von Anschlägen auf Christen, Muslime oder Sicherheitskräfte erschüttert. Im Herbst starben beim Angriff auf eine Moschee mehr als 300 Menschen.

"Mein Wunsch: Keine Diskriminierung mehr"

Remon, ein Einwohner Kairos meint: "Es kann nicht sein, dass alle Menschen am politischen Prozess teilnehmen und wir als Christen nicht. Wir werden uns an allem beteiligen."

"Ich träume davon, dass mein Sohn sich sicher fühlen kann. Und ich mir keine Sorgen machen muss, wenn er aus dem Haus geht. Wie das umgesetzt werden könnte, weiß ich nicht. Derjenige, der den Posten bekommt, wird für meinen Schutz verantwortlich sein", erklärt eine Frau.

Ein weiterer Mann wünscht sich, "... dass ich es irgendwann mal erleben darf, dass es unter den Ägyptern keine Diskriminierung gibt - egal ob religiös, rassistisch oder sexuell."

Al-Sisi kandidiert für zweite Amtszeit

Viele Christen dürften für den Amtsinhaber Abdel Fattah al-Sisi stimmen: Nicht wenige sind der Ansicht, dass al-Sisi das Land gerettet hat, indem er die Muslimbrüder verdrängt hat.

Der frühere Militärchef, der 2013 nach Massenprotesten als Armeechef den Präsidenten Mohammed Mursi und die Muslimbrüder absetzte, zeigte bei den vergangenen Übergriffen auf die christliche Gemeinde mit zahlreichen Toten Unterstützung.

Al-Sisi, der für eine zweite Amtszeit kandidiert, gilt bei der Wahl als großer Favorit: Einen richtigen Kontrahenten gibt es nicht, namhafte Konkurrenten haben ihre Kandidatur überraschend zurückgezogen. Für viele Ägypter steht das Ergebnis schon lange fest.

Die Organisation Amnesty International wirft al-Sisi eine Menschenrechtskrise in Ägypten vor: Verfolgungen, Folter, außergerichtliche Hinrichtungen und Unterdrückung von Regierungsgegnern und der Presse seien dem Bericht zufolge an der Tagesordnung.