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Kein Widerspruch: Digitalkunst und japanische Meister

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Kein Widerspruch: Digitalkunst und japanische Meister

Kein Widerspruch: Digitalkunst und japanische Meister
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Um 160 Jahre diplomatischer Beziehungen mit Japan zu feiern, wird Frankreich das Festival “Japonismes 2018” ausrichten mit einer Reihe der japanischen Kultur gewidmeten Veranstaltungen.

Der Begriff Japonismus entstand im 19. Jahrhundert und bezeichnet die Faszination für japanische Kunst und Kultur, die in vielen Bereichen zum Tragen kam.

Bevor Künstler und Werke nach Frankreich reisen, haben wir sie uns vor Ort in Japan angeschaut. Unser erster Abstecher geht nach Tokio auf die künstliche Insel Odaiba, wo wir das künftige Museum “Teamlab borderless” besuchen, das ganz der Digitalkunst gewidmet sein wird.

Teamlab-Grümder Toshi Inoko führt uns durch die Räume seines künftigen Museums. Wie kam er auf die Idee?

Toshi Inoko: “Die Menschen bewegen sich fort und nehmen ihre Umgebung mit ihrem Körper wahr. Ich möchte ein Universum erschaffen, das mit dem Besucher interagiert. Ich hätte gerne, dass der Besucher, während er durch diesen Raum schreitet, spürt, dass sein gesamter Körper auf die Werke reagiert.

Ein Museum, in dem man sich in der Kunst verirrt

Es wird einen Raum geben, in dem sich Tausende Blumen entfalten. Die Besucher werden völlig die Orientierung verlieren und sich fragen, wo sie sind. In einem anderen werden Hologramme auf die Oberflächen geworfen, Instrumente spielen und tanzen. Man soll diesen Raum betreten und sich in ihm verirren.”

2001 begann das Abenteuer von Teamlab. Toshi Inoko hatte gerade sein Studium in Mathematik und angewandter Physik an der Universität in Tokio absolviert und gründete mit vier anderen Studenten eine Firma für digitale Kreation. 17 Jahre später hat sie gut 500 Mitarbeiter.

Eine geschäftige Armee aus Ingenieuren, Grafikern und Künstlern kreiert die Werke für das künftige Museum, die auch an Meisterwerken der japanischen Kunst inspiriert sind, allen voran den Motiven der berühmten Rinpa-Schule für Malerei, die im 17. Jahrhundert in Kyoto entstand.

Toshi Inoko: “Für mich hat Rinpa eine Malerei erfunden, die sich über die Einschränkung des Rahmens hinwegsetzte. Genau das versuchen wir auch mit unseren Werken. Wir wollen den Rahmen abschaffen, damit sich unsere Kreationen auf jeder Oberfläche bis ins Unendliche entfalten.”

Bewegte Bilder – Die Schätze der Rinpa-Schule in Kyoto

Der Paravent des Wind- und des Donner-Gottes gilt als das Werk, das die Rinpa-Schule begründete. Anfang Oktober wird das berühmte Werk erstmals nach Paris reisen – zur Eröffnung einer außergewöhnlichen Ausstellung. Yoshiyuki Hosomi, der über eine der größten Rinpa-Sammlungen Japans wacht, hat zugestimmt, Werke von Sotatsu, Korin und Sekka, den drei berühmtesten Vertretern der Schule, dem Musée Cernuschi in Paris zur Verfügung zu stellen. Bald wird das französische Publikum die Schätze der Rinpa-Schule in Kyoto entdecken können.

Über den berühmten Paravent sagt Yoshiyuki Hosomi: “Man hat das Gefühl, dass rechts auf dem Bild der Windgott den Wind aus seinem Sack entfliehen lässt – und auf der linken Seite der Gott des Donners es kräftig donnern lässt und tatsächlich vom Himmel auf die Erde herabschreitet.

Es ist ein bewegtes Bild, während japanische Gemälde eher statisch sind. Diese Malerei bricht mit der Tradition. In dem Moment, in dem sich diese zwei Gottheiten auf dem Paravent erhoben, nahm die Geschichte der japanischen Malerei einen neuen Verlauf. Von da an sollte die Rinpa-Schule fast drei Jahrhunderte blühen.”

Yoshiyuki Hosomi zeigt uns ein anderes, diesmal kleines, aber ebenso Gemälde von Sotatsu. “Es ist an den Geschichten von Ise inspiriert und stellt es den Fürsten Narihira dar, der einer Prinzessin zu Füßen liegt. Er umwirbt sie, aber sie weist ihn ab. Das ist eine sehr seltene Szene in der Geschichte der japanischen Malerei. “

Dass die französische Öffentlichkeit bald all diese Werke entdecken wird, ist auch Korehito Masuda zu verdanken, der den Austausch zwischen der japanischen Kunstwelt und den französischen Institutionen koordiniert hat. “Was die Kultur betrifft, sind wir auf der gleichen Wellenlänge”, sagt Masuda. “Deshalb fühlen sich seit 160 Jahren viele französische und japanische Künstler zueinander hingezogen.”

Die Meisterwerke der Rinpa-Schule in Kyoto können Sie vom 26.10. – 27.1.2019 im Musée Cernuschi in Paris sehen. Und vom 4.5. – 2.9.2018 in die experimentelle Kunst von “teamLab” eintauchen – in der Grande Halle de la Villette, ebenfalls in Paris.

“Japonismes 2018. Les âmes en résonnance” heißt das der japanischen Kunst – zwischen Tradition und Moderne – gewidmete Kulturprogramm zu Ehren des 160. Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und Japan.

Sechs Monate lang stehen rund 50 Veranstaltungen in Paris und Umgebung auf dem Programm: von Kabuki im Théâtre Chaillot über die Ausstellung “Jakuchu” im Petit Palais und das Yosakoi Festival im Jardin d’Acclimatation bis zur Ausstellung “teamLab, au-delà des limites” in der Grande Halle de la Villette und der Schau “Manga Tokyo” ebenfalls im Parc de la Villette. Das zeitgenössische japanische Theater wird auf dem Herbstfestival “Festival d’Automne” in Paris im Rampenlicht stehen.

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