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"Kartenspielen und Eisessen": 350 Senioren besetzen Freizeitzentrum in Rom

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"Kartenspielen und Eisessen": 350 Senioren besetzen Freizeitzentrum in Rom

"Kartenspielen und Eisessen": 350 Senioren besetzen Freizeitzentrum in Rom
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Es ist ihr einziger Treffpunkt in der Nachbarschaft: In Rom hat eine Gruppe von rund 350 pensionierten Italienern entschieden, ein gemeinschaftliches Freizeitzentrum für ältere Menschen im Norden der Stadt zu übernehmen. Die Gemeinde hatte es im Mai für unnutzbar erklärt.

Zuvor hatte sich die rüstige Gruppe regelmäßig im 15. Bezirkszentrum Roms versammelt und auf die Eröffnung eines neuen Freizeitzentrums gewartet. Denn das hatte man ihnen versprochen. Allerdings ist der Bau des letzteren - begonnen im Jahr 2011 - noch nicht abgeschlossen.

Der Präsident der Seniorengemeinde, Giuseppe Betulia, sagte Euronews, dass es zwar andere Freizeitzentren in der Gegend gibt. Das Haus, das sie in der Via Cassia besetzt haben sei aber am besten für Mitglieder eines fortgeschrittenen Alters zugänglich.

"90-jährige Mitglieder sind nicht immer in der Lage, mit öffentlichen Verkehrsmitteln so weit zu fahren", sagte Betulia.

Die Gruppe hatte zuvor versucht, die Schließung des Gebäudes zu verhindern, nachdem die öffentliche Verwaltung - angeführt von der Fünf-Sterne-Bewegung - es für unbrauchbar erklärt hatte.

Sie sammelten Mittel für die Renovierung des Gebäudes und installierten ein neues Elektro- und Klimasystem. Dennoch schloss es die Stadtverwaltung und stufte die Renovierung als "illegal" ein.

Am Montag dann verschafften sich rund 70 ältere Menschen Zutritt zum Gebäude, indem sie die das Schloss knackten.

Betulia wies jede Unrechtwissen zurück: "Wir haben einfach das Schloss der Schande aufgebrochen. Schlösser sollen Menschen versklaven, sie verletzen ihre Würde."

Marcello Ribero/Facebook

Die Gruppe setzt auf friedlichen Protest: "Wir werden einfach hier bleiben und unser Leben weiterführen, Kartenspielen und Eisessen."

"Wir denken, dass der Bürgermeister des 15. Bezirks, Stefano Simonelli, ein guter Mann ist und in seinem Herzen weiß, dass 350 ältere Menschen nicht im Stich gelassen werden können", fügte hinzu. Die Gemeinde müsse die notwendigen Verbesserungen vornehmen, damit der Ort bis zur Fertigstellung des neuen Zentrums weiter genutzt werden kann.

Marcello Ribera, ein Abgeordneter der Opposition, der gegen die Schließung des Zentrums ist, sagte Euronews, dass die Fünf-Sterne-Bewegung wenig getan hat, um das neue Freizeitzentrum fertigzustellen.

"Wir bitten die Verwaltung, den Dialog mit den alten Menschen zu führen, aber nicht, sie zu vertreiben. Das Problem in dieser Situation ist das Fehlen von Politik", sagte er.

Im vergangenen Monat forderte der Gemeinderat Simonelli und die Sozial- und Betriebsräte auf, "alle notwendigen Verfahren zur Wiedereröffnung des Zentrums von Tomba di Nerona zu beschließen".

Simonelli antwortete nicht auf die Bitte von Euronews um Stellungnahme.