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Badeunfälle nehmen zu: Warum ertrinken Menschen in Europa?

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Badeunfälle nehmen zu: Warum ertrinken Menschen in Europa?

Badespaß ist immer auch mit Gefahren verbunden
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Ein Sprung ins Schwimmbad oder in einen Badesee - bei anhaltend heißen Temperaturen ist das eine willkommene Erfrischung. So ungefährlich, wie das Baden den meisten erscheint, ist es aber bei langem nicht. Das zeigen auch die Zahlen der Tode durch Ertrinken in Europa.

Zahlreiche europäische Länder haben die Bevölkerung vor den Gefahren beim Baden gewarnt.

Dreißig Menschen sind laut Behördenangaben am vergangenen Wochenende in Polen ertrunken. Während der gesamten Sommersaison sind in Polen bisher mehr als 290 Menschen ertrunken. Alkohol soll laut Radio Polen dabei eine der Hauptursachen sein.

In Deutschland ertranken 2017 404 Menschen, darunter 157 in Flüssen und 137 in Seen und Teichen, wie aus der offiziellen Statistik der DLRG hervorgeht. Immer weniger Kinder könnten ausreichend schwimmen, warnt die Rettungsorganisation.

Das sagt auch das österreichische Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV). Laut Zahlen des Wiener Stadtschulrats könnten rund 50 Prozent der Drittklässler nicht schwimmen.

In der Schweiz waren es im gleichen Zeitraum 41 Menschen, darunter ein Kind.

In Frankreich sorgen immer wieder spektakuläre Fälle für Schlagzeilen.

In Großbritannien sind in diesem Sommer Berichten zufolge bisher fünf Menschen ertrunken, mehrere Personen wurden gerettet, weil sie in Schwierigkeiten geraten waren.

Nach Angaben des National Water Safety Forum ertranken im Jahr 2017 146 Menschen beim Schwimmen.

Die britische Wohltätigkeitsorganisation "Drowning Prevention Charity" und lokale Behörden haben Ende Juli bei anhaltend heißem Wetter dringende Sicherheitswarnungen an britische Bürger herausgegeben.

Auch die Royal National Lifeboat Institution riet, Strände mit Rettungsschwimmern zu wählen, um sicher zu bleiben.

"Wir wissen, dass diese Tragödien bei gutem Wetter zunehmen, aber mit der beispiellosen Hitzewelle sind die Zahlen erschreckend hoch", erklärte die Wohltätigkeitsorganisation auf ihrer Website. Sie schlägt vor, nie allein schwimmen oder auf dem Rücken schwimmen zu gehen, um das Ertrinken zu vermeiden.

Dawn Whittaker, Chief Fire Officer von East Sussex, zeigte sich besorgt über die wachsende Situation. "Der Sommer steuert auf seinen Höhepunkt zu und damit das Risiko zu ertrinken - wenn das Wetter heiß wird. Jeder Tod sollte unser Bewusstsein dafür schärfen, dass dies ein echtes Problem ist", sagte sie dem Guardian.

Schlechte Schwimmausbildung

Auch in Großbritannien sei das Problem auf einen Mangel an angemessener Ausbildung im Bereich der Wassersicherheit an Schulen zurückzuführen.

"Abgeordnete stellen jetzt Fragen im Parlament, weil das Thema die Wähler beschäftigt.... viele dieser Todesfälle sind vermeidbar", sagte sie.

Unterdessen veröffentlichte die Rettungsschwimmergesellschaft in Schweden Zahlen, wonach im Mai und Juni 39 Menschen ertrunken sind, davon fünf Kinder - mehr als die Gesamtzahl der Kinder, die im Jahr 2017 ertrunken sind. Weitere 35 Menschen seien im Juli beim Baden ums Leben gekommen.

Die Organisation forderte Erwachsene auf, ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt zu lassen und nicht alkoholisiert schwimmen zu gehen.

REUTERS/File Photo
Besonders viele Menschen ertrinken in Flüssen und SeenREUTERS/File Photo

Was schützt vor dem Ertrinken?

  • Langsam in kaltes Wasser gehen und vorher abkühlen, damit Krämpfe verhindert werden. Auch der Kreislauf muss sich bei großen Temperarunterschieden zwischen Außen- und Wassertemperatur erst langsam an die Veränderung gewöhnen.

  • Nicht sofort nach dem Essen baden gehen. Der Körper ist noch mit der Verdauung beschäftigt, die Gefahr von Kreislaufproblemen ist höher. Wer sich zu sehr anstrengt nach dem Essen, dem kann zudem schlecht werden.

  • Schwimmen mit leerem Magen ist auch gefährlich. Der Körper braucht ausreichend Energie, um sich beim Baden über Wasser zu halten.

  • Nichtschwimmer sollten nur bis zum Bauch ins Wasser gehen.
  • Bei Gewitter sofort aus dem Wasser gehen.
  • Sprünge ins Wasser, nur wenn die Wassertiefe bekannt ist. Bei schlechter Sicht immer mit den Füßen zuerst, um Kopfverletzungen zu vermeiden.
  • Am Strand: Flaggen beachten. Bei starkem Wind oder hohen Wellen gibt es auch mal Badeverbot. Strömung auch in seichtem Wasser kann gefährlich werden. Zudem besteht die Gefahr abzutreiben.

Besondere Gefahr für Kleinkinder

Die meisten Kinder in Europa, die durch Ertrinken ums Leben kommen, sind jünger als 5 Jahre alt. Denn Kleinkinder können schon in 10 Zentimeter tiefem Wasser ertrinken - und das völlig lautlos. Denn sie fallen in eine Art Schockstarre, rufen nicht nach Hilfe und versuchen nicht, sich über Wasser zu halten.

"Umso wichtiger ist, dass Kleinkinder in der Nähe von Bädern, Gewässern und Pools nie unbeaufsichtigt bleiben. Wer einen Swimmingpool oder ein Biotop im Garten hat, sollte diese auf jeden Fall umzäunen – auch wenn man selbst keine Kinder hat, aber zum Beispiel in der Nachbarschaft Kinder zuhause sind", warnt die KFV.

REUTERS/Henry Nicholls
Öffentlicher Schwimmteich nahe LondonREUTERS/Henry Nicholls