Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

"Das Telefon steht nicht still": Niederländische Impfhotline kann sich vor Anrufen kaum retten

Access to the comments Kommentare
Von Laura Llach
Angestellte des Gesundheitswesen erhält ihre erste Covid-19-Impfung in Veghel, Niederlanden, 06.01.2021
Angestellte des Gesundheitswesen erhält ihre erste Covid-19-Impfung in Veghel, Niederlanden, 06.01.2021   -   Copyright  Piroschka van de Wouw/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved   -  

Seit dem Beginn der Pandemie hat es sich der niederländische Arzt Robin Peeters zur Aufgabe gemacht, kursierende Falschinformationen zum Coronavirus zu bekämpfen. 

Das tat er zum einen auf den Märkten in Rotterdam, wo er die Menschen über den aktuellen Stand informierte und ihnen später Fragen zum Impfstoff gegen das Coronavirus beantwortete. Oftmals stellte er dabei fest, dass viele nach einem ausführlichen Gespräch, in dem sie ihre Fragen stellen- und ihre Bedenken loswerden konnten, bereit waren, sich an Ort und Stelle impfen zu lassen.

Peeters, der am medizinischen Zentrum der Erasmus-Universität in Rotterdam arbeitet, stellte fest, dass es in den sozialen Medien eine Unmenge von Falschinformationen zum Thema gab und nur wenige zuverlässige Quellen, die Menschen nutzen konnten, um sich zu informieren.

Die Menschen vertrauen den Ärzt:innen, wenn es um (Falsch-) informationen zum Thema Covid-Impfung geht. Doch, das musste Peeters schnell feststellen, müssten diese in der Lage sein, ein breiteres Publikum zu erreichen. Er suchte gemeinsam mit Kolleg:innen nach einer geeigneten Lösung, um mehr Menschen zu erreichen. So kamen sie auf die Idee, eine Hotline einzurichten, die ausschließlich Fragen im Zusammenhang mit dem Covid-Impfstoff beantwortet. Und so wurde das "Twijfeltelefoon" geboren, was auf deutsch so viel wie "Zweifel-Hotline" bedeutet.

Überwältigende Flut von Anfragen

"Es ist klar, dass es ein Bedürfnis seitens der Gesellschaft gab, denn von der ersten Minute an hat das Telefon nicht stillgestanden", sagte Peeters gegenüber Euronews. Die Impf-Hotline ging am 23. November in Rotterdam an den Start und wurde innerhalb von nur zwei Wochen auch in anderen Universitätszentren in Amsterdam, Utrecht und Maastricht eingerichtet. Seitdem gehen durchschnittlich 1.000 Anrufe pro Tag ein, und die Freiwilligen - meist Medizinstudent:innen - sind überwältigt von der Flut der Anfragen.

Um die Fragen der Anrufer:innen bestmöglich beantworten zu können, haben sie Zugang zu einer Datenbank mit medizinischen Informationen. Dort nehmen sie auch alle Fragen, die ihnen gestellt werden, auf, und auch die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen.

Darüber hinaus können sie sich für spezifischere Informationen an das Netz von Fachleuten des Universitätsklinikums wenden, von Gynäkolog:innen bis hin zu Allergolog:innen.

"Unser Ziel ist es nicht, die Menschen zu überzeugen, sich impfen zu lassen, sondern sie einfach zu informieren. Die Entscheidung, ob man sich impfen lassen will oder nicht liegt bei jedem selbst. Wir wollen keinen Druck auf sie ausüben, sondern sie nur über Impfstoffe und die neuesten medizinischen Erkenntnisse informieren", sagt Peeters. "Das Einzige, was wir tun wollen, ist, gegen die im Internet kursierenden Fehlinformationen zu kämpfen", fügt er hinzu.

"Impfgegner rufen nicht an"

Peeters sagt, dass die meisten Anrufe von Menschen kommen, die sich Sorgen über eine Impfung machen, viele Fragen haben und mit einem Fachmann sprechen wollen, um eine Entscheidung zu treffen.  "Die meisten Menschen haben Fragen, die ernst genommen werden müssen. Ich habe keine konkreten Zahlen, aber fast jeder, der uns anruft, stellt Fragen, die ernsthaft beantwortet werden müssen", sagt er.

Zweifel daran, wie sich der Impfstoff auf ihre Migräne auswirken wird, ob es sicher ist, sich impfen zu lassen, wenn man bereits Medikamente gegen Diabetes und Nierenversagen einnimmt, wie sich der Impfstoff auf eine  Schwangerschaft auswirken wird, Allergien, Nebenwirkungen.... all das sind individuelle Fragen, die die Anrufer:innen stellen und die ihre persönliche Situation sehr genau widerspiegelt.

Die häufigsten Fragen, sagt Peeters, betreffen Schwangerschaften und die Fruchtbarkeit, aber auch die Möglichkeit einer allergischen Reaktion auf den Impfstoff wird häufig angesprochen. "Sie wollen einfach nur wissen, ob die Impfung in ihrer Situation sicher ist, und sie brauchen einen Arzt, der ihnen diese Informationen gibt".

"Entgegen der landläufigen Meinung rufen Impfgegner nicht bei dieser Hotline an. Wir haben festgestellt, dass viel mehr Menschen medizinische Bedenken haben als sich gegen die Impfung sträuben", sagt er. Und wenn sie doch einmal einen Anti-Impf-Anrufer am anderen Ende der Leitung haben? Dann versuchen sie, ihn so schnell wie möglich loszuwerden, denn die Student:innen sind nur für medizinische Fragen ausgebildet.