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"Das Blut der 3. Welt hat weniger Wert" - Verzweiflung in Afghanistan

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"Das Blut der 3. Welt hat weniger Wert" - Verzweiflung in Afghanistan

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Afghanistan befindet sich seit vierzig Jahren im Krieg. Selbst in der Hauptstadt Kabul müssen die Bewohner täglich mit Selbstmordattentaten rechnen. Sie wissen nicht, ob sie am Ende des Tages lebend nach Hause zurückkehren werden.

Die Schuld an der miserablen Situation liegt für viele sowohl bei regionalen als auch bei internationalen Akteuren. Gibt es Hoffnung auf Frieden? Und: Welche Rolle spielt die afghanische Armee? Wäre sie nach dem Abzug der ausländischen Truppen überhaupt in der Lage, das Land zu sichern?

Man muss immer mit Anschlägen rechnen

Die Straßen Kabuls gleichen auf den ersten Blick anderen Städten im Orient. Aber der Schein trügt. Denn: Jeden Moment muss man mit einem Selbstmordanschlag rechnen. Allein im vergangenen Jahr wurden in Afghanistan mehr als 10.000 Zivilisten getötet oder verwundet, Hunderte davon in Kabul. Der Tod scheint hier ein ständiger Teil des Alltags zu sein.

Am 22. April sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einem Wählerregistrierungszentrum in die Luft. 63 Menschen wurden dabei getötet. Wir haben uns den Tatort ein Monat später angesehen.

Stücke menschlichen Fleisches an der Wand

Ein Bewohner Kabuls zeigte uns die Anschlagsstelle: "Bei der Explosion sind zerfetzte Stücke menschlichen Fleisches auf den Nachbarhäusern gelandet. Was du hier an der Wand siehst, sind Fleischstücke."

Der ehemalige Chef des afghanischen Geheimdienstes Amrullah Saleh stellte uns seine Sicht der Dinge da: "Das Blut der Dritten Welt - unser täglich vergossenes Blut - hat nicht den Wert des Blutes der Ersten Welt. In Europa zum Beispiel, wenn jemand mit einem Messer getötet wird, wird das gleich zu einer Schlagzeile. Am selben Tag werden in Afghanistan Hunderte von Menschen bei Selbstmordanschlägen getötet, aber sie machen keine Schlagzeilen."

Trägt Pakistan Mitschuld an Dauerkonflikt?

Die Taliban - der Hauptagressor in Afghanistan - wollen das Land in einen islamischen Staat verwandeln. Einige afghanische Regierungsvertreter beschuldigen aber auch Pakistan, seine Finger im Spiel zu haben.

Saleh: "Aus unserer Sicht ist die pakistanische Regierung der Teufel. Ein Teufel im wahrsten Sinne des Wortes."

Pakistans Interesse an der afghanischen Politik ist unbestreitbar. Aber Islamabad bestreitet jegliche Einflussnahme. Was auch immer die Ursache des Konflikts ist, die die am meisten darunter leiden sind die Zivilisten.

Armee: Wir können für Sicherheit sorgen

Abdullah Abdullah (Chief Executive von Afghanistan): "Das gesamte afghanische Volk wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich Frieden zu haben. Leider lehnen die Konfliktparteien und die Taliban die Friedensbemühungen der afghanischen Regierung ab. Trotzdem glaube ich, dass es in diesem Land Frieden geben wird. Die absolute Mehrheit der Afghanen will keinen Krieg."

Werden die afghanischen Sicherheitskräfte und die Armee in der Lage sein, das Land zu verteidigen und für Sicherheit zu sorgen?

Ein Soldat meinte dazu: "Natürlich werden wir das. Wir sind bestens ausgebildet. Egal wann uns die ausländischen Truppen verlassen werden - wir werden die Sicherheit Afghanistans in unsere Hände nehmen."

Armee-Pressesprecher Colonel Noorestani meinte: "All jene, die die Nation terrorisieren und das friedliche Leben der Menschen stören, wo auch immer sie sind, wir werden sie vernichten.