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Allgegenwärtiges Mikroplastik: Was sind die Folgen?

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Allgegenwärtiges Mikroplastik: Was sind die Folgen?

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Denis Loctier, Euronews: "Wie viel Plastik landet in unseren Flüssen und was sind die Folgen für unsere Gesundheit und die Umwelt? Wissenschaftler und Einwohner europäischer Städte arbeiten zusammen an einer Antwort."

Alle paar Monate sehen Einwohner von Sambuca und anderen italienischen Gemeinden nach rund einem Dutzend Probenahmestellen an Flussufern. Sie überprüfen dort die Sauberkeit des Wassers. Die Bürgerinitiative liefert wertvolle Daten und trägt dazu bei, die Öffentlichkeit für Umweltfragen zu sensibilisieren.

Marco Giunti ist einer von ihnen, er erklärt die Initiative: "Wir führen drei verschiedene Untersuchungen durch: zwei werden mit Chemikalien, die den Nitrat- und Phosphatgehalt messen, durchgeführt, die dritte ist visueller Art. Damit wird die Trübung des Wassers gemessen."

Die Freiwilligen sammeln und protokollieren den Plastikmüll, eine häufige Ursache der Verschmutzung mit Mikroplastikteilchen, die in die Flüsse und Meere gelangt. Städtische und Industrie-Abwässer können durch die Analyse verschiedener chemischer Schadstoffe identifiziert werden.

Andrea Vanni ist eine von ihnen, sie sagt: "Wir notieren, was wir an einer bestimmten Stelle gefunden haben. Wir dokumentieren alles auf diesem Papier und online, mithilfe einer mobilen Anwendung."

Die Daten, die die Freiwilligen sammeln, werden im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts untersucht. Es nutzt auch Laborinstrumente, um Mikroplastik in Wasserproben zu identifizieren.

Das Flusswasser wird durch einen Papierfilter gegossen. Dieser wird dann in einer besonderen Apparatur auf 900°Celsius erhitzt. Während sich der Filter erhitzt, verflüchtigen sich die Mischungen bei unterschiedlichen Temperaturen. Die Waage im Inneren des Messinstruments bestimmt die Masseveränderungen bei jeder Temperatur, so bekommen die Forscher Hinweise auf die Art und die Masse der Mikroplastik.

Gemma Leone, Chemie-Professorin an der Universität von Siena erklärt: "Wir wollen die Mikroplastikpartikel aufspüren, damit wir Methoden entwickeln können, um sie zu eliminieren. Denn sie sind eine große Bedrohung für im Wasser lebende Fauna und Flora, für das gesamte Ökosystem."

Um mehr über die biologischen Auswirkungen der Mikroplastikteilchen zu erfahren, nutzen die Wissenschaftler sogenannte Mikrokosmen in Glas-Küvetten. Dort züchten sie mit simuliertem Sonnenlicht mikrobielles Leben.

Luisa Galgani forscht im Bereich der Umweltspektroskopie an der gleichen Universität und leitet außerdem das POSEIDOMM- Projekt:

"In diese Küvetten geben wir Mikropartikel von Styropor, um die Wechselwirkung mit organischem Material zu beobachten. Wir untersuchen, was passiert, wenn wir sie dem Licht aussetzen, um so die Lebensbedingungen in den oberen Ozeanschichten so naturnah wie möglich zu simulieren."

Die Veränderungen auf molekularer Ebene in diesen Mikrokosmen werden mithilfe von Kernspinresonanz gemessen. Das hilft, die Auswirkungen auf biologische und chemische Prozesse an der Oberfläche des Meeres zu verstehen. Ein Hauptproblem ist, dass es sich ((bei Mikroplastik)) um einen relativ neuen und sehr wenig bekannten Schadstoff handelt.

Denis Loctier, Euronews: "Wieviel wissen wir noch nicht über die Rolle von Plastik in unserem Ökosystem?"

"Es gibt noch sehr viel zu lernen. Wir stehen gerade erst am Anfang. Wir quantifizieren, wieviel ((Plastik)) da rein geht. Wir verstehen tatsächlich nicht, wohin große Teile verschwinden. Wir verstehen nicht, welche Auswirkungen Mikroplastik auf die Lebewesen hat - einige Aspekte, ja, aber nicht die Folgen für das gesamte biologische und chemische System unserer Gewässer", erklärt Steven Loiselle, Projekt-Koordinator von POSEIDOM.

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