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Tauziehen um Seenot-Rettung im Mittelmeer

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Tauziehen um Seenot-Rettung im Mittelmeer

Tauziehen um Seenot-Rettung im Mittelmeer
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Das politische Tauziehen um mehrere Schiffe von Flüchtlings-Hilfsorganisationen auf Malta geht weiter. Die Behörden der Insel hatten die Schiffe am Auslaufen gehindert, darunter die Sea Watch 3, die einer deutschen Organisation gehört. Auch ein Kleinflugzeug wurde festgesetzt. Es war für Sea Watch im Einstz, um Flüchtlingsboote auf dem Mittelmeer zu sichten. Für die Helfer bedeutet die aktuelle Situation die Aussicht auf ein möglicherweise längeres juristisches Hin- und Her.

"Wir werden rechtlich gegen Malta vorgehen", sagt Reuben Neugebauer von der Organisation Sea Watch. "Und wir werden sehen, welche anderen Möglichkeiten wir haben, um wieder arbeiten zu können. Dort draußen sterben Menschen. Vor allem bei unserem Flugzeug kann niemand sagen, dass es mit Schmugglern zusammenarbeitet. Das Flugzeug sucht ausschließlich nach Menschen, die in Schwierigkeiten stecken. Das ist eindeutig eine Rettungsmission. Es ist, als ob jemand einen Notarzt aufhält, der auf dem Weg zu einem Verkehrsunfall ist. Wer so etwas macht, der landet vor Gericht."

Die Behörden auf Malta wiesen die Vorwürfe zurück. Man habe keine Rettungsmission in Auftrag gegeben.

Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen im Mittemeer ist generell umstritten – ähnlich wie Art und Umfang der Kooperation der EU mit den Behörden in Libyen. An der niederländischen Universität Leiden beschäftigt sich Eugenio Cusumano mit dem Thema.

Isabel Silva, euronews: Welche Rolle spielen Nichtregierungsorganisationen in der Seenotrettung ?

Eugenio Cusumano, Universität Leiden: "Sie werden immer noch gebraucht, weil es im Moment keine europäische Präsenz jenseits der Libyschen Küste. Die lybische Küstenwache wurde zwar von der EU ausgebildet, ist aber nicht besonders gut ausgerüstet um Rettungsaktionen durchzuführen. Ein Land wie Libyen, das kein Seenot-Kooperationszentrum hat und in einem derart fragilen Zustand ist, kann eine solche Aufgabe auch gar nicht bewältigen. "

euronews: Warum haben Sie gesagt, dass das Angebot von Spanien, Rettungsboote aufzunehmen, eher wenig hilfreich war in der aktuellen Situation ?

Eugenio Cusumano: "Die spanischen Häfen sind zu weit entfernt um eine dauerhafte Alternative zu sein, wo Rettungsboote landen können. Damit sind einfach sehr viele humanitäre und logistische Probleme verbunden. Die Helfer wären gezwungen, weit entfernt von den Regionen im Mittelmeer zu sein, wo es die größten Probleme gibt. Aus humanitärer und logistischer Perspektive wäre es besser, wenn die Flüchtlinge in Italien landen könnten und dann in andere Länder der Europäischen Union verteilt würden."