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Biobutanol: Sauberer Kraftstoff aus Stroh

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Weizenstroh ist eine natürliche, erneuerbare Ressource, die künftig für die Herstellung eines neuen Biokraftstoffs für unsere Autos verwendet werden könnte. Wie und in welchem Umfang ist das möglich? euronews-Reporter Julián López Gómez hat sich an einem Versuchsstandort im nordspanischen Aoiz umgeschaut.

Wissenschaftler versuchen dort im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts, Stroh zur Herstellung von Biobutanol zu nutzen. Eine vielversprechende Alternative zu existierenden Biokraftstoffen wie Biodiesel oder Ethanol, sagen die Forscher. Grüner, effizienter, nachhaltiger und vor allem: billiger.

Inés del Campo, Chemieingenieurin (CENER): "Im Vergleich zu anderen existierenden Biokraftstoffen ist Butanol viel schwerer. Das bedeutet, dass es viel weniger flüchtig ist. Dadurch werden wenige Gase freigesetzt, beispielsweise an Tankstellen oder industriellen Installationen."

Die Umwandlung von Roh- zu Kraftstoffen erfordert komplexe mechanische, chemische und molekulare Prozesse. Die Wissenschaftler haben Hunderte verschiedene Varianten getestet, um die richtige Rezeptur zu finden.

Irantzu Alegría, Biologin (CENER): "Wir zermahlen Weizenstroh in kleine Partikel und erhitzen die reduzierte Biomasse etwa 5 Minuten lang auf 175 °C und geben etwas Säure hinzu. Dadurch entsteht ein für Enzyme optimales Substrat. Die Enzyme reduzieren die langen chemischen Ketten im Substrat in Moleküle, sogenannte Monomere. Dann fügen wir Mikroorganismen hinzu, die sich von diesen Molekülen ernähren und sie direkt auf optimale Weise in Butanol umwandeln."

Die für den Vorgang benötigten Bakterien wurden in einem Labor im britischen Abingdon gezüchtet. Die Molekularbiologen und Biochemiker haben Mikroorganismen mit hoher Toleranz bestimmten Chemikalien gegenüber ausgewählt.

Holly Smith, Molekularbiologin (Green Biologics): "Die größte Herausforderung bestand darin, mit den Rohstoffen des Projekts zu arbeiten. Weil diese Chemikalien enthalten, die die Bakterien während der Fermentation behindern können. Deshalb haben wir Bakterienstämme entwickelt, die sich mit diesen Chemikalien vertragen."

Biobutanol ist kein reiner Treibstoff sondern muss beigemischt werden. Labortests haben gezeigt, dass der Anteil bei Diesel bis zu 40% und bei Benzin bis zu zu 16% betragen könnte,

Julián López Gómez, euronews: "Aus wissenschaftlicher Sicht, wie weit sind wir noch von der tatsächlichen Anwendung auf der Straße entfernt?"

Eward Timothy Davies, Projektkoordinator Butanext: "Die Technologie existiert bereits. Die Herausforderung besteht darin, die Produktionskosten niedrig zu halten. Bis es dafür einen kommerziellen Willen gibt, dürften noch 5 bis 10 Jahre vergehen. Und dann müssen die Behörden entscheiden, entsprechende Vorschriften müssen verändert oder geschaffen werden. Und das geschieht nur, wenn es auch einen kommerziellen Antrieb gibt."

Die Wissenschaftler hoffen, dass ihre Arbeit dazu beitragen könnte, das von der EU gesteckte Umweltziel zu erreichen. Bis 2020 sollen 10% der Kraftstoffe aus erneuerbaren Energiequellen stammen.

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