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Erster Prozess um Babyraub-Skandal in Spanien

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Erster Prozess um Babyraub-Skandal in Spanien

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Während der Franco-Diktatur sind in Spanien tausende Säuglinge aus Geburtskliniken verschwunden. Ärzte, Krankenschwestern und katholische Einrichtungen sollen nach Schätzungen von Historikern und Menschenrechtlern zehntausende Babys nach der Geburt in Krankenhäusern entwendet und an regimetreue Familien weitergegeben haben.

Der spanischen Justiz liegen heute mehr als 2000 Anzeigen vor. Opfer waren in den ersten Jahren den Angaben zufolge vorwiegend Regimegegner. Ab den 1950er Jahren sollen auch Eltern, die aus ärmlichen Verhältnissen stammten oder unverheiratet waren, betroffen gewesen sein. Den Eltern wurde damals stets erzählt, die Säuglinge seien tot auf die Welt gekommen oder nach der Geburt gestorben.

Jetzt hat in Madrid der erste Prozess um den jahrzehntelangen Babyraub begonnen. Es geht um den Fall von Inés Madrigal. Die heute 49-Jährige soll bei ihrer Geburt 1969 in einer Madrider Klinik ihren Eltern weggenommen worden sein.

Der Frauenarzt Eduardo Vela, für den die Staatsanwaltschaft elf Jahre Gefängnis fordert, soll damals die Geburtsurkunde der Klägerin gefälscht und ihre Adoptivmutter als leibliche Mutter eingetragen haben. Der 85-jährige Vela beteuerte in Madrid vor Gericht seine Unschuld.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten Dutzende Betroffene und Sympathisanten.

"Mein Mädchen wurde mir weggenommen, sie ist am 23. Mai 1977 auf die Welt gekommen", erzählt eine Frau.

"Ich suche nach meiner Schwester, die am 20. September 1966 geboren wurde. Wir haben nie geglaubt, dass das Mädchen gestorben ist. Es gibt keine Geburtsurkunde und keine Sterbeurkunde und der Name des Gynäkologen ist auch unaufindbar", berichte eine andere Demonstrantin.