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Mutmaßliches Attentat auf Maduro: Was wir wissen - und was nicht

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Mutmaßliches Attentat auf Maduro: Was wir wissen - und was nicht

Mutmaßliches Attentat auf Maduro: Was wir wissen - und was nicht
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"Es ist die Stunde der wirtschaftlichen Erholung und wir benötigen…" - das waren die letzten verständlichen Worte des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. Dann gab es einen lauten Knall während der Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag der Nationalgarde. Der Staatschef blieb unverletzt, sieben Nationalgardisten erlitten nach offiziellen Angaben teils schwere Verletzungen.

Handelte es sich hierbei um ein Attentat? Eine zufällige Explosion? Eine Inszenierung der Regierung? Zurzeit gibt es mehr Spekulationen als Klarheit über den Vorfall.

Verschiedene Versionen

Weniger als eine Stunde nach der Explosion berichtete der venezolanische Informationsminister Jorge Rodríguez, dass der Angriff durch "Drohnen mit Sprengsätzen" erfolgte. Rodríguez erklärte, dass mehrere Drohnen in der Nähe der Bühne, auf der Maduro eine Rede hielt, detonierten.

Die US-Nachrichtenagentur AP berichtet dagegen, dass die Detonationen einen eher banalen Ursprung haben: Sie deuten auf die Explosion eines Gaskanisters in einem Wohnblock nahe der Avenida Bolivar hin - dort befand sich Maduro.

Einige Bewohner des Gebäudes, in dem die Explosion registriert wurde, erklärten, dass das Gebäude über eine Kesselanlage verfüge. Auch sie berichtete über die Ankunft einer Drohne.

Das sagen die Behörden

Kurze Zeit nach dem Vorfall gab der venezolanische Präsident der Opposition und den USA die Schuld für den Angriff. Er zeigte auch mit dem Finger auf den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos: "Ich habe keinen Zweifel. Es ist der mörderische Zorn der kolumbianischen Oligarchie", so Maduro.

Bogotá wies den Vorwurf von Maduro als "absurd" und "unbegründet" zurück. Der Nationale US-Sicherheitsberater John Bolton erklärte: "Es gab absolut keine Beteiligung der US-Regierung an dem, was dort geschah".

Wer ist die Widerstandsgruppe "Los Soldados de franelas"?

Zur Unklarheit trug eine Nachricht auf Twitter einer bisher unbekannten Widerstandsgruppe "Soldados de Franelas" ("Flanell-Soldaten") bei. Sie habe den Anschlag verübt. Ihre Mitglieder seien "patriotische Militärs und Zivilisten". Ob es diese Gruppe wirklich gibt, ist unklar.

Attentat - eine Inszenierung?

Für das Ereignis während der Feier der Nationalgarde gibt es nur ungewöhnlich wenige Bilder. Viele zweifeln deren Echtheit an.

Das Attentat ist von derart vielen Fragezeichen gekennzeichnet, dass sich eine Welle der Ungläublichkeit in den sozialen Netzwerken verbreitet. Viele zweifeln die offizielle Version an und sprechen von einer Inszenierung der Maduro-Regierung.

Der ehemalige venezolanische Verteidigungsminister Fernando Ochoa Antich sagte in einem Interview mit dem kolumbianischen Radiosender "WFin de Semana", er habe "den Eindruck", dass Maduro hinter dem Angriff stecke.

Die Bilder von Cilia Flores, der Frau des venezolanischen Präsidenten, die gelassen und leicht lächelnd neben ihrem Mann steht, während dieser von Sicherheitskräften geschützt wird, haben diese Verschwörungstheorie über Twitter verbreitet.

Venezuelas Verbündete wie Nicaragua, der Iran, Kuba, Bolivien, Syrien und Russland haben die offizielle Version der Regierung Maduro nicht in Frage gestellt und die Geschehnisse verurteilt. "Das Attentat auf Präsident Nicolás Maduro ist ein Angriff auf die Würde unserer Völker", sagte der venezolanische Botschafter in Nicaragua, Francisco Javier Arrúe.

Auch der einstige FARC-Kommandant Rodrigo Londoño wies den Angriff zurück und gab der extremen Rechten die Schuld dafür. Laut "Timochenko", so sein Spitzname, sind die Verantwortlichen in Caracas "dieselben, die mit der Ermordung den Wahlsieg von (Hugo) Chávez verhindern wollten".

Die Opfer

Kommunikationsminister Jorge Rodríguez berichtete, dass durch den "Angriff" sieben Soldaten verletzt wurden. Der venezolanische Präsident erlitt keine Verletzungen.

Bislang ist nur ein Foto eines uniformierten, am Kopf verwundeten Soldaten freigegeben worden.

Laut Rodríguez habe es Frauen unter den Opfern gegeben- die Identität der Betroffenen ist jedoch nicht bekannt.