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Nach Rudelprozess: Wie 4 Frauen Sanfermines entgegenblicken

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Nach Rudelprozess: Wie 4 Frauen Sanfermines entgegenblicken

Nach Rudelprozess: Wie 4 Frauen Sanfermines entgegenblicken
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REUTERS
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Das diesjährige Stierkampffestival San Fermin in Pamplona findet nur zwei Wochen nach der Freilassung einer Gruppe von Männern statt, die eine 18-jährige Frau sexuell angegriffen haben.

Die Freunde, genannt "Wolfsrudel", waren am 26. April dieses Jahres wegen sexuellen Missbruachs verurteilt worden.

Von dem schwereren Verbrechen der Vergewaltigung wurden sie freigesprochen, da das Gericht nicht der Ansicht war, dass das Opfer Einschüchterung oder Gewalt ausgesetzt war.

Der Fall hatte spanienweit für heftige Proteste gesorgt.

Im Vorfeld des berühmten Festivals von San Fermin sprach Euronews mit Naira, Sara, Ana und Paula - vier Frauen aus Pamplona, die im gleichen Alter wie das "Wolfrudel"-Opfer sind. Wir fragten sie, was sie tun, um sich vor sexuellem Missbrauch zu schützen und wie sich das Festival seit dem sogenannten Rudelprozess für sie verändert hat.

Frauen müssen sich selbst schützen.

Zu keinem Zeitpunkt allein zu sein, nicht mit Fremden zu sprechen und das Handy immer griffbereit zu haben, das sind einige der Vorsichtsmaßnahmen, die junge Frauen nach dem Angriff 2016 treffen.

"Es ist traurig, dass man so vorsichtig sein muss. Ich versuche, nicht alleine nach Hause zu gehen oder einfach immer durch eine belebte Straße zu gehen", sagte Naira.

Wir sind alle Opfer gewesen.

Unangemessene Berührungen, Beleidigungen und Gefummel sind nur einige der Erfahrungen, denen Frauen auf solchen Partys oder Festen ausgesetzt sind.

"Nicht nur ich, sondern alle anderen Mädchen sind Opfer von Übergriffen oder Beleidigungen durch Männer geworden", sagte Naira.

Paula sagte, sie sei begrapscht worden: "Ich denke, dass jede, nicht nur in San Fermin, sondern auch in Nachtclubs oder einer großen Party, das durchgemacht hat und ich finde es peinlich."

Ana sagt, Männer glauben, "es ist ihr Recht, zu berühren, wen sie wollen". Deswegen vermeidet sie es, ihre Gruppe von Freunden während des Festivals zu verlassen, denn "wenn man allein ist, passiert das Schlimmste".

Eine soziale Revolution?

Sexueller Missbrauch in San Fermin ist nicht neu. Im Zeitraum 2004-2017 wurden 13,41 % aller Beschwerden über sexuelle Übergriffe während dieser 14 Jahre in Pamplona innerhalb Festival-Zeit registriert.

Eine Studie der Öffentlichen Universität von Navarra zeigte eine Zunahme der Beschwerden über sexuelle Übergriffe in San Fermin, die durch den Rudelprozess ausgelöst worden sein könnten. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die höheren Zahlen eine positive Entwicklung darstellen, da weniger Frauen über sexuellen Missbrauch schweigen.

Für Maria Silvestre, Professorin für Soziologie an der Universität Deusto, war die wichtigste Veränderung in der spanischen Gesellschaft seit dem "Wolfspack"-Fall das Befeuern der landesweiten Proteste.

Die umstrittene Entscheidung des Gerichts löste eine Welle von Protesten im ganzen Land aus. Unter dem Motto "Schwesternschaft, ich glaube an dich" gingen Millionen von Menschen auf die Straße, um sich mit dem "Wolfsrudel"-Opfer zu solidarisieren und sexuelle Gewalt gegen Frauen anzuprangern.

Natalia Oelsner
Kampagne gegen sexuelle Belästigung in PamplonaNatalia Oelsner

Der Stadtrat von Pamplona hat außerdem eine App gestartet, mit der Frauen jede Art von Missbrauch, der ihnen während San Fermin widerfährt, anprangern können. Die App sendet einen Alarm an die Polizei, der es ihnen ermöglicht, das Opfer aufzuspüren und sofortige Hilfe zu schicken.

Paula glaubt, dass der tragische Fall einige positive Auswirkungen hatte: "Wir sehen, wie die Gesellschaft endlich dafür kämpft, die Rechte der Frauen zu verteidigen und zu verhindern, dass Frauen vergewaltigt und getötet werden."

"Wenn die Gerechtigkeit nicht auf unserer Seite ist, dann müssen wir uns vereinen und kämpfen, damit solche Dinge nicht mehr passieren", sagte Naira.

Anmerkung: Der Fall wurde "Wolfsrudel" oder "Rudelprozess" genannt, da die Täter in einer Whatsapp-Gruppe Bilder des Übergriffs miteinander teilten. Diese Gruppe trug den Namen "Wolfsrudel".