Herzerkrankungen nach Covid-19: Warum trifft es fitte Fußball-Profis?

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Von Euronews  mit dpa
Jonathan Davies nach Bekanntgabe seines Wechsels von Vancouver zu Bayern München 2018
Jonathan Davies nach Bekanntgabe seines Wechsels von Vancouver zu Bayern München 2018   -   Copyright  DARRYL DYCK/AP   -  

Dass selbst austrainierte und sonst kerngesunde Fußball-Profis nach einer Covid-19-Erkrankung noch wochenlang nicht voll belastbar und somit nicht einsatzfähig sind, davon kann der FC Bayern München ein Liedchen singen.

Prominenteste Fälle waren der ungeimpfte Nationalspieler Joshua Kimmich und Edeljoker Eric Maxim Choupo- Moting. Von Covid-19 genesen, fielen beide Profis mit Lungenproblemen noch Wochen aus, bevor sie wieder im Kader standen. Zum Rückrundenstart der Bundesliga fehlten Bayern-Coach Julian Nagelsmann sage und schreibe neun Stammkräfte wegen Corona-Infektionen, darunter der auf den Malediven seine Quarantäne absitzende Kapitän Manuel Neuer.

Jetzt tritt allerdings gerade in Fußballerkreisen ein neues Problem zunehmend in den Vordergrund: Herzmuskelentzündungen und andere Erkrankungen des Herzens. Beim deutschen Rekordmeister aus München traf es ausgerechnet den erst 21 Jahre alten Flügelflitzer Jonathan Davies, bekannt für seine ausdauernden Sprints auf der linken Außenbahn. Während Choupo-Moting mit Kamerun beim Afrika-Cup schon wieder zu großer Form aufläuft.

"Phonzie ist raus"

Corona-positiv getestet, nahm der Kanadier Davies nach seiner Quarantäne das Mannschaftstraining wieder auf, um es sogleich wieder zu beenden. Die niederschmetternde Diagnose: Herzmuskelentzündung.

Nagelsmann kommentierte den Verlust am vergangenen Freitag: "Phonzie ist bis auf weiteres raus aus dem Training und wird auch in den kommenden Wochen nicht zur Verfügung stehen. Das muss jetzt komplett ausheilen."

Und das kann dauern: Wie das Deutsche Ärzteblatt unter Berufung auf eine kanadische Studie an einer Klinik in Toronto mit 47 von Covid-19 genesenen Patienten berichtet, ließen sich durch eine Positronen-Emissions-Tomographie (PET-Untersuchung) bei acht der Teilnehmenden Entzündungen des Myokards nachweisen. Das Myokard ist eine Schicht am Herzmuskelgewebe, die zwischen der Herzinnenhaut und der Herzaußenhaut liegt.

Die Untersuchungen fanden im Schnitt 67 Tage nach der Covid-19-Diagnose statt. Die Folgen waren in der Regel eher mittel- als langfristig. Neuerliche Untersuchungen 52 Tage nach der ersten PET ergaben laut Ärzteblatt, dass "sich die PET/MRT-Befunde sowie die Entzündungswerte im Blut normalisiert oder zumindest verbessert hatten".

Die Urheber der entsprechenden Studie in Toronto schlussfolgerten, dass "es bei einer Minderheit von Covid-19-Patienten nach der Erkrankung zu einer Entzündung des Myokards kommt, die mit einer systemischen Inflammation assoziiert ist und nach kurzer Zeit wieder zurückgeht".

Zeitpunkt für Comeback offen

"Kurze Zeit" ist im Profifußball natürlich relativ. Der FC Bayern München rechnet aktuell damit, dass Davies mindestens einen Monat ausfällt. Wann der 21-Jährige dann wieder ins reguläre und anspruchsvolle Mannschaftstraining einsteigen kann, muss abgewartet werden.

Ganz ähnlich ist der Fall des früheren Dortmunder Publikumslieblings Pierre-Emerick Aubameyang gelagert. Der seit Jahren beim FC Arsenal in London spielende Gabuner wurde als ehemaliger Covid-19-Patient obligatorisch vor Beginn des Afrika-Cups auf Herz und Nieren untersucht. Prompt wurde eine "Läsion" des Herzens diagnostiziert. Eine genauere Diagnose steht noch aus. Aber der Fußballverband Gabuns nominierte den Mannschaftskapitän zumindest nicht für die ersten beiden Vorrundenspiele.

Der Afrika-Cup läuft noch bis 9. Februar, dem Tag des Endspiels. Aus Vorsichtsgründen ist es unwahrscheinlich, dass Aubameyang vor einer endgültigen Diagnose beim Turnier aufläuft. Herzprobleme nach Covid-19 wurden nach Verbandsangaben vom 14. Januar übrigens auch bei Aubameyangs Nationalmannschaftskollegen Axel Meyé und Mario Lemina diagnostiziert.

Weitere Quellen • Ärzteblatt