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WM-Aus: Händler verramschen Fanartikel oder motten sie ein

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WM-Aus: Händler verramschen Fanartikel oder motten sie ein

WM-Aus: Händler verramschen Fanartikel oder motten sie ein
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Das erste „Aus“ einer deutschen Fußball-Nationalmannschaft in einer WM-Vorrunde geht auch an der Wirtschaft nicht ganz spurlos vorbei: Gastwirte befürchten weniger Umsatz, Einzelhändler bangen um das Zusatzgeschäft mit WM-Artikeln wie Trikots, Werber rechnen mit einer kleinen Delle nach dem Imageverlust für “Die Mannschaft”.

Und was wird jetzt aus all den Nuckeln mit der Aufschrift „#1 Fan“ für die kleinsten Fußballfans bis hin zu Shampoo-Fan-Editionen für die Großen, den dreifarbigem „Pick up“-Schokoriegeln mit Blutorangengeschmack, den bunten Schokoküssen und den Chips mit der Aufschrift „Chakalaka“? Den Außenspiegel-Überzügen und Auto-Fähnchen? Den Hasenohren und T-Shirts mit der Aufschrift „So sehen Sieger aus“ ?

Nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM haben die viele Händler mit dem Verramschen der Fan-Artikel begonnen. Die Warenhauskette Kaufhof lockte unter dem Motto "Schade Deutschland" mit einem "Trostrabatt" von 40 Prozent auf die Trikots der deutschen Mannschaft. Auch die Supermarktkette Rewe kündigte größtenteils preisreduzierte WM-Fan-Artikel an. Ein deutsches Heimtrikot (vorher 89,95 Euro) kostet bei Sport Münzinger in München nun 30 Euro weniger.

Auch an der Börse zeigte die Niederlage des deutschen Teams Spuren. Unter Druck gerieten die Aktien des Ausrüsters Adidas. Sie verloren 1,5 Prozent und waren einer der schwächsten Werte im Dax.

2014 war der Fußball-Umsatz von Adidas dank Weltmeister Deutschland auf ein Rekordniveau geklettert. Unterm Strich stand nach Konzernangaben seinerzeit ein Umsatz von rund 2,1 Milliarden Euro in der Kategorie Fußball. Insgesamt setzte Adidas vor vier Jahren mehr als 8 Millionen Trikots ab, davon drei Millionen der deutschen Mannschaft. Seit dem legendären „Wunder von Bern“ 1954 arbeiten Ausrüster Adidas und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zusammen.

Einige besonders Hartnäckige setzen auf Recycling.

Björn Lindert, Deiters, Frechen:

"Natürlich sind in den Regalen noch Artikel vorhanden. Aber das ist jetzt nicht so schlimm, dass das uns jetzt in eine Depression stürzt. Ich glaube, das sportliche Abschneiden der Mannschaft ist enttäuschender als das wirtschaftliche für uns.

Das kommt jetzt größtenteils ins Lager. Aber da die schwarz-rot-goldenen Farben ja nicht ausgehen und da wir optimistisch sind – die Holländer haben sich mittlerweile dran gewöhnt, dass sie bei den Turnieren nicht dabei sind. Wir wollen uns da gar nicht erst dran gewöhnen. Die nächste Europa- und Weltmeisterschaft kommt bestimmt. Dann brauchen wir die Artikel wieder.“

Unter dem Strich dürfte die Konjunktur in Europas größter Volkswirtschaft nicht unter dem Ausscheiden der Truppe um Nationaltrainer Joachim Löw nach der enttäuschenden 0:2-Niederlage gegen Südkorea leiden, da sind sich Experten einig.

Und manchem Betrieb kommt das WM-Aus vielleicht nicht ganz ungelegen. Das arbeitgebernahe IW-Institut aus Köln hat berechnet, dass es die Wirtschaft bis zu 200 Millionen Euro kosten könnte, wenn zahllose Arbeitnehmer etwa eine Stunde früher nach Hause gehen, um WM-Spiele des deutschen Teams wie das gegen Südkorea zu schauen.

Sigrid Ulrich mit dpa, Reuters