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Tschüss, Frau Merkel! Diese Gefühle zeigte sie hinter den Kulissen

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Von Verena Schad
Angela Merkel und Ehemann Joachim Sauer beim Zapfenstreich für die scheidende Bundeskanzlerin
Angela Merkel und Ehemann Joachim Sauer beim Zapfenstreich für die scheidende Bundeskanzlerin   -   Copyright  -Screenshot- AFP   -  

Eine ungewöhnlich lange Kanzlerschaft geht zu Ende. In den vergangenen Wochen erleben wir viele letzte Momente mit Angela Merkel. Ihr letzter Staatbesuch, letzte Pressekonferenz, ihr letzter Podcast.

"Erlauben Sie mir heute, ein letztes Mal zu sagen, was mir in diesen Tagen am Allerwichtigsten ist: Lassen sie sich impfen!", nutzte die scheidende Kanzlerin ihre wöchentlichen Videoreihe für einen letzten eindringlichen Aufruf, das Virus endlich ernst zu nehmen, während die vierte Coronawelle über das Land rollt.

In ihrem gewohnt nüchternen Ton. Hinter den Kulissen könne sie sich aber sehr über die "schwerfälligen Deutschen aufregen, die nicht veränderungsbereit sind", sagte Merkel-Biograph Ralph Bollmann einmal über die Kanzerlin.

Sie konnte die Gemüter besänftigen

Viele ihrer Weggefährten haben sich zu ihrem Abschied emotional geäußert. Selber sind die großen emotionalen Gesten nicht so ihr Ding. Sie war die pragmatische Krisenmanagerin, die das Land wohlüberlegt - teils zögerlich - durch unruhiges Fahrwasser navigierte.

So hat sie es mit ihrer "unaufgeregten Art geschafft, die Gemüter zu besänftigen und den großen Zusammenbruch zu verhindern", beschrieb Merkel-Biograph Ralph Bollmann die Kanzerlin. Man denke an den temperamentvollen ehemaligen, griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis während der Eurokrise, den eigensinnig polarisierenden Donald Trump oder verschlagenen Wladimir Putin.

Konfrontiert mit Gefühlen schien sie manchmal etwas unbeholfen, aber nicht anteilsnahmslos, wie zum Beispiel in der berühmt gewordenen Szene, in der sie bei einem im Fernsehen übertragenen Bürgerdialog im Juli 2015 versucht, die weinende Reem zu trösten. Das palästinensische Mädchen erzählte dort, dass sie mit ihrer Familie in den Libanon abgeschoben werden sollte.

Gefühle zeigte Merkel selber beim Thema Flüchtlinge 2015 - das gemeinsame Selfie mit einem Geflüchteten ging um die Welt. Und möglicherweise finden die echten, emotionalen Gesten auch eher im Verborgenen, hinter den Kulissen statt. So wie es der 2017 in der Türkei inhaftierte Journalist Deniz Yücel auf Twitter beschreibt.

Yücel wiederspricht dem Vorwurf der Empathielosigkeit, nur weil sie sie nicht zur Schau trage. Merkel sei die einzige gewesen, die seine Frau in der schweren Zeit gefragt hätte, wie es ihr gehe.

Und als ihr Wunschlied der ostdeutschen Sängerin Nina Hagen - vielleicht eine Reminiszenz an ihre Jugend in der damaligen DDR - beim Zapfenstreich erklang, bekam die Kanzlerin dann doch wässrige Augen.

Auch Ehemann Joachim Sauer war bei der großen Abschiedszeremonie dabei. Für ihn geht ebenfalls eine Zeit zu Ende, eine sicher manchmal entbehrungsreiche an der Seite einer der mächtigsten Frauen der Welt.

Über Merkels Zukunftspläne ist wenig bekannt, nur so viel, sie geht nach Hamburg, er bleibt in Berlin.

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