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Manipulierte Eignungstests: Medizin-Uni entschuldigt sich bei Frauen

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Manipulierte Eignungstests: Medizin-Uni entschuldigt sich bei Frauen

Manipulierte Eignungstests: Medizin-Uni entschuldigt sich bei Frauen
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Eine Universität in Tokio hat sich offiziell für die Diskriminierung von Frauen entschuldigt. Seit über 10 Jahre galten dort für Kandidatinnen andere Zulassungskriterien als für ihre männlichen Mitbewerber.

Die Medizinische Fakultät der Universität in Tokio gab nun zu, dass seit 2006 die Ergebnisse der Eignungstest von Frauen manipuliert wurden. Eine juristische Untersuchung hatte ergeben, dass die Resultate der Bewerberinnen um 20% gemindert, bei denen der Kandidaten 20 Punkte hinzugefügt wurden.

"Wir entschuldigen uns zutiefst für die Unannehmlichkeiten, die für so viele Menschen mit einem so ernsten Skandal verursacht wurden", sagte der Direktor der Tokyo Medical University auf einer Pressekonferenz.

"Die Gesellschaft verändert sich schnell und wir müssen darauf reagieren. Jede Organisation, die es versäumt, Frauen einzustellen, wird schwach werden und keinen Beitrag zur Gesellschaft leisten," fügte er hinzu.

Die Reaktionen innerhalb des Landes auf die Enthüllungen waren gemischt und reichten von Entsetzung über die explizite verfahrenstechnische Diskriminierung bis hin zu niedergeschlagener Akzeptanz vieler Frauen, die den Verdacht über absichtliche Diskriminierung bereits seit längerer Zeit gehegt hatten.

Großes Lohngefälle zwischen Männern und Frauen

Der japanische Premierminister Shinzo Abe will Japan nach eigenen Angaben "zu einer Gesellschaft machen, in der Frauen glänzen können". Trotzdem hinkt das Land im Bereich Gleichstellung hinterher. Japan hat nur sehr wenige Politikerinnen. Studien zufolge verdienen Frauen rund 30 % weniger als Männer - für gleiche Arbeit.

Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Vereinten Nationen (OECD) zählt Japan zu den Ländern mit der geringsten Anzahl von Ärztinnen weltweit.

Einige Menschen in Japan sind der Meinung, dass die Zahl der Ärztinnen begrenzt sein sollte, da eine Zunahme der Frauen in der Medizin zu Personalengpässen führen kann, wenn diese im Mutterschaftsurlaub sind.

Während sich die Universität für ihr Verhalten entschuldigt hat, wurde bisher nicht kommuniziert, wie die betroffenen Kandidatinnen entschädigt werden sollen. Die Opfer könnten eine finanzielle Entschädigung erhalten. Auch ein System von Zielen und Stipendien für künftige Antragsteller wird diskutiert.