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Entkommt BA.2 der Impfung? Was wir über den neuen Omikron-Subtyp bislang wissen

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Von euronews
Schnelltests gehören mittlerweile für viele EuropäerInnen zum Alltag dazu.
Schnelltests gehören mittlerweile für viele EuropäerInnen zum Alltag dazu.   -   Copyright  INA FASSBENDER/AFP or licensors   -  

Mitten in der Omikron-Welle bereitet ein neuer Untertyp der Virusvariante den Experten Sorgen. Seit einigen Wochen wird in mehreren Ländern, darunter auch in Dänemark und Frankreich, eine Omikron-Variante nachgewiesen. Diese Subvariante namens BA.2 weist mehrere Mutationen auf, die die Eigenschaften des Virus verändern könnten.

Ist BA.2 ansteckender als Omikron BA.1 ?

Seit Ende 2021 ist die Omikron-Variante, die im November 2021 erstmals in Südafrika nachgewiesen wurde, in unser Leben getreten. Diese weist im Vergleich zum "ursprünglichen" Stamm des Sars-CoV-2, der sich zwischen Ende 2019 und Anfang 2020 weltweit verbreitet hat, sehr viele Mutationen auf. Zahlreichen Studien zufolge machen ihn seine Eigenschaften zwar weniger virulent, aber ansteckender als die bis dahin vorherrschende Delta-Variante.

Aufgrund ihrer höheren Ansteckungsfähigkeit infiziert die Omikron-Variante (genannt BA.1) mehr Organismen und mutiert ihrerseits mit zunehmender Verbreitung. So entstand die Untervariante BA.2. Sie folgt dem Muster von Omikron, weist aber mehrere neue Mutationen auf. Diese Variationen wurden insbesondere im Spike-Protein entdeckt, dem "Schlüssel, der es dem Sars-CoV-2 ermöglicht, in unsere Zellen einzudringen", erklärt das französische Institut Inserm. Diese Mutationen können daher potenziell die Ansteckungsfähigkeit oder sogar die Gefährlichkeit des Virus beeinflussen.

Dieses Phänomen ist nicht außergewöhnlich. Mutationen treten bei "Fehlern" bei der Replikation des Virus auf, d. h. wenn es sich ausbreitet. Je höher die Anzahl der Ansteckungen, desto höher ist auch das Risiko einer Mutation. Auch bei anderen Varianten des Sars-CoV-2 gab es bemerkenswerte Mutationen, wie "Delta plus", eine "Subvariante" der Delta-Variante, die im Sommer 2021 auftauchte.

In Dänemark, wo man dank umfangreicher Sequenzierungen einen besonders guten Überblick über Varianten hat, sieht es so aus, als ob BA.2 fitter sei als BA.1: Der Anteil dieser Subvariante beträgt aktuell knapp 50 Prozent, Tendenz weiter steigend. Ende 2021 lag der Anteil erst bei 20 Prozent.

Wo verbreitet sich BA.2 am schnellsten?

Die Untervariante BA.2 wurde bereits in mehreren Ländern weltweit nachgewiesen. Laut der Internetseite Covariants.org wurden die ersten Fälle Ende Dezember 2021 in Indien und Südafrika entdeckt. Danach wurde sie schnell auch auf den Philippinen, in Dänemark und Schweden festgestellt.

Um diese Untervariante zu entdecken, muss das gesamte Genom des Virus analysiert werden. Ein Prozess, der länger dauert und teurer ist als ein einfacher PCR-Test. In Frankreich z.B. wird diese Sequenzierung nur bei einem Teil der Tests nach dem Zufallsprinzip durchgeführt.

Mithilfe dieser Analysen konnte beispielsweise in Großbritannien bis zum 10. Januar 2022 in 53 Fällen das Vorhandensein der Subvariante BA.2 bestätigt werden, wie die britischen Gesundheitsbehörden mitteilten. Im Vergleich zu anderen Ländern ist diese Zahl noch verschwindend gering. In Indien und Dänemark scheint die Untervariante BA.2 schnell zur Mehrheit geworden zu sein, und in Singapur macht sie laut der internationalen Plattform Gisaid bereits ein Drittel der Neuinfektionen aus. In Frankreich wurden bislang nur etwa 15 Fälle der Untervariante BA.2 sequenziert.

BA.2 gibt den Virologen Rätsel auf

Mehr oder weniger ansteckend? Mehr oder weniger gefährlich? Mehr oder weniger resistent gegen Impfstoffe? Das Auftreten einer neuen Mutation der Omikron-Variante wirft viele Fragen auf. Laut dem Genetiker Ulrich Elling (IMBA der ÖAW in Wien) unterscheiden sich BA.1 und BA.2 recht deutlich voneinander, und zwar in 17 Mutationen.

BA.1 und BA.2 sind in einer Hälfte des Genoms fast völlig gleich, doch in der anderen Hälfte sehr verschieden. Diese Unterschiede führen unter anderem dazu, dass es bei BA.2 zu keinem sogenannten S-Gen-Ausfall kommt und BA.2 anders als BA.1 S-Gen-positiv ist. Wie diese "halbseitig mutierte" Subvariante entstanden sein könnte, wirft für den Genetiker einige noch ungelöste Fragen auf.

Die dänischen Daten deuten laut Elling darauf hin, dass BA.2 bei den Geboosterten überrepräsentiert sein könnte. Und das wiederum würde auch erklären, warum in Dänemark bei einer hohen Impf- und Boosterquote die Infektionszahlen und auch die der CoV-Patienten in Krankenhäusern weiterhin steigen.

Dem Virologen Tom Peacock zufolge, "legen die allerersten Beobachtungen aus Indien und Dänemark nahe, dass es keinen dramatischen Unterschied im Schweregrad im Vergleich zu BA.1 gibt"

In einem Punkt sind dich die Virologen einig, es ist noch zu früh, um genau einschätzen zu können, wie sich BA.2 auf das Infektionsgeschehen auswirken wird. Das wird sich erste in den kommenden Wochen herausstellen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bestätigte "eine Tendenz zur Zunahme von BA.2 in den letzten Wochen" und kündigte an, "die Zunahme von BA.2 und ihre möglichen Auswirkungen zu überwachen".