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Mit einer Lehre gut vorbereitet für den Arbeitsmarkt

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Wussten Sie, dass es in Europa vier Millionen Lehrlinge gibt?

60 bis 70 Prozent kriegen gleich nach der Lehre einen Job. Sie besitzen die Fähigkeiten, die ein Arbeitgeber will. Dennoch ist die Jugendarbeitslosigkeit in Europa hoch. Es ist wichtig, dass bestimmte Kriterien bei den Lehren gegeben sind, damit die Lehrlinge ihren Platz im Arbeitsmarkt finden.

Dänemark ist eines von acht Ländern in Europa, die Zweidrittel der Kriterien erfüllen. 20 andere hinken hinterher.

Die Lehrer sind überzeugt. Henrik Svensson meint: "Sie kommen direkt aus der Schule hierher und haben noch kein richtiges Selbstbild. Wenn sie dann in die Firmen gehen und danach wieder hierher zurückkehren, haben sie ein neues Selbstbild."

REAL ECONOMY | APPRENTICESHIP

Mit dabei sind: Lone Folmer Berthelsen vom dänischen Industrieverband und Claus Eskesen von der Gewerkschaft.

Was machen Sie in Dänemark anders?

Lone: "Die Gewerkschaften und die Arbeitgeberorganisationen sprechen miteindander. Sie machen gemeinsame Sache, um die Lehrlinge bestmöglichst auszubilden. Momentan bieten wir 3200 unterschiedliche Kurse und Lehrgänge an. Wir haben ein System dafür."

Claus: "Wir motivieren unsere Mitglieder, wirklich auf Ausbildung zu setzen und zwar ein Leben lang. Diese Haltung vermitteln wir schon unseren Lehrlingen. Wir haben ein duales System, das bedeutet, die Lehrlinge sind sowohl in der Schule als auch am Arbeitsplatz. Da sehen sie ihre Fortschritte direkt."

Nutzen die jungen Dänen ihre Möglichkeiten?

Kira: "Ich bin Kira, ich bin 25 Jahre alt. Seit dreieinhalb Jahren lerne ich das Schildermachen. In zwei Monaten bin ich fertig. Wir arbeiten viel mit visueller Kommunikation. Ich designe etwas und bringe das gesamte Projekt dann zu Ende. Ich will mich nach meiner Lehre selbständig machen. Ich hatte Glück, ich bin schon dabei, meine eigene Firma zu gründen mit meinen eigenen Kunden.

Olivia: "Ich bin Olivia und 23 Jahre alt. Ich habe vor drei Monaten meine Lehre begonnen. Ich habe mich für die Lehre zum Dekorateur entschieden, weil ich etwas praktisches lernen wollte. Hier macht man so viele unterschiedliche Sachen, man kommt herum. Das gefällt mir. Das ist ein Job für's Leben."

Wie gut seid ihr auf den Arbeitsmarkt vorbereitet?

Kira: "Viele Leute haben mir gesagt, ach, Du machst ja bloß Sticker, wie kann das dreieinhalb Jahre dauern? Aber es ist so viel mehr, was man lernt. Ich kann jetzt auf eigenen Füßen stehen."

Olivia: "Ich glaube, ich bin sehr gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet, weil ich schon in der Firma bin. Wirklich gut."

Saadiya Zahidi vom Weltwirtschaftsforum hat Folgendes in einem Interview gesagt: ich wüsste gern, was ihr dazu sagt.

"Ein Leben lang muss das Lernen weiter gehen. Flexibilität ist gefragt. Das wollen die Arbeitgeber und die Gewerkschaften. Mit dieser Haltung müssen die jungen Menschen an die Sache herangehen. Das muss den Schulkindern ebenso wie den Lehrlingen vermittelt werden. Und auch an den Universitäten sollte das vermittelt werden."

Claus: "Wir können leicht ein gemeinsames Ziel formulieren. Was den Inhalt angeht, müssen auch die Sozialpartner mitreden. Das ist momentan wichtig, aber auch noch in zehn oder zwanzig Jahren."

Lone: "Wir planen, was sie am Arbeitsplatz lernen sollen und was in der Schule. Wir können auch schnell etwas im Lehrplan verändern, wenn es notwendig ist. Das machen wir ständig."

Noch etwas, was Saadiya sagte: "Beim Weltwirtschaftsforum haben eine Umfrage gemacht, was für eine Stelle am wichtigsten ist. Und ja, technische Fähigkeiten, Computer, natürlich, aber unter den Top Ten waren: die Fähigkeit zu kritischem Denken, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, Kreativität, die Fähigkeit zu aktivem Zuhören. Das sind also allgemein menschliche Fähigkeiten, die gefragt sind."

Hat Ihre Lehre Sie auf das, wovon Saadiya spricht, vorbereitet?

Olivia: "Ja, ich glaube, meine Lehre hat mir das beigebracht. Menschen Zufriedenheit zu bringen, durch meine Arbeit."

Kira: "Ich habe gelernt, unabhängig zu sein und ein Projekt zu Ende zu bringen."

Es wird häufig kritisiert, dass die Uni-Studenten völlig unvorbereitet auf den Arbeitsmarkt losgelassen werden. Sind Lehren in dieser Hinsicht besser?

Claus: "Ich glaube, das duale Ausbildungssystem hilft sehr. Fast alle bekommen nach der Lehre auch einen Job. Sie sind bereit für den Arbeitsmarkt, denn sie waren schon im Arbeitsmarkt während ihrer Lehre."

Vertrauen unter allen Beteiligten scheint auch ein wichtiger Punkt zu sein.

Claus: "Ohne Vertrauen geht es nicht. Auch Vertrauen in die Zukunft."

Lone: "In den Firmen ist man nicht nur ein Lehrling, sondern auch ein Kollege."

Claus: "Flexibilität ist sehr wichtig, damit sie in fünf oder zehn Jahren dann nicht arbeitslos sind."