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Japan: "Jeder Blick ist wie eine Postkarte"

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Japan: "Jeder Blick ist wie eine Postkarte"

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Langsam taucht Dagur Sigurdsson in das warme Wasser des Außenbeckens. Mit großer Ruhe betrachtet er den Garten um sich herum: Kirschbäume blühen, Wasser plätschert.

Meinung

Ich habe bereits drei Jahre in Hiroshima gelebt. Ich wollte immer zurückkommen und habe nie ganz losgelassen.

Dagur Sigurdsson Japanischer Handball-Nationaltrainer

Wir sind in einem Onsen – einem Spa. Hier sucht der Trainer der japanischen Handball-Nationalmannschaft Entspannung. Das Besondere: Im Gegensatz zu anderen Onsen badet man hier in erhitztem Grundwasser, nicht in Wasser aus einer vulkanischen Quelle.

Sigurdsson ist Isländer, mit Anfang 20 ging er als professioneller Handball-Spieler nach Deutschland. Es folgten Stationen in Japan und Österreich. Dann sein bisher größter Erfolg: Mit ihm als Bundestrainer gewannen die deutschen Handballer 2016 überraschend die Europameisterschaft und holten eine Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Ein neues Ziel
Seit vergangenem Jahr trainiert er die japanische Nationalmannschaft. Der Isländer soll sie für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio fit machen. Eine Entscheidung, die Sigurdsson leicht fiel: “Japan ist unglaublich schön für mich. Ich habe bereits drei Jahre in Hiroshima gelebt und wollte zurückkommen, ich habe nie ganz losgelassen. Dann kam die Chance, wieder hier hinzukommen und das war für mich die Gelegenheit, weil ich wusste, dass es für mein Leben, meine Lebensqualität und meine Familie ein guter Schritt war.” Seitdem lebt er zwischen Reykjavik und Tokio.

Dagurs Japan
Er liebt die Gegensätze des Landes, die Onsen als friedliche Oasen inmitten des hektischen Alltags in Tokio. Zum anderen ist es genau die Betriebsamkeit, die ihm an Tokio gefällt.
Hiroshima kennt er bestens, auch die kleinen Dörfer bei Okinawa haben es ihm angetan. Sendai erinnert ihn wegen der Lage an seine Heimat Reykjavik, wie auch die Menschen dort. Beeindruckt war Dagur von der früheren Kaiserstadt Kyoto.

“Die ganzen Tempel sind einmalig. Wie das über Tausende von Jahren so schön gehalten wird… Und natürlich sehen die Frauen in Kimonos toll aus. Man bekommt einen Einblick in diese alte Welt, das kann man in Kyoto wunderbar erleben. Jeder Blick ist wie eine Postkarte,” sagt der Handball-Coach. Kyoto beherbergt mehr als 1000 buddhistische Tempel und Shintō-Schreine, darunter atemberaubende Pagoden , Paläste, Theater und Gärten.

Das Ausgehviertel Gion ist ein Touristen-Magnet: Hier hoffen zahlreiche Besucher, auf eine richtige Geisha zu treffen. Doch diese machen sich rar. Einige Stunden von ihnen mit Gesang und Tanz unterhalten zu werden, kann um die 500 Euro kosten.
Hinter Geishas liegt ein jahrelanges Studium der Schönen Künste. Heutzutage entscheiden sich nur noch wenige Japanerinnen für den Geisha-Beruf.

Hanami
Besonders schön erstrahlt das Land im März, wenn die Kirschbäume blühen. Das ist in Japan ein Großereignis und wird von den Medien begleitet. 60% der Bäume im ganzen Land sind Kirschbäume.
Während der zehn Tage, die diese in Japan zeitversetzt blühen, zieht es zahlreiche Menschen in Parks und auf den Promenaden. Sie treffen sich unter den Kirschbäumen und feiern “Hanami”. Manche bringen Bento, Bier und Sake mit, um den Frühlingsbeginn zu feiern.

Sushi, Sashimi und Co
Tokio ist berühmt für seine reiche Küche. Von hier stammen auch Sushi in ihrer heutigen Form. Auf dem Fischmarkt “Tsukiji” sind sie besonders raffiniert zubereitet. Herausragend: Das Restaurant Tsukiji Sushisay.

Gute Sushi-Köche durchlaufen eine jahrelange Ausbildung. In den ersten Monaten dürfen sie nur Reis zu bearbeiten – echter japanischer Rundkornreis, der allmählich auch ins Ausland exportiert wird. Ein Unterschied: Der Koch fügt das Wasabi direkt zwischen Reis und Fisch hinzu. Der japanische Meerrettich wird nicht wie in Europa dazugereicht. “Ich mag alle Sorten und am liebsten gemischt. Thunfisch und Aal schmecken mir besonders. Wenn man an der Theke sitzen darf, dann ist das wunderschön. In meinen Augen sind das Künstler!”

Kunst im Alltag, viel Liebe zum Detail – dazu die japanische Mentalität. Eine Atmosphäre, in der Dagur Sigurdsson gerne arbeitet und lebt.