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Integriert, aber nur geduldet. Und deshalb arbeitslos.

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Integriert, aber nur geduldet. Und deshalb arbeitslos.

Integriert, aber nur geduldet. Und deshalb arbeitslos.
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Schierling in Bayern, die Fahnenfabrik Kössinger. Die Welt könnte in Ordnung sein, ist sie aber nicht, weder für den Geschäftsführer noch für Bayat Masoumeh, abgelehnte Asylbewerberin aus dem Iran. Hier hat sie gearbeitet, seit 2016. Ihre Arbeitsstelle hat sie sich selbst gesucht:

Florian Englmaier ist Eigentümer der Fahnenfabrik Kössinger:

"Sie kam zu uns und sagte, sie suche einen Job als Näherin. Gleichzeitig war einer unserer anderen Näherinnen in den Ruhestand gegangen. Wir sagten, dass wir jemanden suchen, und dass es schwierig ist, Näherinnen zu finden, besonders Näherinnen mit vorheriger Ausbildung"

Während die deutsche Wirtschft brummt, herrscht überall Fachkräftemangel, bleiben nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit 1,2 Millionen Stellen unbesetzt, während Flüchtlinge die Bundesrepublik kanpp 21 Milliarden euro im Jahr kosten. Als Asylbwerberin durfte Bayat arbeiten, sie hatte alle nötigen Papiere. Als konvertierte Christen hatten sie Asyl gesucht in Deutschland, aber die Anträge für sie und ihre Familie wurden abgelehnt.

Bayat Masoumeh, abgelehnte iranische Asylberberin:

"Ich war schon vor Gericht, aber sie glauben mir nicht, dass ich Christin bin. Sie sagen, ich lüge und ich bin kein Christin. Dabei bin ich immer in die Kirche gegangen, ich helfe anderen und habe alles getan, was ich konnte."

Agelehnte Asylbewerber werden geduldet, wenn eine Abschiebung nicht möglich ist. Bayat Masoumeh und ihrer Familie drohen als Christen im Iran Repressalien. Sie dürfen bleiben, aber mit dem Asylbewerberstatus verlor Bayat auch ihre Arbeitserlaubnis.

Ein Problem für Florian Englmaier:

"Also musste sie ziemlich plötzlich aufhören, was natürlich auch für uns schwierig war, weil wir ja auch eine Planung haben. Also mussten wir nach einem Ersatz suchen. Aber das hat uns natürlich sehr überrascht, dass war sehr plötzlich."

Angesichts von Fällen wie dem von Englmaier drängen Wirtschaftsverbände die Regierung, ein System zu reformieren, das Entscheidungen über das Schicksal der Geduldeten den 16 Bundesländern überlässt, mit uneinheitlichen Ergebnissen, die oft willkürlich erscheinen.

Die Zahl dieser "Geduldeten" wird voraussichtlich zunehmen, da Deutschland mehr Asylanträge ablehnt. Rund 25 Prozent der Asylentscheidungen wurden 2016 abgelehnt, wie Regierungszahlen zeigen. Diese Zahl stieg im vergangenen Jahr auf 38,5 Prozent

Wegen ihres Ausscheidens musste Florian Englmaier einen Auftrag für einen Großkunden verschieben - und hat immer noch keinen Ersatz gefunden. Er wünscht sich mehr Verständnis für die Bedürfnisse der Arbeitgeber:

Für Florian Englmaier wird dadurch klar:

"Es wäre gut zu wissen, dass die Arbeiter für uns dauerhaft verfügbar sind, so dass wir langfristig planen können. Ich würde mir wünschen, dass wir als Arbeitgeber unsere Bedürfnisse äußern können und gehört werden."

Bayat hofft noch immer, dass die Duldung für sie und ihre Familie in eine Aufenthaltsgenhemigung gewandelt wird – damit sie wieder an ihren Arbeitsplatz zurück kehren kann.