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Preise steigen rasant - wer zahlt die Zeche?

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Von su  mit dpa
Autofahrer tankt in Frankreich.
Autofahrer tankt in Frankreich.   -   Copyright  LOIC VENANCE/AFP or licensors   -  

Sie ist wieder da: Mit 5,3 Prozent war die Inflationsrate in Deutschland im Dezember (Vorjahresvergleich) so hoch wie seit 1992 nicht mehr. Nach Jahren dümpelnder Preise beschleunigt sich die Jahresteuerungsrate seit Monaten deutlich. Im Gesamtjahr 2021 wurden Güter und Dienste im Schnitt um 3,1 Prozent teurer.

PPI: "Producer Price Index" (Erzeugerpreise), CPI: "Consumer Price Index" (Verbraucherpreisindex)

Dabei trifft die Teuerung Familien und Paare mit mittlerem Einkommen (Paar mit oder ohne 2 Kinder, 3.600-5.000 €) am stärksten – so eine Analyse des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK, IMK INFLATIONSMONITOR).

Für insgesamt acht verschiedene Haushaltstypen hat das IMK die Preissteigerungsrate aufgeschlüsselt. Ergebnis: Die einen zahlten im Dezember 2021 4,4 Prozent mehr als vor Jahresfrist für ihren durchschnittlichen Warenkorb, andere 5,5 Prozent. Den Unterschied macht dabei vor allem der starke Ölpreisanstieg. In den vergangenen 12 Monaten verteuerten sich Kraft- und Schmierstoffe um 33,6 %, Heizöl um 40 %. Rohöl war zwischen Dezember 2020 und 2021 um knapp 50 Prozent teurer geworden.

Also spürten Haushalte, die Pkws als Hauptverkehrsmittel nutzen und ihre Wohnräume mit Heizöl wärmen, die aktuelle Inflation stärker als Haushalte, die mit Strom oder Gas heizen und sich primär mit der Bahn oder dem Fahrrad fortbewegen, so das IMK. Deshalb kommen Alleinlebende mit geringem Verdienst (weniger als 900 €) mit einer Rate von 4,4 Prozent im Dezember am besten weg - von Armut betroffene Haushalte können sich die Waren, die aktuell besonders teuer werden, sowieso nur in geringem Umfang oder gar nicht leisten, zum Beispiel Kraft- und Schmierstoffe. Allerdings sei trotzdem „die Inflationsbelastung für diese Haushalte besonders groß, da mit Nahrungsmitteln und Haushaltsenergie Warengruppen überdurchschnittlich stark im Preis steigen, die nur schwer zu substituieren sind, so dass der Konsum in diesen Bereichen gegebenenfalls eingeschränkt werden muss,“ so das IMK – diese Haushalte geben von ihrem Einkommen anteilsmäßig 2,5mal soviel für Essen und alkoholfreie Getränke aus (16,5 zu 6,4%) wie Alleinstehende mit mehr als 5.000 € Einkommen.

Vielverdiener (Paar, 2 Kinder oder Alleinstehend mit mehr als 5.000 €) könnten mit 5,4 beziehungsweise 4,7 Prozent Jahresinflation den Preistreibern eher ausweichen – etwa mit kürzeren Wegen zur Arbeit oder zur Schule der Kinder oder aktuelleren Heizanlagen. Dafür haben sie andere Sorgen:

Vermögenswerte wie Aktien, Anleihen, Gold und Immobilien sind nicht im Destatis-Warenkorb enthalten. Laut Destatis (Dashboard Deutschland) waren zum Beispiel Eigentumswohnungen in Metropolen 2021 (3. Quartal) 82,7 Prozent teurer als Ende 2015.

EZB WARTET AB

Wie es weitergeht? 

Europas Währungshüter gehen weiter von sinkenden Teuerungsraten im laufenden Jahr aus. Allerdings sei der
Ausblick «mit großer Unsicherheit behaftet», so die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, bei einer Online-Veranstaltung des Weltwirtschaftsforums Davos. Eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale, die die Inflation dauerhaft nach oben treiben könnte, sehe die EZB bislang nicht, «Im
Gegenteil: Wir gehen davon aus, dass sich die Energiepreise im Laufe des Jahres 2022 stabilisieren werden (...) und dann werden die Inflationsraten allmählich zurückgehen», sagte Lagarde. Einer baldigen Zinserhöhung im Euroraum - Jahresinflationsrate im Dezember 2021 5,0 Prozent, so hoch wie noch nie seit der Euro-Einführung - hatte die EZB-Präsidentin wiederholt eine Absage erteilt. 

Die Notenbank strebt im gemeinsamen Währungsraum ein stabiles Preisniveau bei einer jährlichen Teuerungsrate von 2 Prozent an. Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer ultralockeren Geldpolitik inklusive
milliardenschwerer Anleihenkäufe die Teuerung anzuheizen. 

su mit dpa