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Es braucht mehr als Wasser: Wie Experten Waldbrände löschen

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Es braucht mehr als Wasser: Wie Experten Waldbrände löschen

Es braucht mehr als Wasser: Wie Experten Waldbrände löschen
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Es ist eines der eindrucksvollsten Bilder der tödlichen Waldbrände in Griechenland, entstanden am Montag: Ein lokaler Helfer greift mit an als Feuerwehr und Militärs versuchen, die Flammen einzudämmen.

Auf der einen Seite zeigt die Aufnahme die Verzweiflung der Situation und auf der anderen Seite, wie die Situation Menschen zusammenbrachte, um gemeinsam stärker zu sein.

Reicht es zum Löschen eines Brandes, große Mengen Wasser zu verteilen? Wie gehen die Profis mit Waldbränden um? Wir haben mit Experten des Europäischen Forstinstituts (EFI) gesprochen, um das herauszufinden.

Routiniertes Vorgehen

Waldbrände - im Gegensatz zu Strukturbränden - sind im Allgemeinen in Bewegung, daher ist es wichtig, zu herauszufinden und vorauszusehen, wie sie sich entwickeln werden.

Immer mehr Investitionen gehen in die Forschung, da der Klimawandel neue Herausforderungen für die Feuerwehrleute mit sich bringt, so Marc Castellnou, ein strategischer Feueranalytiker bei der regionalen Feuerwehr in Katalonien.

"Es hilft uns zu verstehen, was ein Feuer tun kann und will und wo wir Ressourcen einsetzen können, um wirklich etwas zu bewirken", sagte er Euronews. "Statt früher, als wir nur den Flammen nachjagten."

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Ausgebrannte Autos in GriechenlandReuters

Drei Schlüsselfaktoren

Experten betrachten Dutzende von Faktoren, um herauszufinden, wie sich ein Feuer in den nächsten Stunden entwickelt.

Doch die wichtigsten Umstände sind der Wind, ob das Feuer am Hang brennt und in welche Richtung es sich richtet, so Alexander Held, Senior-Experte bei EFI.

Feuer wollen bergauf brennen, fügte er hinzu. Je steiler der Hang, desto schneller wird das Feuer brennen, erklärte er.

Auch die Ausrichtung des Feuers ist wichtig: Das nach Süden ausgerichtete Land ist meist wärmer und trockener und schürt damit die Flammen leichter.

Größte Flammen sind nicht größte Priorität

"Ein Lauffeuer bekämpft man immer von hinten", sagte Held. "Man sollte nicht dem Instinkt folgen und dorthin gehen, wo die größten Flammen lodern. Der Motor von jedem Lauffeuer sitzt hinten und den will man zuerst abstellen."

Ausbreitung verhindern

Man versucht zunächst, von einem Punkt aus zu starten, der eine natürliche Barriere für die Ausbreitung des Feuers darstellt.

Diese "Ankerpunkte" können z.B. Straßen, Flüsse oder Golfplätze sein.

Dann werden Kanäle entlang der Flanken des Brandes gegraben, wo man die Vegetation entfernt, so dass es keinen Brennstoff für das Feuer gibt, der sich nach außen ausbreiten kann.

Diese Taktik wird als trockene Brandbekämpfung bezeichnet.

"Wenn man Wasser hat, dann ist das die beste Maßnahme, um das Feuer zu löschen", sagte Held. "Aber bei 80 % der Waldbrände hat man nicht genug Wasser."

"Wenn man nicht in der Nähe eines Hydranten oder Flusses ist und das Feuer sich bewegt, kannst du nur so nutzen, wie du hast."

"Wir wollen Wasser verwenden und tun alles dafür, aber um das Feuer wirklich zu löschen, muss man die trockene Brandbekämpfung verstehen."

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Löschflugzeuge als BrandbekämpfungReuters

Arbeit zu Boden

Einige der eindrucksvollsten Bilder einer Waldbrandbekämpfung sind die Flugzeuge, die Wasser auf die Flammen fallen lassen.

Aber Experten sagen, dass dies immer nur ein Teil der Operation ist.

"Selbst wenn Sie das Feuer mit Wasserflugzeugen und Wasserhubschraubern löschen, brauchen Sie Leute, die die Arbeit am Boden übernehmen", sagte Held.

"Anders kann man die vielen Schwelbrände nicht auslöschen. Man kann sie nur abkühlen und die Flammen für eine Weile beruhigen."

"In einer idealen Welt würde also jeder Tropfen eines Löschflugzeugs von einer Gruppe Feuerbekämpfer am Boden begleitet."

Die jüngsten Moorbrände in der Nähe von Manchester, England, haben sich wieder entzündet, weil dieses 'Aufwischen' genannte Verfahren nicht richtig durchgeführt wurde, fügte Held hinzu.

Organisation ist das A und O

Große Waldbrandeinsätze nutzen das Incident Command System (ICS), eine standardisierte Methode zur Steuerung, Kontrolle und Koordination von Notfallmaßnahmen.

"In einer großen Brandsituation arbeiten verschiedene Stellen zusammen: die Armee, die Luftwaffe, die Polizei, die Feuerwehr, der Forstdienst", sagte Held.

"Wenn sie alle mit dem ICS ausgebildet sind, ist es perfekt, weil man sich sofort versteht - in der Einsatzplanung oder in der Logistik - man den gleichen Zielen zustimmt und die gleiche Sprache und Terminologie verwendet".

"Wir haben diesen Austausch im Moment: Etwa wenn Deutsche nach Schweden gehen. Wenn sie alle unter nach ICS arbeiten, ist es sehr einfach, weil jeder weiß, wie das System funktioniert, und wenn man neue Ressourcen einbringt, kann man sie sehr effizient nutzen."

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Brandbekämpfung: Die Bodentruppen sind genauso wichtig wie das Personal in der LuftReuters

Manchmal kann man nichts tun

Castellnou sagte, dass Brände manchmal einfach zu heftig sind, damit sich ein Eingreifen lohnt. Dann müsse man auf ein "Fenster der Gelegenheit" warten.

Hier sagt die Forschung den Brandbekämpfern, wann die Bedingungen am günstigsten sind, um den Brand einzudämmen.

"Das bedeutet, dass wir Orte identifizieren müssen, an denen sich das Feuer in einer schwachen Position befindet", sagte Castellnou.

"Anstatt zu versuchen, die Flammen um jeden Preis zu löschen, müssen wir nach unserer Chance suchen."

"Wenn bestimmte Bedingungen, wie trockenen 'Treibstoff' für das Feuer, schwieriges Gelände, heißes Wetter und Wind hat und das entsprechende Wetter dazukommt, kann man nicht viel tun", so Held.

"In Situationen wie in Griechenland kann man ein anderes Flugzeug und zehn weitere Löschflugzeuge haben, aber das wird keinen Unterschied machen."