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"Putin will Respekt" - Deutscher Marine-Chef muss Posten räumen

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Von Euronews  mit dpa
Marine-Chef Kay-Achim Schönbach - ARCHIV
Marine-Chef Kay-Achim Schönbach - ARCHIV   -   Copyright  Eugene Hoshiko/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved   -  

Der Chef der deutschen Marine Kay-Achim Schönbach tritt nach seinen umstrittenen Aussagen zum Konflikt Russland-Ukraine von seinem Posten zurück. Der 56-Jährige kommt damit seiner Abberufung durch die Verteidigungsministerin zuvor. Er hatte - auf Englisch - gesagt, dass sich Russland ukrainische Gebiete aneignen wolle, sei «Nonsens». Besonders in der Ukraine, aber auch in Berlin waren die Äußerungen des hochrangigen Militärs auf Kritik gestoßen. Kiew hatte - auch wegen Schönbachs Sicht, dass die Krim an Russland verloren sei - die deutsche Botschafterin einbestellt.

Bei Gesprächen in Indien hatte der Vizeadmiral mit Bezug auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin erklärt: "Was er wirklich will, ist Respekt auf Augenhöhe. Und - mein Gott - jemandem Respekt entgegenzubringen, kostet fast nichts, kostet nichts. Also würde man mich fragen: Es ist leicht, ihm den Respekt zu geben, den er fordert - und den er vermutlich auch verdient."

Schönbach sagte auch, dass er die Regierenden in Peking für gefährlicher hält als die in Moskau: "Selbst wir, Indien, Deutschland, brauchen Russland, weil wir Russland gegen China brauchen."

Dazu schrieb Schönbach inzwischen auf Twitter: "Unbedacht, fehleingeschätzt in der Situation, hätte ich das so nicht tun dürfen. Da gibt es nichts zu deuteln, das war ein klarer Fehler."

Schon zuvor hatte er betont: "Meine sicherheitspolitischen Äußerungen in einer Talkrunde eines Think Tanks in Indien gaben meine persönliche Meinung für diesen Moment vor Ort wieder. Sie entsprechen in keinster Weise der offiziellen Position des @BMVg_Bundeswehr."

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) nahm Schönbachs Rücktritt an. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), teilte mit: 'Vizeadmiral Schönbach hat mit seinen Äußerungen die europäische Sicherheitsstruktur und das Völkerrecht in Frage gestellt. Sein Rücktritt ist folgerichtig.'

Das ukrainische Außenministerium erklärte zur Einbestellung der deutschen Botschafterin, es gehe um die "Unannehmbarkeit der Äußerungen des Oberkommandierenden der Kriegsmarine Deutschlands, Kay-Achim Schönbach." Vor allem um seinen Satz, dass "die Krim niemals in den Bestand der Ukraine zurückkehren wird und dass unser Staat den Mitgliedskriterien für die Nato nicht entsprechen wird".

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskij hätte auch gerne Waffenlieferungen aus Deutschland, was die Regierung von Olaf Scholz bisher abgelehnt hat.