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Migranten berichten von Polizeigewalt an kroatischer Grenze

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Migranten berichten von Polizeigewalt an kroatischer Grenze

Migranten berichten von Polizeigewalt an kroatischer Grenze
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Lokalaugenschein in einem illegalen Flüchtlingslager in Bosnien. Immer mehr Männer, Frauen und Kinder versuchen, von hier in die Europäische Union zu kommen, ohne gültigen Ausweis. An der kroatischen Grenze ist für die meisten aber Schluss. Sie werden von der Polizei angehalten und zurück in diese Lager geschickt. Im ostbosnischen Bihac sitzen zurzeit Hunderte Migranten fest.

Die Frewillige Helferin Ivana führt durch das Lager: "Hier schlafen die Migranten. Zu viele Menschen auf so wenig Platz. Die Bedingungen sind schlecht. Man muss vorsichtig sein, wo man hintritt, denn es gibt Löcher im Boden. Ein paar Migranten sind durchgefallen und haben Verletzungen an Kopf und Händen erlitten."

Keine finanziellen Mittel von der EU

Die Flüchtlinge sind in diesen Lagern auf die Hilfe von Freiwilligen angewiesen. Denn: Die EU möchte so nahe an der kroatischen Grenze keine Unterkünfte finanzieren.

Offizielle Asylzentren in Balkanländern, die von der EU ins Spiel gebracht worden waren, sind zuletzt von Albanien, Mazedonien und Bosnien abgelehnt worden. Die Behörden befürchten, dass sich viele der 50.000 in Griechenland gestrandeten Flüchtlinge auf den Weg in Richtung Bosnien machen könnten.

Polizeigewalt an der Grenze

Ein Migrant erzählt von seinen Erlebnissen an der Grenze: "Ich habe gesagt, ich hätte nichts zu essen und dass ich zurückgehe, aber die Polizei hat mich angehalten, mein Geld genommen und mir das Bein mit einem Stock gebrochen."

Das ist kein Einzelfall. Viele Migranten berichten von Polizeigewalt an der Grenze. Allein 34 solcher Vorfälle wurden vom bosnischen Arzt Senad Okaovic untersucht: ''Wenn ein Migrant zu uns kommt, machen wir eine genaue Untersuchung. Wir nehmen seine Geschichte der Verletzung auf und fragen, wie diese Verletzung verursacht wurde. Einige der Migranten sagen, dass Verletzungen durch die Polizei mit Elektroschocks, körperliche Misshandlung und so weiter zugefügt wurden. Das sind die Fakten. Wir haben alle Aufzeichnungen und genaue Daten."

Die kroatische Polizei hat unterdessen alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Die aktuellen Flüchtlingszahlen

Seit Anfang des Jahres sind deutlich weniger Migranten an Europas Außengrenzen als in den Vorjahren angekommen. Von Anfang Januar bis Mitte Juni waren es nach Angaben der Organisation für Migration (IOM) in Genf gut 54.300 Menschen. Bis Ende Juni 2017 waren es gut 100.000, bis Ende Juni 2016 waren es 240.000.

Auf der Balkanroute wurden bis Ende Mai in Bulgarien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien und Ungarn rund 9000 Flüchtlinge und Migranten gezählt.