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EU-Kommission will es von Facebook genau wissen

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EU-Kommission will es von Facebook genau wissen

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Die EU-Kommission hat Gesprächsbedarf mit Facebook. Derzeit werde der Kontakt auf höchster Ebene vorbereitet, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. In dem Skandal um das Sozialmedium geht es um die unerlaubte Nutzung der Informationen von bis zu 87 Millionen Facebook-Anwendern durch die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica, davon 2,7 Millionen in Europa.

Christian Wigand, Sprecher der EU-Kommission :

„Wir wollen von Facebook Auskunft, was sie anders machen wollen. Auch was die anstehenden neuen europäischen Datenschutzbestimmungen angeht und vertiefete Fragen zum demokratischen Prozess. Anfang nächster Woche wird es ein Telefonat geben zwischen Verbraucher-Kommissarin Věra Jourová und Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg.“

Schriftlich gab die Kommission weitere Details:

„Was die Datenschutzvorschriften anbelangt, ist die Europäische Union stolz darauf, Vorreiter zu sein und hohe Standards zu setzen. Wir sind uns bewusst, dass Facebook nicht nur in der EU, sondern weltweit hohe Datenschutzstandards anerkennt, und wir nehmen diese Ankündigung zur Kenntnis. Wir erwarten, dass Facebook wie alle anderen die EU-Datenschutzstandards vollständig erfüllt und die aktualisierten Bestimmungen der Datenschutz-Grundverordnung ab dem 25. Mai EU-weit anwendet. Wir setzen uns dafür ein, unsere Datenschutzwerte auch weltweit zu voranzubringen. In diesem Sinne haben wir auch den EU-US-Datenschutzschild eingeführt und sind im Gespräch mit Japan und Südkorea."

Mitte März war bekannt geworden, dass die britische Analyse-Firma Cambridge Analytica an Informationen von Millionen Facebook-Usern gekommen war – über einen Entwickler der Umfrage-App und ohne Facebook darüber zu informieren. Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg kündigte an, Facebook werde am kommenden Montag alle Nutzerinnen und Nutzer über die mögliche Weitergabe ihrer Daten an Dritte informieren.

"MARKTMACHT MISSBRÄUCHLICH AUSGENUTZT"

Der Präsident des Bundeskartellamtes, Andreas Mundt sagte Medien („Rheinische Post“): "Nach dem jetzigen Stand gehen wir davon aus, dass Facebook seine Marktmacht gegenüber den Kunden durch die Art und Weise, wie Daten aus Drittquellen gesammelt und verwertet werden, missbräuchlich ausnutzt."

Eine Mehrheit der Deutschen glaubt einer Umfrage zufolge, dass Facebook der Demokratie schadet. 60 Prozent der Befragten waren demnach der Meinung, dass soziale Netzwerke wie Facebook für die Demokratie negative Auswirkungen haben. Von einer positiven Wirkung auf die Demokratie gingen laut der Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" nur 33 Prozent der Befragten aus.

su mit dpa, Reuters