Eilmeldung

Eilmeldung

Investieren in Europa: Version 2.0

Sie lesen gerade:

Investieren in Europa: Version 2.0

Investieren in Europa: Version 2.0
Schriftgrösse Aa Aa

Die Unternehmensinvestitionen in Europa erholen sich zwar, liegen aber in den Bereichen Innovation und Infrastruktur immer noch weit unter dem Niveau vor der Krise. Europas Investititonsplan: wir ziehen Bilanz nach dreieinhalb Jahren.

Vor dreieinhalb Jahren wurde der 315 Milliarden Euro schwere Europäische Fonds für strategische Investitionen (EFSI) vorgestellt. Er sollte die schwächelnde Konjunktur ankurbeln.

Funktioniert der Plan? Mit EFSI wurden bisher hauptsächlich Projekte in Forschung und Entwicklung und kleine und mittlere Unternehmen gefördert. Aber die Investitionen in Innovation und Infrastruktur liegen immer noch weit unter Niveau vor der Wirtschaftskrise. Also wurde der Plan angepasst.

Das neue Investitionsziel? 500 Milliarden Euro bis 2020 verbunden mit der Hoffnung, dass durch jeden Euro aus öffentlichen Mitteln private Investitionen von insgesamt 15 Euro generiert werden - durch den Fonds gibt es Garantien von 26 Milliarden Euro aus dem EU-Haushalt und 7,5 Milliarden Euro von der Europäischen Investitionsbank.

Dank dieser Methode wurden Projekte in den Bereichen Gesundheit, Internetzugang und erneuerbare Energien finanziert - und das in ganz Europa in Ländern wie Griechenland, Polen, Estland, Portugal und Spanien.

Realitätscheck in Spanien

Eruonews-Reporter Guillaume Desjardins prüfte in Spanien, ob diese Finanzierungshilfen wirklich zu Innovationen führt. Trotz der jüngsten, zaghaften Verbesserung ist es für Unternehmen in Spanien immer noch schwierig, Zugang zu Krediten zu bekommen - dabei hat die Europäische Investionsbank EIB bereits Investitionen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro bewilligt.

Kritiker weisen dann schnell auf große Projekte hin, die einen relativ einfachen Zugang zu Krediten haben - sie scheinen die großen Gewinner zu sein.

Carlos Mancholas, SAICA: "Wir kennen die Behörden, und wir wussten, dass sie an einem solchen Projekt interessiert sein würden. Die Europäische Investitionsbank passt sehr gut zu unserer Philosophie."

Die Finanzierungshilfe hat dem Unternehmen SAICA dabei geholfen, neue, sauberere Recyclingtechnologien zu entwickeln und Arbeitsplätze zu schaffen.

"Wir haben mit diesem Projekt rund 120 feste Arbeitsplätze geschaffen, und während der Bauphase 500 Mitarbeiter beschäftigt", so Mancholas.

Dank des europäischen Investitionsplans konnte SAICA weiter wachsen - doch das Unternehmen war bereits Marktführer in seiner Branche mit Fabriken in ganz Europa. Nicht ganz so einfach lief es für Exovite, ein lokales Startup, das sich auf medizinisches Material der Zukunft spezialisiert hat. Für sie war es nicht einfach, Finanzierungshilfen zu bekommen:

"Man könne uns nicht helfen, da wir nicht kreditwürdig wären", so Geschäftsführer Juan Monzón.

Dank der 300.000 Euro von der EIB konnte der Geschäftsführer einen Prototyp entwickeln und sein Personal verdoppeln - aber es war nicht einfach:

Bei uns arbeiteten zwei Personen zwei Monate daran. Das war nicht einfach für uns, weil wir kein so großes Unternehmen sind. Zwei Personen, zwei Monate, das hieß, dass 20 Prozent unserer Arbeitskraft dafür benutzt wurde. Vielleicht kann die EIB mit Mentoren arbeiten. die einem dabei helfen, alle Formulare auszufüllen", so Monzón.

Jorge Alonso, CEOE Aragón : "Bei kleinen Unternehmen sind Institutionen zwischengeschaltet. Manchmal sind sie sich nicht bewusst, dass das Geld, die Mittel aus der EU kommen, sie glauben, dass es eine lokale Bank ist, die das Darlehen bereitstellt."

Gibt es Verbesserungsmöglichkeiten? Sollte man die Werbetrommel für den Investitionsplan rühren und den Antragsprozess vereinfachen?

Der Weg zur Unterstützung

Der Europäische Fonds für strategische Investitionen ermöglicht es John, Katie und Simone, ihre Investitionsvorhaben vorzustellen. John aus der Privatwirtschaft und Katie aus dem öffentlichen Sektor planen große Projekte mit mehr als 3000 Mitarbeitern. Simone betreibt ein kleines Unternehmen. Ihr Vorhaben wird von Gutachtern nationaler Förderbanken geprüft.

John und Katie stellen ihre Projekte EIB-Mitarbeitern vor, die ihre Rentabilität beurteilen. Wenn sie diese Prüfung bestehen, geht das Verfahren weiter zum EIB-Investitionsausschuss.

Zwei Kriterien müssen erfüllt sein: Ist das Finanzierungsrisiko für andere zu hoch? Außerdem wird ein Investitionsvorhaben bei Marktversagen oder suboptimalen Investitionsbedingungen gefördert (Prinzip der Zusätzlichkeit).

Gibt das Komitee sein ok, können John und Katie die EFSI-Prüfung und -Unterstützung nutzen, um mehr Geld zu sammeln, indem sie andere Investoren von der Tragfähigkeit ihres Projekts überzeugen.

Simone durchläuft einen ähnlichen Prozess, aber mit ihrer lokalen Bank oder ihrem Finanzinstitut, die EFSI-Mittel erhalten, um kleinen Unternehmen wie ihrem zu helfen.

Was bewirkt der EFSI tatsächlich?

Aber ich bin nicht die Einzige, die sich fragt, ob der europäische Investitionsplan tatsächlich seine beabsichtigte Wirkung entfaltet. Für unsere jährliche Bilanz sprach ich mit Jyrki Katainen, dem Vizepräsidenten der Europäischen Kommission

Maithreyi Seetharaman: "Was bewirkt der EFSI tatsächlich?"

05:15 Maithreyi:So tell us what you’ve brought as the real stuff to show us what EFSI is doing now?

_Jyrki Katainen: "_Das hier ist ein konkretes Beispiel dafür, dass ein Projekt mit sozialer Wirkung davon profitiert: Es wird vom EFSI, dem Privatsektor und der finnischen Regierung kofinanziert und hat zum Ziel, 2500 Migranten in Finnland in Arbeit zu bringen. Ich bringe Ihnen genau dieses Beispiel mit, weil es sich hier nicht wie sonst bei normalen EFSI-Investitionen üblich, um KMU-Finanzierungen, Industrieprojekte oder Infrastrukturen handelt."

Maithreyi Seetharaman: "Wenn Sie von EFSI und Migranten sprechen, stellt sich auch die Frage nach der Beschäftigung von Europäern - 300.000 ist die Zahl, die im Raum steht."

_Jyrki Katainen: "_Die Zahl 300.000 basiert auf EFSI-Investitionen bis Ende 2016. Die aktuelle Zahl ist höher. 640.000 europäische KMUs haben eine Finanzierung erhalten. Sie arbeiten im digitalen oder Tourismusbereich, aber es gibt auch größere Projekte."

Maithreyi Seetharaman: "Stellt sich die Frage der Transparenz: Dass die EIB Geschäfte mit gut bekannten Kunden macht. Wer führt die Aufsicht?"

Jyrki Katainen: "EFSI fungierte als Garantie für die europäische Investitionsbank (EIB). Jetzt konzentrieren wir uns auf das Programm 'Invest EU', das sich etwas vom EFSI unterscheidet, und wir versuchen, aus dem Umgang mit EFSI zu lernen, beispielweise wie wir die Transparenz verbessern können. 'Invest EU' fördert Investitionen in nachhaltige Infrastruktur, in KMU, in Forschung und Entwicklung sowie in soziale Infrastruktur. Im Rahmen des 'InvestEU' bleibt die EIB jedoch der wichtigste Durchführungspartner, aber wir werden die EU-Garantien für die anderen nationalen Förderbanken öffnen."

Maithreyi Seetharaman: "Noch einmal, wer hat die Übersicht über die geförderten Projekte? Wer kontrolliert das Ganze? Und was ist mir der Finanzierung über den EU-Haushalt im Bereich Forschung und Entwicklung? Geht es jetzt nur noch um Kredite und Garantien und nicht um Finanzierungshilfen?"

Jyrki Katainen: "Das Finanzinstitut, das letztendlich die Finanzierung übernimmt, ist dafür verantwortlich, die Wirtschaftlichkeit des Projekts zu prüfen. Es gibt zwei Fonds, die Innovationen unterstützen: Erstens 'Horizon Europe', der Zuschüsse gewährt, und zweitens 'Invest EU-Fonds', der Eigenkapital, Garantien und Darlehen bereitstellt."

_Maithreyi Seetharaman: "_Verringert das das Budget für..."

Jyrki Katainen: "Nein, tut es nicht. Bereits jetzt gibt es im Programm 'Horizon 2020' sowohl Finanzinstrumente als auch Zuschüsse, wir behalten diese Struktur bei, aber die Finanzinstrumente wandern in das Programm 'InvestEU'- und sind für Innovationen und Forschung vorgesehen."

Maithreyi Seetharaman: "Es gibt also Hoffnung."

Jyrki Katainen: In vielen Ländern erholt sich die Wirtschaft glücklicherweise, aber es besteht nach wie vor ein Bedarf an KMU-Finanzierung, insbesondere bei Innovationen.

Real Economy | Investing in Europe