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Marina Abramović - Balkan, bis es wehtut

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Marina Abramović - Balkan, bis es wehtut

Art Must Be Beautiful
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Foto: Sigrid Ulrich
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Grenzerfahrungen sind ihr Thema - selten geht es dabei ohne Tabubruch ab und selten auch ohne Gewalt, meist gegen sich selbst und sei es auch nur beim Haarbürsten. Marina Abramović, Serbin und Performance-Künstlerin, hat ihre "Macke" zum künstlerischen Lebensinhalt gemacht - zu sehen in einer Retrospektive über fünf Jahrzehnte in der Bonner Bundeskunsthalle: Sie ist wie besessen von Selbstkasteiung und Selbstverletzung. Damit habe das sensible, oft geschlagene Kind Marina schon in frühester Jugend sich und ihre Umgebung geschockt, erzählt sie in einem Video.

Unbewegten Gesichts hält eine überlebensgroße Marina Abramović am Eingang ihren bereits geschwärzten rechten Zeigefinger in eine Kerzenflamme, nur die um die Kerze gekrampfte linke Hand verrät die Anspannung - und dann hört man sie. Klagen, ihren damaligen Kunst-und Lebensgefährten Ulay (bürgerlich: Frank Uwe Laysiepen) anschreien, Ohrfeigen verteilen auf den Videos von ihren Performances.

Und immer wieder die langen politischen Turbulenzen in Serbien und seinem Umfeld auf dem Balkan: Stalin taucht auf im Perfomance- Vokabular, "Krieg ist unsere ewige Last" und "Türkisch, 500 Jahre lang".

Man lernt, dass Skelette waschen ein altes slawisches Trauerritual ist.

Foto: Sigrid Ulrich
Lips of ThomasFoto: Sigrid Ulrich

Und schließlich die Bilder von "Balkan Baroque", die der Ausstellung den Namen gaben:

1997 setzt sich Abramović während der Biennale in Venedig mitten im kriegerischen Zerfall des alten Jugoslawiens vier Tage lang auf einen Berg blutiger Rinderknochen und schrubbt sie mit Bürste und Seifenlauge, dazu singt sie Liederfetzen vom Balkan - bis es wehtut und sie den "Goldenen Löwen" bekommt.

Foto: Sigrid Ulrich
Rhythm 10 von Marina AbramovicFoto: Sigrid Ulrich

Marina Abramović - "The Cleaner" bis zum 12. August in der Bundeskunsthalle in Bonn