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Bilderberg-Konferenz: Weltelite tagt geheim in Turin

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Bilderberg-Konferenz: Weltelite tagt geheim in Turin

Bilderberg-Konferenz: Weltelite tagt geheim in Turin
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Flickr/Tyler Merbler
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Ein geheimer Club, der die Welt regiert? Alljährlich sorgt sie für wilde Spekulationen und Proteste: die Bilderberg-Konferenz. Dieses Jahr findet das geheime Treffen im italienischen Turin statt. Wie immer ist der Tagungsort streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit.

Wer ist dabei?

131 Vertreter aus 23 Ländern haben ihre Teilnahme bestätigt. Zwei Drittel von ihnen kommen aus Europa, der Rest aus Nordamerika. Darunter hochkarätige Politiker, Diplomaten, Konzernchefs, Militärs, Adelige, Intellektuelle und einige Medienvertreter. Ein „Who is Who“aus Wirtschaft und Politik.

Dieses Jahr unter den „Bilderbergern“: Google-Oberaufseher Eric Schmidt, NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen.

Was steht auf der Agenda?

Zwölf Themen sollen während der vier Tage in Turin diskutiert werden – von aktuellen diplomatischen Spannungen bis zur Technik von morgen:

1. Populismus in Europa

2. Die Herausforderung der Ungleichheit

3. Zukunft der Arbeit

4. Künstliche Intelligenz

5. USA vor den Halbzeitwahlen

6. Freihandel

7. Internationale Führungsrolle der USA

8. Russland

9. Quantencomputer

10. Saudi-Arabien und der Iran

11. Postfaktische Welt

12. Aktuelle Ereignisse

Weltherrschaft der Superelite?

Veröffentlicht wird außer dieser Themen- und einer Teilnehmerliste nichts. Besucher dürfen zwar über Inhalte berichten, aber dabei keine Personen nennen. Das soll den freien Austausch erleichtern, sorgt aber für viel Argwohn und lässt Raum für Spekulationen.

Die Mächtigen und Reichen teilen auf der Konferenz die Welt untereinander auf, sagen die einen. Andere gehen noch weiter und sprechen vom Plan einer Bilderberger „Weltdiktatur“ im Sinne einer „Neuen Weltordnung.“

Schließlich sei Angela Merkel kurz nach ihrer Teilnahme im Jahr 2005 zur Kanzlerin gewählt worden. Helmut Kohl wurde 1980 zur Konferenz eingeladen und zwei Jahre später zum mächtigsten Mann Deutschlands gekürt. Helmut Schmidt ein Jahr nach seiner Bilderberg-Teilnahme im Jahr 1973.

Alles Quatsch, sagte Grünen-Politiker Jürgen Trittin, der 2012 zum Bilderberg-Treffen reiste. „Von der Diskussionskultur ist das eigentlich mit jeder Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung oder der Konrad-Adenauer-Stiftung oder der Münchner Sicherheitskonferenz zu vergleichen", rechtfertigte Trittin damals seine Teilnahme – auch vor seiner eigenen Partei.

Sowohl linke als auch rechte Gruppen machen jedes Jahr gegen das Treffen mobil. Kritiker fordern mehr Transparenz und eine öffentliche Kontrolle des Events. So könne Mythen und Verschwörungstheorien entgegengewirkt werden.

Seit wann gibt es die Bilderberg-Konferenz?

Die informellen Treffen finden seit 1954 jährlich statt. Sie sind nach dem ersten Tagungsort benannt, dem Hotel de Bilderberg im niederländischen Oosterbeek.

Einer der Organisatoren war Józef Retinger, Berater der polnischen Exilregierung in London. Er wollte mit dem Treffen vor allem eines: einen diskreten Meinungsaustausch zwischen einflussreichen Persönlichkeiten aus Europa und Nordamerika.

Für seine Idee konnte er den ehemaligen belgischen Premierminister Paul van Zeeland gewinnen sowie Paul Rykens, den damaligen Vorsitzenden des niederländisch-britischen Unilever-Konzerns. Gemeinsam entwickelten sie die Pläne für eine wiederkehrende Konferenz.