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Trauer um Journalistin Bettina Gaus (64)

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Von Euronews  mit taz, SPIEGEL
Altes Redaktionsgebäude der Taz, wo Bettina Gaus jahrzehntelang gearbeitet hat
Altes Redaktionsgebäude der Taz, wo Bettina Gaus jahrzehntelang gearbeitet hat   -   Copyright  REINHOLD HUEGERICH/AP2005   -  

Sehr persönliche Erinnerungen an Bettina Gaus haben die taz und SPIEGEL-Online veröffentlicht. Die Journalistin, die drei Jahrzehnte lang bei der taz und zuletzt als SPIEGEL-Kolumnistin gearbeitet hat, ist im Alter von 64 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Sie hatte das Hauptstadtstudio der taz geleitet und war das bekannteste Gesicht der Zeitung im Fernsehen. Vorher - von 1989 bis 1996 - war Bettina Gaus Reporterin in Nairobi in Kenia.  

Stefan Kuzmany schreibt auf SPIEGEL-Online: "Sie interessierte sich wirklich für die Menschen, mit denen sie zu tun hatte, und diese dankten es ihr mit Vertrauen und Freundschaft – auch wenn und gerade weil die Freundschaft mit Bettina Gaus nicht bequem war. Sie hörte genau zu, sie fragte und dachte nach, und dann sagte sie ihre Meinung. Ganz wie ihre Kolumnen fiel diese nicht immer zum Vergnügen des Gegenstands ihrer Analyse aus. Das war aber kein Problem, denn immer war selbst die schärfste Kritik von tiefer Herzlichkeit getragen. Und obwohl sie stets von der Richtigkeit ihres Standpunkts überzeugt war, musste niemand ihrem Rat folgen. Sie folgte ja auch keinem. Insbesondere sanfte Ermahnungen zu einem vielleicht ein wenig gesünderen Lebenswandel lehnte sie brüsk ab."

Viele andere Journalistinnen und Journalisten teilen die Nachrufe.

Im Nachruf der taz heißt es: "Bettina Gaus hat es sich und uns nie leicht gemacht. Sie verfocht ihre Standpunkte bis zur Sturheit, war aber anders als andere auch bereit, öffentlich Fehleinschätzungen einzuräumen, wenn sie sich erkennbar getäuscht hatte. Aber noch öfter behielt sie recht. So war Bettina die Einzige weit und breit, die schon lange vor der US-Wahl 2016 den Sieg von Donald Trump vorhersagte. Weil sie wieder einmal ihre Flugangst überwunden hatte, in die USA gereist war und mit Amerikanern auf dem Lande jenseits von New York und San Francisco gesprochen hatte – wie schon für ihr Reportagebuch „Auf der Suche nach Amerika“.

Bettina Gaus kritisierte die Ignoranz der Regierenden für sozial Benachteiligte und das deutsche Desinteresse für außereuropäische Ereignisse heftig. Aber sie hinterfragte immer auch die Reflexe des eigenen, linksliberalen – besonders alle Posen gerade des linksgrünen Milieus.

Diva nannte man sie, gelegentlich im despektierlichen, meist im erstaunten Ton. Sie war eine Frau, die nie zu jammern beliebte, sie pflegte mit Sarkasmus ihre Würde zu wahren, durchaus selbstbewusst, was für manche auch verstörend insofern war, als sie nie daran einen Zweifel ließ, das Leben zu lieben – und biete es auch unzumutbar unkomfortable Seiten, etwa so ein Schrecken wie eine schwere Erkrankung.

Ihre Souveränität, ihre Lust an der Debatte hinderte sie nicht daran, manchmal einen Blick freizugeben auf ihr Leben als der Tochter eines der wichtigsten Journalismus- und Politikerpaare der Nachkriegszeit. Günter Gaus vor allem, ihr Vater, Spiegel-Chefredakteur und in den siebziger Jahren Diplomat der sozialliberalen Koalition in Berlin, Hauptstadt der DDR, machte sie unempfindlich für linksparteiische Nostalgien – wenngleich sie sich mit politischen Biografien auskannte, die sich vom totalitären ins demokratische Spektrum änderten."

Walter J. Lindner, der deutsche Botschafter in Indien, schreibt auf Twitter über die gleichaltrige Reporterin: "Eine sehr traurige Nachricht: Die legendäre deutsche Journalistin Bettina Gaus ist gestorben. Sie arbeitete für taz, Spiegel, ARD, etc. Ich kannte sie seit mehr als 20 Jahren. Genau mein Alter, mein Geburtsort München, gleiche Zeit an der gleichen LMU, wir haben beide in Nairobi gelebt und gearbeitet. Ein toller Charakter & Mensch! RIP Bettina"

"Ihr Leuchten wird uns fehlen" steht im Nachruf der Deutschen Journalistenschule, die besucht hatte.