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Jagoda Marinic zur Abschottung Deutschlands und dem Traum von Kroatien

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Jagoda Marinic zur Abschottung Deutschlands und dem Traum von Kroatien

Jagoda Marinic zur Abschottung Deutschlands und dem Traum von Kroatien
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Schottet Deutschland sich ab? Wir haben mit der Schriftstellerin Jagoda Marinic, die das Interkulturelle Zentrum in Heidelberg leitet, über den Asylstreit gesprochen, über Angela Merkel und Horst Seehofer, aber auch über die Fußball WM in Russland.

euronews: Hat Deutschland jetzt eine andere Asylpolitik?

Jagoda Marinic: Es gibt die asylpolitische Wende ja längst. Wir haben in Europa oder zumindest in Deutschland jetzt weniger Menschen, die kommen als 2014. Das heißt, die asylpolitische Wende ist in der Realität schon längst eingeleitet worden. Frau Merkel verteidigt die humanitäre Rhethorik. Sie verteidigt die Werte und versucht auf lange Sicht immer noch, einen Konsens zu finden, der wertebasiert wäre und der mit der europäischen Verfassung konform geht.

Die Realpolitik allerdings, die ist schon längst eine Politik der Abschottung.

euronews: Hätte die Kanzlerin Angela Merkel ihren Innenminister Horst Seehofer wegen des Asylstreits rauswerfen sollen?

Jagoda Marinic: Da sitzt die mächtigste Frau Europas und Deutschlands - und da ist ein Mann, der meint, er kann sie klein provozieren. Da hatte man im Kopf schon Lust an dem Spiel zu sagen: "Eigentlich kann man sagen, DANKE für Ihre Mitarbeit, aber Sie arbeiten unter mir." Sie hat das ja subtil gemacht mit dem Hinweis auf ihre Richtlinienkompetenz.

Andererseits ist es genau ihre Größe, diese machistische Politik nicht zu tun. Sie ist nicht die Politikerin, die so wie Trump auf dicke Hose macht. Sie hat nicht den Stil Orbans, sondern sie setzt auf Konsens, sie setzt auf Auseinandersetzung. Sie setzt darauf, dass man Probleme im Konsens und mit Kompromissen lösen kann. Dann denke ich, es ist selbst bei Seehofer gut, dass sie versucht, ihm beizubringen, wie man auf bundespolitischer Ebene Kompromisse findet.

euronews: Ihre Familie kommt aus Kroatien. Fiebern Sie mit - vor dem WM-Finale?

Jagoda Marinic: Ja, ich bin natürlich, ich bin absolut für Kroatien. Ich finde das wahnsinnig. Ich liebe diesen Slogan des Landes: "Ein kleines Land und große Träume". Ich sage immer, die Einwanderer, über die so viel Schlechtes geredet wird, sind doch im Grunde die europäischen Träumer. Das sind die Menschen, die losgezogen sind, um sich ein besseres Leben zu schaffen. Jetzt kommt das ein kleines Land mit dieser großartigen Mannschaft mit so viel Herz, die durch jede Verlängerung geht und sich dann trotzdem ins Finale kickt. Das macht wirklich riesigen Spaß.

Egal in welcher Kneipe ich gucke, die meisten sind auch für Kroatien, obwohl es nicht alle Kroaten sind oder irgendwie kroatischen Hintergrund haben, viele Deutsche sind. Es ist eine große Freude und cih würde mir wünschen, wenn sie es schafften würden, die "Grande Nation" etwas kleiner zu machen.