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Italien: Möglicher Regierungschef Giuseppe Conte muss Lebenslauf erklären

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Italien: Möglicher Regierungschef Giuseppe Conte muss Lebenslauf erklären

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Die Ernennung einer neuen italienischen Regierung aus Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischen Lega zieht sich weiter hin. Hauptgrund: Unklarheiten im Lebenslauf des Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, Giuseppe Conte - Conte soll die Regierung aus 5 Sternen (Cinque Stelle) und der rechtsextremen Lega führen, braucht allerdings noch die Zustimmung von Staatspräsident Sergio Mattarella.

Die populistische 5-Sterne-Bewegung hat Medienberichte zurückgewiesen, wonach der Juraprofessor sich in seinem Lebenslauf mit falschen Lorbeeren schmückt. Darin hatte der auch in seinem Heimatland bislang weitgehend unbekannte Kandidat unter anderem die New York University als eine Auslandsstation in seinem akademischen Werdegang

aufgeführt. An der Universität war er einem Bericht der “New York Times” jedoch weder als Student noch als Lehrbeauftragter jemals eingeschrieben. Laut den 5 Sternen hat Conte den Aufenthalt genutzt, um sein Englisch aufzufrischen.

FINANZMÄRKTE NERVÖS

Neben Spekulationen über die Qualifikation des Kandidaten treibt die Sorge über einen Konfrontationskurs der künftigen Regierung mit Brüssel die Finanzmärkte um: Die zusehends nervösen Anleger verlangten von Italien bis zu 2,418 Prozent Zinsen - die seit 14 Monaten höchste Rendite für Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Erste Stimmen warnten bereits davor, die Papiere zu kaufen.

EXZELLENZ IM LEBENSLAUF

Die beiden populistischen Parteien Cinque Stelle und Lega hatten den 53-jährigen Rechtsprofessor und Anwalt aus dem süditalienischen Apulien dem Staatspräsidenten vorgeschlagen. Contes Zwölf-Seiten-Vita strotzt vor akademischer Exzellenz, vor Auszeichnungen, Publikationen, Mitgliedschaften in Vereinigungen. Von 2008 bis 2012 habe er zum Beispiel "jeden Sommer" und "nie weniger als einen Monat lang" an der New York University seine Studien perfektioniert. Laut Nachfrage der New York Times bei der Universität war Conte aber weder Student noch Fakultätsmitglied, er hatte lediglich Zugang zur Bibliothek.

Politisch soll Conte progressiv und europafreundlich sein, was doch stark kollidieren würde mit dem Image der rechten und europakritischen Koalition, der er als Ministerpräsident vorstehen soll. Seit vier Jahren beriet er die Fünf Sterne in Justizfragen. Beitreten mochte er wohl nicht, er stand auch nie auf einer ihrer Wahllisten. Vor den jüngsten Wahlen präsentierte ihn die Partei als möglichen Minister für die öffentliche Verwaltung.

su mit dpa, Reuters