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Autos erzählen Geschichten von Katars Kultur

Von Miranda Atty, Scheherazade Gaffoor
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Autos erzählen Geschichten von Katars Kultur
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Sportwagen und Motorsport spielen eine große Rolle in Katars Kultur. Sie begleiten die Entwicklung des Landes. In dieser Quatar 365-Folge geht es um Katars Drag- und Drift-Rennszene, über Sammler von Luxusautos sowie über Museen, die sich der Geschichte der Autos im Land widmen.

Autos, Supersportwagen und der Motorsport haben die Kulturentwicklung Katars geprägt.

Drag und Drift

Der Qatar Racing Club organisiert die nationalen Drag- und Drift-Meisterschaften von Katar. Die Autos erreichen Geschwindigkeiten von mehr als 500 Kilometer pro Stunde - und sind in Sekundenschnelle über der Ziellinie. Der Motorsport, bei dem zwei Fahrer in ihren Dragstern in einem Beschleunigungsrennen gegeneinander antreten, ist in Katar eine große Sache: Drag Racing. Die Mechaniker arbeiten hart daran, jedes Hochleistungsfahrzeug für das Rennen vorzubereiten, während die Renn-Verantwortlichen dafür sorgen, dass die Streckenbedingungen sicher sind.

"...spannender als jedes andere Rennen.
Mustapha Atat
Fahrer bei Al Anabi Performance

"Für das Drag Racing braucht man eine Menge Erfahrung. Viel dreht sich um die Sicherheit und die Vorbereitung auf die Rennstrecke. Es ist aufregender als jedes andere Rennen", sagt Mustapha Atat, ein Fahrer bei Al Anabi Performance.

Die Fahrer müssen vieles beachten: Bodenhaftung (Traktion) aufbauen, Fahrwerkstricks und einen schnellen Start hinlegen, um die Ziellinie als Erster zu überqueren. Aber abgesehen von den technischen Fertigkeiten brauchen die besten Drag-Rennfahrer noch etwas, was man nicht lernen kann.

"Man hat eine Begabung fürs Drag Racing oder nicht. Es geht nur um das Gefühl. Man kann niemanden etwas beibringen, wenn er nicht das Gefühl dafür hat", betont Mustapha Atat.

Aber der Club veranstaltet nicht nur Drag-Rennen. Abdullah Al Mothaseb leitet das Brothers Team for Drift. Er driftet seit 2016 und nimmt regelmäßig an Wettbewerben im Qatar Racing Club und in der Region teil. Die Fahrer werden nach ihrer Fähigkeit beurteilt, die Linie zu halten, dem Winkel des Autos, ihrer Fahrkunst und ihrer Geschwindigkeit.

"Wenn man hinter dem Steuer sitzt, sollte man ein hundertprozentiges Gefühl für jedes Teil im Auto haben. Man muss ein Gefühl für die Reifen, den Motor, das Lenkrad und den Schalthebel haben", erklärt Abdullah.

Der Teamleiter besitzt auch eine Autowerkstatt, in der er Autos vor und nach den Wettkämpfen wartet. Das ist aufgrund der Wetterbedingungen in Katar unerlässlich.

"Es gibt Probleme mit der Überhitzung des Autos. Das ist einer der wichtigsten Punkte, auf die man achten muss, wenn man auf der Strecke ist", sagt er.

Katar heißt die Formel 1 willkommen

Die Formel 1 hat einen Zehn-Jahres-Vertrag über die Austragung mehrerer Rennen in Katar auf dem Losail International Circuit bekannt gegeben. Seit 2004 ist Losail Austragungsort der MotoGP-Motorradmeisterschaften. Die Verantwortlichen für den F1-Vertrag sagen, dass nur wenig nötig war, um die Strecke für die F1 anzupassen.

"Wir haben lediglich einige Sicherheitsvorkehrungen verbessert, um die Standards des Internationalen Automobilverbandes zu erfüllen", so der geschäftsführende Direktor des Losail Circuit Sports Club, Amro Al-Hamad.

Al-Hamad betont, dass es den Menschen mehr um das Erlebnis geht als nur um ein Sportereignis, das sie besuchen. Auf die Frage, was die Formel 1 von anderen Sportarten unterscheidet, sagt er: "Ich würde sie eher als Fest denn als Sport bezeichnen. Es gibt viele Aspekte, die dazugehören. Und ich würde sagen, dass einige Serien, die in letzter Zeit auf den Markt gekommen sind, wie z.B. Netflix - Drive to Survive - den Zuschauern ein menschlicheres Gefühl dafür vermittelt haben, was hinter den Linien passiert. Früher sahen die Leute nur die Rennen auf der Strecke und hatten nur mit den Fahrern zu tun, die Autos fuhren. Ich würde also sagen, dass der Motorsport oder die Formel 1 jetzt mehr gefeiert werden als nur ein Sport oder Autos, die auf einer Rennstrecke gefahren werden."

Al-Hamad hofft auch, die nächste Generation mit einer Karting-Akademie in Katar zu inspirieren.

"Schon bevor wir den Vertrag mit der Formel 1 über die Ausrichtung von Rennen in Katar an Land ziehen konnten, haben wir uns Motorsport beschäftigt. Wir wollen den nächsten Nasser Al Attiyah heranziehen. Deshalb haben wir die Karting Academy gegründet. Dort bilden wir junge Enthusiasten aus. Wir wollen ihnen eine Karriere ermöglichen und ihnen den Weg ebnen, damit sie professionelle Rennfahrer werden können." 

Schnell und rasant im Katar-Stil

Von Ferraris bis hin zu McLarens - seltene Supersportwagen, die durch die Straßen fahren, sind in Doha mittlerweile ein gewohnter Anblick. Doch woher kommt die Leidenschaft für das Sammeln von Luxusautos?

Mohammed Al Kubaisi ist der Besitzer eines seltenen Lamborghini Countach '89.

"Bereits als Kind schwärmte ich für Autos. Ich liebe Lamborghinis und Ferraris. Das ist meine Leidenschaft, mein Hobby. Deshalb gründete ich einen Club in Doha, ich gründete Elite Supercars 2014."

Mohammed Al Kubaisi ist nur einer von vielen Autoliebhabern im Land, deren Hobby das Sammeln von seltenen und exotischen Autos ist.

Aber man muss kein Benzinfan sein, um mitzumachen.

Scheich Saif Bin Nasser Al-Thani, Fahrer eines Ferrari SF90 Stradale, Modell 2022, erzählt uns, dass er sein Auto gekauft hat, weil er von den technologischen Fortschritten des Fahrzeugs überzeugt war - ein stromlinienförmiges Hybridmodell, das von einem V8-Twin-Turbo-Motor und drei Elektromotoren angetrieben wird.

Jassim Al Emadi, Geschäftsführer von McLaren Doha, sagt, der Club sei eine gute Möglichkeit, seine Leidenschaft mit anderen zu teilen.

''Wir machen große Fortschritte. Und es geht nicht nur um die Autokäufer oder Autobesitzer. Es geht um viel mehr. Es gibt eine Menge Designelemente in den Autos, eine Menge interessanter Technik. Es ist toll, sie mit allen Menschen zu teilen: älteren und jüngeren Leuten, Kindern."

Eine Reise in die Vergangenheit

Autos waren schon immer ein wichtiger Bestandteil der Kultur in Katar. Von der Vorliebe für amerikanische "Muscle Cars" in den 1960er- und 70er-Jahren bis hin zu einer zunehmenden Hinwendung zu emissionsärmeren Fahrzeugen und einem Bewusstsein für Sicherheitsvorschriften. Die Entwicklung der hiesigen Autoindustrie spricht Bände. Und es gibt Orte, die eine Reise in die Vergangenheit und einen Einblick in das Auto und Katar selbst bieten.

Das Museum von Scheich Faisal bin Qassim Al Thani zeigt mehr als 600 Autos. Von einigen der frühesten motorisierten Fahrzeuge - wie einem Benz Ideal von 1900 - bis hin zu einigen der teuersten ihrer Zeit. Ein Gang durch das Museum ist die ultimative Geschichtsstunde.

"Autos symbolisieren den menschlichen Erfindungsreichtum der Menschen, die das Auto herstellen, um die Entfernungen zwischen Orten und Menschen zu verkürzen und vor allem, um eine Brücke zwischen den Zivilisationen zu schlagen", sagt Museumsdirektor Claudio Cravero.

Zur Sammlung gehört ein Chrysler, der mit speziellen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet wurde, um den vierten Herrscher von Katar zu chauffieren. Ein weiteres bemerkenswertes Stück ist ein Dodge Power Wagon, ein in den 1940er-Jahren übliches Fahrzeug für die Jagd. Und dann sind da noch die Autos, die einen Einblick in die jüngere Vergangenheit Katars geben.

"Hier fällt auf, dass das Auto in Katar zum Symbol der Widerstandsfähigkeit wurde. Katar war 2017 von einer diplomatischen Krise betroffen. Deshalb hat das Museum beschlossen, dieses Auto der Öffentlichkeit für Unterschriften zu überlassen", sagt Cravero.

Und die Sammlung des Museums inspirierte Essa Nasser Al Kaabi dazu, diesem Beispiel zu folgen. Er baute sein eigenes Boutique-Museum auf dem 100 Jahre alten Hof seiner Familie.

"Mein verstorbener Vater kaufte mir diesen Range Rover 1991, als ich noch jung war. Ich verkaufte das Auto vor Jahren und kaufte es dann wieder, als ich es nach langer Suche glücklicherweise wiederfand. Damals war mir noch nicht klar, wie selten es ist, einen makellosen und funktionierenden Range Rover zu besitzen.

Im Laufe der Jahre haben die Autohersteller ihre Sicherheitsmaßnahmen weiterentwickelt. Natürlich haben die neueren Autos Sicherheitsgurte und Airbags und berücksichtigten auch andere Sicherheitsmaßnahmen, aber viele der Autos, die man hier sieht, haben nicht einmal Sicherheitsgurte. Interessant ist, dass die Autos unabhängig davon umso teurer werden, je älter sie sind", sagt er.

"Sogar als Ausländerin kann man sehen, dass die Geschichte des Landes den Menschen viel bedeutet, und wenn man sich diese Autos ansieht, wird man immer ein bisschen an die Geschichte erinnert."
Bernice Thornhill
Museums-Mitarbeiterin

In den Museen sind sowohl Oldtimer aus der Vergangenheit als auch einzigartige Sonderanfertigungen zu sehen, die ein Jahrhundert abdecken. Und jedes Auto hat etwas zu erzählen - von der technischen Entwicklung über die Sicherheit bis hin zum Design.