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Was wir über den mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Syrien wissen

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Was wir über den mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Syrien wissen

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Bis zu 500 Menschen sollen in einem angeblichen Chemiewaffen-Angriff im syrischen Douma in dem von den Rebellen gehaltenen Gebiet Ost-Ghouta am Samstag betroffen gewesen sein.

Die syrische Regierung dementierte den Einsatz chemischer Waffen.

Welche Hinweise gibt es? Euronews sprach mit zwei Experten und sammelte Informationen von internationalen Organisationen und Untersuchungsgruppen, um Antworten zu finden. Wir fassen zusammen, was wir bisher über die Ereignisse am Wochenende wissen.

Welche Beweise deuten darauf hin, dass es ein chemischer Angriff war?

Nach dem mutmaßlichen Angriff wurden Fotos und Videos veröffentlicht, die in Douma aufgenommen eine beträchtliche Anzahl von Opfern zeigen sollen. Viele dieser Aufnahmen entstanden in einem einzigen Gebäude befinden. Die Opfer zeigten Symptome, die mit einem chemischen Angriff übereinstimmten.

Das Recherchenetzwerk "Bellingcat" hat eines der Videos geolokalisiert, dass die pritave Zivilschutzorganisation Weißhelme veröffentlichte. Bellingcat kommt zu dem Ergebnis, dass die Aufnahmen in Douma gefilmt wurden.

Schaum um Nase und Mund "ist ein Zeichen, das man nach dem Kontakt mit Nervenmitteln beobachtet", so Alastair Hay, Professor für Umwelttoxikologie an der Universität Leeds, der die Symptome der Menschen in den Videos untersuchte.

Es sehe auch so aus, als ob die Menschen dort "fast zusammengebrochen wären, wo sie [dem Mittel] möglicherweise ausgesetzt waren", das weise auf den Kontakt mit etwas "sehr Giftigem" und nicht nur Chlorgas hin, so Hay.

Dies gelte unter der Voraussetzung, dass die Körper nicht an einen anderen Ort gebracht wurden für die Aufnahmen.

Wer will in dem Gebiet ermitteln?

Die Weltgesundheitsorganisation forderte am Mittwoch "ungehinderten Zugang" zum den Gebiet, in dem laut Aktivisten 70 Menschen getötet wurden. 500 Menschen hätten demnach Symptome erlitten, die mit der Exposition toxischer Chemikalien vereinbar seien.

Am Dienstag kündigte die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) an, dass sie auf Ersuchen Syriens und Russlands eine Erkundungsmission an den Standort entsenden werde, um den Vorwürfen des Einsatzes chemischer Waffen in Douma nachzugehen.

Die russischen Behörden haben die Gültigkeit von Fotos und Videos, die nach dem Angriff aufgenommen worden sein sollen, in Frage gestellt und weitere Untersuchungen gefordert.

Was muss analysiert werden?

Eine Analyse in Douma müsste "auf mehreren Ebenen" durchgeführt werden, um sich ein Bild davon zu machen, was wirklich passiert ist, so Dr. Jean Pascal Zanders, Berater für chemische und biologische Waffen.

Erstens müssen die Ermittler Interviews mit Zeugen führen, deren Position zum Zeitpunkt des Angriffs bestätigt wurde. Sie würden dann verschiedene Zeugnisse miteinander vergleichen, um entweder die Erzählung zu verstärken oder Unstimmigkeiten zu finden.

Zudem müssten die Opfer, einschließlich der Verstorbenen, medizinisch untersucht werden. Zanders weist darauf hin, dass es hier Probleme geben könnte, da "im Islam die Tendenz besteht, Menschen sofort zu begraben".

Diejenigen, die überlebten, zeigten jedoch eine Reihe von klinischen Symptomen, die auf ihrem Kontakt mit Giftgas hindeuteten.

Eine andere Möglichkeit wäre eine Analyse des Standortes. Wenn die Ermittler die Schalen der verwendeten Raketen wiederherstellen könnten, könnten Tests an der Innenseite des Objekts durchgeführt werden, um "die Nutzlast festzustellen".

Wird eine Untersuchung möglich sein?

Die Aufständischen verließen die Enklave in Douma während des Angriffs und syrische Truppen zogen ein, so Zanders, was es "den Russen erlauben würde, Proben für internationale Untersuchungen zu nehmen".

Er sagte, die OPCW sei höchst qualifiziert in ihrem Bereich: "Wenn die OPCW in Zusammenarbeit mit der UNO einen Angriff nicht bestätigen kann, wer dann?"

Vor diesem Hintergrund kann erst nach Fertigstellung des Berichts der Organisation festgestellt werden, ob ein chemischer Angriff in Douma stattgefunden hat.