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Klauen uns Roboter bald die Arbeit?

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Klauen uns Roboter bald die Arbeit?

Klauen uns Roboter bald die Arbeit?
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Eine Arbeit von neun bis fünf, ein und derselbe Job ein Leben lang- all das gehört der Vergangenheit an! Durch die digitale Revolution hat sich unser Arbeitsleben in den vergangenen Jahren total verändert, eine Studie zeigt sogar: Es passiert 10-mal schneller und mit dem 3000-fachen der Auswirkungen im Vergleich zur ersten industriellen Revolution.

Faktencheck

  • Roboter könnten mehr als fünf Millionen Arbeitsplätze in den 15 größten Volkswirtschaften der Welt vernichten.
  • In Europa sollen vier bis sechs von zehn Arbeitsplätzen automatisiert werden, mit dem höchsten Risiko für die Südeuropäer.
  • Zwei von fünf Arbeitgebern in den G-20-Ländern geben an, keine qualifizierten Mitarbeiter für ihre offenen Stellen zu finden.
  • In Europa könnte das bis 2020 825.000 offene Stellen bedeuten.
  • Die Evolution der Automatisierung bedeutet auch, dass wir bald 15 bis 20 verschiedene Arbeitsstellen während unseres Berufslebens haben könnten.

Geht es Menschen dank Robotern bald besser oder schlechter?

Beim Brüssler Wirtschaftsforum, wurde gerade darüber diskutiert, ob durch die Automatisierung die Produktivität wächst. Doch die eigentliche Frage ist: Ginge es den Menschen dann besser? Werden die Löhne stagnieren oder sogar fallen - wie in Deutschland, als die Automatisierung eingeführt wurde?

Jeremy Rifkin, Präsident der Stiftung für wirtschaftliche Trends: "Wenn man weiß, wie eine Technologie funktioniert, sieht man schnell ob die Gewinne den Menschen unten zugute kommen. Während der ersten und zweiten industriellen Revolution im 19. und 20. Jahrhundert war die Infrastruktur so aufgebaut, um von oben nach unten zentralisiert zu werden. Sie musste vertikal skaliert werden, um Renditen für die Aktionäre zu erzielen und die großen globalen Unternehmen. Egal ob in der Sowjetunion oder in Europa, du musstest es genau gleich machen. An der dritten industriellen Revolution ist neu, dass sie nicht darauf ausgelegt ist, zentralisiert zu werden. Man kann versuchen die Technologie zu kontrollieren und zu monopolisieren ... Regierungen versuchen das bereits und auch manche Internet-Unternehmen wie Facebook, Twitter, Google oder Amazon. Aber wenn Sie das tun, verlieren Sie die Produktivität, denn sie können ein Unternehmen schließen, aber man würde den Netzwerk-Effekt verlieren."

Aber was denken die Unternehmen?

Pierre-Dimitri Gore-Coty, Europa-Chef von Uber: "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Uber und andere Apps wie Uber diejenigen sind, die die Löhne kontrollieren. Am Ende des Tages sind wir nur eine Plattform und den Leuten steht es frei, ihr beizutreten. Allerdings kontrollieren wir die Einnahmen und wir wissen, dass dies eines der Themen ist, die den Fahrern am wichtigsten sind. Das bedeutet, dass es eine ziemlich gesunde Konkurrenz schafft zwischen den verschiedenen Tech-Unternehmen, um ihre Apps für die Menschen so attraktiv wie möglich zu machen."

Es gibt auch kritische Stimmen

Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationaler Gewerkschaftsbund (IGB): "Die Digitalisierung ist das Gleis Richtung Zukunft ... also bietet sie Chancen. Aber wenn man sich anschaut, was gerade bei der Verschmelzung traditionneler Unternehmen mit den großen digitalen Unternehmen geschieht, Amazon zum Beispiel kauft Lebensmittelunternehmen, Finanzdienstleistungen, juristische Dienstleistungen auf. Es ist bereits ein globales Warenhaus. Irgendwann wird es zu groß, um es noch zu kontrollieren. Und vor allem behandelt es seine Arbeiter wie Roboter und die Regulierung kann das nicht wirklich verhindern."

Werden ärmere Länder abgehängt?

Winnie Byanyima, Geschäftsführerin von Oxfam International: "Am wichtigsten ist, dass die Regierungen ihre Rolle finden und all ihre Macht nutzen, damit die Technologie dem Wohle der Mehrheit dient und nicht Wenigen nutzt. Regierungen müssen in Schlüsselbereiche der technologischen Entwicklung investieren, um eine gewisse öffentliche Kontrolle aufrechtzuerhalten."

Prof. Robert Gordon von der Northwestern University: "Es gibt heute Roboter in der Produktion und es gibt eine schrittweise Einführung von Robotern in Lagerhäusern. Es gibt aber kaum Roboter im Einzelhandel, im Bauwesen, im Gesundheitsbereich und an Universitäten. Für einen Großteil der Wirtschaft, sind Roboter überhaupt nicht selbstverständlich. Ich spiele gerne ein Spiel: "Finde den Roboter in deinem Alltag" und ich sehe sie nie. Selbst im Supermarkt mit automatisierten Kassen ohne Kassierer stehen noch Menschen, die schauen, dass sie auch nichts stehlen."

Faktencheck Nummer 2

  • In den vergangenen zehn Jahren hat die Automatisierung in Europa zu einem Anstieg der Arbeitsplätze in den Bereichen Wissenschaft, Verwaltung und Technik geführt.

  • Aber auch zu großen Arbeitsplatzverlusten im Bauwesen und in der Landwirtschaft.

  • In der Zukunft sind die Arbeite am meisten gefährdet, ihre Jobs zu verlieren, deren Arbeit routinemäßige Aufgaben umfasst, die Roboter schneller erledigen können.
  • Die Jobs, die Kreativität, Fachwissen oder das Management von Menschen voraussetzen weniger, da soziale Interaktionen, nicht von Robotern geleistet werden können.
  • digitale und soziale Kompetenzen werden auch dabei helfen, Zugang zu neuen Arbeitsplätzen im Gesundheitswesen und in der Technologie zu erhalten oder auch zu den acht bis neun Prozent der neuen Arbeitsplätze bis 2030, die heute noch gar nicht existieren!

Was muss getan werden, um Arbeitsplätze für die Zukunft zu schaffen?

Pierre-Dimitri Gore-Coty, Europa-Chef von Uber: "Meiner Meinung nach braucht es zwei wichtige Veränderungen für die Zukunft der Arbeit: Erstens die Übertragbarkeit von Sozialleistungen: Das bedeutet, dass Vorteile nicht mehr mit dem Arbeitgeber verbunden werden dürfen, sondern wir eine Welt brauchen, in der sie mit dem Individuum verbunden sind. Wenn ich mich also dazu entscheide, ein bischen für Uber zu fahren, auf einer anderen Plattform auch etwas zu tun und noch dazu einen Teilzeitjob zu haben, muss ich immer noch in der Lage sein, alle Sozialleistungen zu sammeln und zu behalten, während ich in meinem Arbeitsleben immer wieder den Kurs ändere.Der zweite wichtige Aspekt ist das lebenslange Lernen. Wir müssen einen Weg finden, um all jene, die Apps wie Uber nutzen, auf die nächsten Jobs vorzubereiten, wo auch immer uns die Technologie hinführt.

Kristo Käärmann, Co-Gründer von Transferwise: "Die Kinder, die heute zur Schule oder auf die Universität gehen, sollten sich unbedingt wissenschaftliche Jobs suchen, sie sollten lernen, wie man programmiert und lernen, wie man die neuen Produkte der Zukunft baut, die einige der Arbeitsplätze automatisieren, die wir heute haben und die nicht unbedingt einen großem Mehrwert bringen"

Sharan Burrow, Generalsekretärin des Internationaler Gewerkschaftsbund (IGB): "Was wir brauchen, ist ein neuer Gesellschaftsvertrag. Einige Elemente des Gesellschaftsvertrags wurden einfach verwässert und müssen bekräftigt werden - ein Mindestlohn oder ein fairer Vertragspreis, garantierte Sozialleistungen und natürlich das Recht auf Kollektivverhandlungen. Wir schaffen eine Gesellschaft, die zurück in der Zukunft ist. Ich meine, niemand will, dass seine Kinder und Enkelkinder unter denselben Bedingungen arbeiten müssen wie zu Zeiten der industriellen Revolution. Und doch: in vielen Fällen in unserer Versorgungskette und bei den neuen Arbeitsplätzen, die über digitale Plattformen organsiert sind, ist das schon heute Realität.

Marco Buti, Generaldirektor der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen der Europäischen Kommission: "Es hängt sehr stark von den politischen Maßnahmen ab, die wir umsetzen. Um es in die richtige Richtung zu lenken, muss die Politik einen reibungslosen Übergang vom Abbau von Arbeitsplätzen hin zu neuen Chancen ermöglichen. Ich denke Bildung, Ausbildung, Umschulung, lebenslanges Lernen, eine Reform der Produkt- und Dienstleistungsmärkte, nicht nur der Arbeitsmärkte - das alles ist absolut entscheidend!"

Jeremy Rifkin, Präsident der Stiftung für wirtschaftliche Trends: "Technologien und technologische Infrastrukturen sind niemals neutral, sie haben einen Preis. Dies führt uns zu einer neuen Form der Globalisierung, der sogenannten Glokalisierung. Diese neuen Infrastruktur-Communities in Städten und Regionen werden in der Lage sein, sich virtuell und physisch gegenseitig auf der ganzen Welt zu engagieren, alles, was Sie brauchen ist ein Mobiltelefon."

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