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WM statt "Armutsplan"? Kritik für Macron in Frankreich

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WM statt "Armutsplan"? Kritik für Macron in Frankreich

Macron wollte seinen Plan zur Bekämpfung der Armut am Montag vorstellen
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Ludovic Marin/Pool via Reuters
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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollte seine Strategie zur Bekämpfung der Armut im Land eigentlich am kommenden Dienstag, 10. Juli vorstellen. Laut Elysee wird der von vielen mit Spannung erwartete Termin nun auf September verschoben.

Die Regierung gab Terminprobleme für die Vertagung an.

Doch sowohl französische Medien als auch Kritiker des Präsidenten vermuten, dass der wahre Grund die FIFA-Fußballweltmeisterschaft ist.

Le Parisien schrieb, dass das Staatsoberhaupt "nicht will, dass eine Ankündigung dieser Größenordnung unbemerkt zwischen zwei WM-Spielen stattfindet".

Emmanuel Macron hatte in der Tat versprochen, dass er nach Russland gehen würde, um Les Blues zu unterstützen, wenn sich das Team für das Halbfinale qualifizieren würde. Ein mögliches Spiel gegen Brasilien oder Belgien würde am 10. Juli um 20 Uhr ausgetragen.

Kritik der Sozialisten: "Das Elend wartet nicht"

Der französische Sender France Info will aus Regierungskreisen eine Bestätigung dieser Theorie erhalten haben.

"Das Elend wartet nicht und wir werden ein Jahr verlieren", sagte Véronique Fayet, die Präsidentin von Secours Catholique, einer Hilfsorganisation, die die Armut bekämpfen will.

Der Kandidat der Sozialistischen Partei für die französischen Präsidentschaftswahlen 2017, Benoît Hamon, kommentierte den Aufschub per Twitter "'Panem and Circenses", lateinisch für "Brot und Zirkusse". Er beschrieb damit die zynische Formel der römischen Kaiser, um die Massen mit reichlich Essen und Unterhaltung zufriedenzustellen.

Auch der Chef des PS sagte in der Nationalversammlung: "Glaubt jemand in Frankreich, dass die Anwesenheit von Emmanuel Macron auf der Tribüne in Moskau das Spiel der französischen Mannschaft verbessern wird? Das französische Team braucht Emmanuel Macron nicht, um zu gewinnen. Auf der anderen Seite brauchen die Armen, die einen Armutsplan brauchen, einen Präsidenten."

"Brot und Spiele reichten aus, um das Volk der römischen Kaiser hinzuhalten. Das Brot wird warten," fügte er hinzu.

Französischen Medien zufolge wird Macron das Thema Armut dennoch am Montag im Kongress ansprechen.

Anmerkung: In Frankreich bezeichnet man die angekündigte Strategie zur Bekämpfung der Armut mit "Armutsplan" oder "Anti-Armutsplan". Gemeint ist aber der selbe Sachverhalt.