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Treue Seelen, ständige Begleiter: Das sind die Superfans der WM-Teams 2018

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Treue Seelen, ständige Begleiter: Das sind die Superfans der WM-Teams 2018

Treue Seelen, ständige Begleiter: Das sind die Superfans der WM-Teams 2018
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Sie legen Tausende von Kilometern zurück und geben große Mengen Angespartes aus, um ihre Teams zu unterstützen.

Wir haben mit einigen der verrücktesten und beeindruckendsten Fans der Nationalmannschaften in ganz Europa gesprochen. Sie erzählen, warum und wie sie es schaffen, immer da zu sein.

Russland

Eduard Latypov, Chef von Vereintes Russland, vereint die Fans

Superfan Eduard Latypov kommt aus St. Petersburg, er ist der Vorsitzende des Fanclubs Vereintes Russland. Dieser unterstützt die russischen Nationalmannschaften sowohl im Fußball als auch im Hockey. Der Fanclub wird während der WM 2018 über 7000 km zurücklegen, um bei den Spielen vor Ort zu sein.

Die Organisation ist noch relativ jung und überraschend weiblich: Erst zur letzten WM haben sich die Fans nach Brasilien auf den Weg gemacht. Fast die Häfte der Fans in seinem Klub sind Frauen.

Allerdings kann Eduard Latypov mehr als nur anfeuern und Reisen planen. Sein Fanklub gibt auch Fanmaterial wie Banner und Choreografien in Auftrag und hilft maßgeblich bei der Organisation der Fanzonen in russischen Städten mit. Zur WM wird der Fanklub zudem einen Getränkestand betreiben.

Für den Wiedererkennungseffekt tragen die Fans die blau gestreiften, ärmellosen Marine-Shirts (ärmellos), die auch die russischen Teamplayer außerhalb des Spielfeldes anhaben.

Wird Russland gewinnen?

“Wunder geschehen”, meint Latypov. Er sei sich aber bewusst, dass das russische Team nicht zu den Favoriten gehöre.

Deutschland

Superfan der Mannschaft : "Der Spielplan legt die Route fest"

Kein Weg ist zu weit..

Am 11. Juni ist es wieder so weit: Armin Hollensteiner macht sich auf die Reise – dieses Mal nach Russland. Zwar reisen zahlreiche Fans aus Deutschland nach Russland, um die Spiele der Mannschaft zu sehen, aber nur wenige tun das über den Landweg.

Für Hollensteiner ist das schon eine Selbstverständlichkeit – wie das Wiederkehren der internationalen Fußballtuniere – EM und WM – abwechselnd alle 2 Jahre.

"Der Spielplan legt die Route fest", sagt Hollensteiner im Gespräch mit euronews. Die ersten drei Termine stehen also schon fest: Moskau, Sotschi und Kasan.

Insgesamt schätzt er, dass er mit seinem auf den Namen "Büffel" getauften Geländewagen in diesem Jahr 12.000 Kilometer zurücklegt. Von Kiel geht es mit der Fähre nach Litauen und dann über Riga nach Moskau – zum ersten Spiel der Mannschaft.

Schon seit der EM 1996 hat er es sich zur Tradition gemacht, zu den Spielen der Deutschen 11 zu fahren. 2010 wurde dann die Idee geboren, die Turniere mit dem Reisen zu verbinden – Hollensteiners zwei große Leidenschaften.

Die Reise nach Südafrika wollte gut vorbereitet werden: Bevor die Fahrt quer durch Afrika losging, flog er zwei Mal hinunter, um die Etappen vorzubereiten. Drei Monate war er damals unterwegs.

Alleine ist der 58-Jährige dabei aber nicht. Neben Freunden, die ihn über bestimmte Abschnitte begleiten und seine Frau, die selbst reiselustig ist und entscheidet mitzukommen, trifft Hollensteiner auf seinen Touren immer viele andere – ebenfalls Fußball-Passionierte – Menschen.

Durch seinen fast schon prominenten Status als Fan der deutschen Nationalmannschaft wurde er auch schon zu verschiedenen Events eingeladen, traf Giovanni Elber und Oliver Bierhoff.

Zudem hat sich ein Kontakt zu einer Organisation aus dem Allgäu ergeben, die in den WM-Orten bedürftige Kinder operieren.

Auch Weltmeere halten Hollensteiner nicht auf: 2014 verschiffte er seinen Büffel nach Mexiko und fuhr gemeinsam mit seiner Frau durch Mittel- und Südamerika zur WM nach Brasilien.

Für die Spiele in Russland macht er sich keine Sorgen, auch wenn er findet, dass die Turniere "glückssache" sind. So erklärten sich Siege wie die Griechenlands und Portugals (EM 2004 und 2016). „Wenn die Vorrunde für Deutschland gut geht, dann habe ich gute Hoffnung“, so der Ostwestfale.

Und wenn Deutschland doch ausscheidet? Dann schaltet Hollensteiner "wieder in den Reisemodus" und tingelt über Umwege zurück ins heimische Bielefeld.

Spanien

Manolo el del Bombo: 36 Jahre Trommeln für die Selección

Der spanische Superfan Manolo el del Bombo, 69, ist ein Mythos. Eine Institution, buchstäblich, da er eine Bar in Valencia besitzt, ein "Museum des Fußballs", und er hat die Unterstützung des spanischen Fußballverbandes, der Reisen, Unterkunft und Zugang zu den Stadien finanziert.

Er hat sogar seine eigene Wikipedia-Seite. Sein Taschengeld verdient er sich durch die Arbeit in seiner Bar.

Euronews sprach mit seinem Agenten.

Manolo el del bombo begann, Teams wie Huesca, Zaragoza und Valencia zu unterstützen. Bei der Weltmeisterschaft in Spanien 1982 trommelte er dann für die Nationalmannschaft. "Für mich ist Fußball eine sehr leidenschaftliche Sache."

Einer der dramatischsten Momente war letztes Jahr, als seine Trommel gestohlen wurde – glücklicherweise wurde sie schnell wieder gefunden.

Bei der WM 2018 in Russland plant er, bei jedem Spiel von Spanien dabei zu sein... "wenn die Gesundheit mitspielt”.

Ob er seine Trommel mit in die Stadien mitnehmen kann, wird er erst in letzter Minute erfahren. Die strengen Sicherheitskontrollen könnten ihm einen Strich durch die Rechnung machen.

Über die Aussichten für Spanien bei dieser WM ist er nicht allzu zuversichtlich: "Es gibt viele gute Gegner. Ich hoffe, dass Spanien in die bestmögliche Position kommt und eine gute Leistung zeigt. Ich würde mich freuen, wenn wir wieder Sieger werden könnten, aber es wird kompliziert. Ich wünsche mir, dass die Leute das Spiel der Selección genießen”.

Frankreich

"Jede Reise ist faszinierend"

Seine früheste Erinnerung als Fan ist das schicksalhafte Frankreich-Bulgarien-Spiel von 1993. Ein Tor von Kostadinov in den letzten Sekunden des Spiels raubte Frankreich einen Platz bei der Weltmeisterschaft 1994. "Ich war jung, aber ich erinnere mich, dass ich nach dem Spiel geweint habe."

Jahre später ist er nun Teil eines der offiziellen "Les Bleus"-Fanclubs, Les Irrésistibles Français (die Unwiderstehlichen Franzosen) und hat bereits tausende von Meilen zurückgelegt, um sein Team spielen zu sehen.

"Ich finde jede Reise faszinierend", sagt der 32-Jährige. Er besuchte zum ersten Mal Spiele in der Ukraine während der Euro 2012. Während der Weltmeisterschaft 2014 verbrachte er 15 Tage in Brasilien, dem "Land des Fussballs". Was ihn beeindruckte, war, wie anders die Fußballkultur dort im Vergleich zu Frankreich war. "Am Tag des Spiels tragen alle gelb, und alle, jung und alt, sehen sich das Spiel an."

Fabians schönste Erinnerung als Anhänger der Bleus ist jedoch ein Heimspiel. Im November 2013 brauchte die französische Mannschaft einen 3:0-Sieg gegen die Ukraine, um im folgenden Sommer nach Brasilien zu kommen. Das Wunder geschah im Stade de France: "Es war unglaublich, eine Atmosphäre wie nie zuvor."

Für Fabian gehört Frankreich zu den wenigen Teams, die in diesem Jahr eine klare Gewinnchance haben. "Wir haben ein junges Team, aber wir haben auch die Erfahrung der EM 2016 in Frankreich." Er hofft, dass Frankreich zumindest das Halbfinale erreicht. "Damit niemand danach sagen kann, wir hätten es leicht gehabt." Er ist überzeugt von der Mannschaft des französischen Trainers Didier Deschamps. "Ich spiele auch Fußball. [Deschamps] kennt die Spieler in- und auswendig, er kennt die Gruppe. Ich vertraue ihm."

Fabian hebt am 14. Juni nach Russland ab.

England

Superfan oder dummer Fan?

Er ist der englische Superfan, der Zehntausende von Flugmeilen aus den USA für seine Fußballhelden zurücklegt. Dan Lawson ist in Farnborough in Südengland aufgewachsen. Vor sechs Jahren zog er in die USA. Der 28-Jährige begann ein neues Leben in New Jersey als Fußballtrainer, aber es fiel ihm schwer, die alten Gewohnheiten als England-Fan aufzugeben.

Seit 2014 ist er für etwa 15 Spiele zurück nach Europa geflogen. Auch für die EM 2016 kam er nach Frankreich: "Ich würde mich wegen des Geldes und der Reisen wohl eher als dummer Fan bezeichnen", sagte er Euronews hinsichtlich des schlechten Abschneidens

"Ich persönlich kann es nicht aufgeben, aber meine Frau denkt, dass ich verrückt bin und fleht mich an, für ein Haus zu spare", sagte Lawson. Zehntausende von Flugmeilen hat er nach England zurückgelegt und 5.700 Euro für einen einfachen Flug nach Russland ausgegeben.

"Ich denke nicht gerne darüber nach wie viel mich all die Reisen nach England gekostet haben. Weil viele Orte so schwer zu erreichen sind. Ich plane diese Reise jetzt, ich muss von New York nach Kopenhagen, Kopenhagen nach Lettland, Lettland nach Moskau und dann Moskau nach Wolgograd fliegen."

Was motiviert ihn also, seine Nationalmannschaft zu unterstützen?

"Es gibt keinen einfache Erklärung für meine Motivation", sagte er. "Es ist wohl Leidenschaft, dennl der Fußball den die Mannschaft spielt, ist es nicht wert. Ich erlebe gerne neue Kulturen und trffe andere gleichgesinnte Fans.”

"Meine Frau hält mich für einen Spinner. Ich habe ein paar Freunde, die Expats sind und ich glaube, sie verstehen das. Freunde aus den USA haben kein Verständnis”.

"Ich habe es schon oft bereut. In den meisten Fällen. Aber ich gehe immer wieder zurück. Nach der EM habe ich beschlossen, nicht nach Russland zu fahren. Aber je näher es rückt, desto größer wird die ewige Hoffnung eines Englandfans."

Portugal

Nuno Gonçalves, Musiker und Superfan

"Das Ziel ist, nicht vor den anderen nach Hause zu fahren."

Nuno folgt der Nationalmannschaft Portugals seit der EM 2004. "Offensichtlich hat es geholfen, in Portugal zu spielen. Ich konnte einfach nicht zum ersten und letzten Spiel gegen Griechenland gehen. Danach bin ich zu allen europäischen und Weltcup-Turnieren gegangen", sagte Gonçalves zu Euronews.

Die Spiele seiner Mannschaft schaut er sich mit seinen Bandmitglieder der Band The Gift an. Einer von ihnen ist sein Bruder, John Gonçalves. "Ich habe Freunde fürs Leben, die ich bei diesen Fußball-Reisen kennen gelernt habe", fügt Nuno hinzu.

"Der beste Moment, den ich mit der Nationalmannschaft hatte, war nicht einmal Eder's Tor (das dem Land den Europameistertitel 2016 einbrachte). Das beste war das Spiel gegen England im WM-Viertelfinale 2006, als Ricardo (Torhüter) drei Elfmeter stoppte und Cristiano Ronaldo den Trffer erzielte, der uns ins Halbfinale brachte. Der Moment, in dem er in den Himmel zeigte, ist unvergesslich", betont Nuno.

Die größte Enttäuschung für diesen Superfan war das Halbfinale 2006 gegen Frankreich. "Ich habe mir die Augen ausgeweint und ich war der Letzte, der das Stadion verließ. Ich war am Boden zerstört. Es war unsere größte Chance, Weltmeister zu werden", bedauert Nuno.

"Meine lustigste Geschichte war auch bei der Weltmeisterschaft 2006. Während des Spiels gegen Holland (letzte 16) fühlte ich mein Handy vibrieren. Nach dem Spiel hatte ich Dutzende von Nachrichten. Eine Großaufnahme wurde von mir im Fernsehen übertragen, wärhend ich die Mannschaft von der Tribüne aus völlig euphorisch unterstützte. Nicht einmal als Gift 2005 einen MTV Award gewann, habe ich so viele Nachrichten auf meinem Handy bekommen", erinnert sich der Musiker.

In Russland plant Nuno, zu jedem Spiel Portugals zu gehen. "Die ersten beiden sind garantiert und für den Rest wird man Schritt für Schritt sehen. Das Ziel bei dieser Art von Turnieren ist immer das gleiche: nicht früher nach Hause zurückzukehren als die anderen. Das Finale ist das Hauptziel", sagt Nuno.