"Unter uns pflegen wir herzliche Beziehungen": Wie der Ukraine-Konflikt Familien zerreißt

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Von Euronews  mit AFP
"Unter uns pflegen wir herzliche Beziehungen": Wie der Ukraine-Konflikt Familien zerreißt
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Das ist die Autobahn, die von der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkiw direkt nach Moskau führt. Früher war es ein Leichtes von der Ukraine nach Russland zu fahren und umgekehrt. Doch seit 2014 ist einiges anders.

Für Familien bedeutet es vor allem eins: Erschwernisse, die eigene Verwandtschaft im Nachbarland zu sehen. Alla Lawrowa führt ein Raststätten-Café an der Autobahn rund 13 Kilometer von der russisch, auf der russischen Seite. Ihre Geschwister wohnen in Charkiw, auf der anderen Seite der Grenze. Seit mehreren Jahren hat sie sie nicht gesehen:

"Jetzt können mein Bruder und meine Schwester uns nicht mal zu Ostern besuchen, das Grab unserer Eltern, weil die Situation mit der Ukraine so traurig ist. Sie dürfen einfach nicht herkommen. Ich bedaure, wie sich die Beziehung zwischen Russland und der Ukraine entwickelt hat. Unter uns normalen Leuten pflegen wir herzliche, menschliche Beziehungen, aber auf höchstem Niveau sieht die Sache anders aus."

Wladimir, ein Elektriker im Ruhestand, sorgt sich um seine alleinstehende Schwester, die in der von russischen Separatisten umkämpften Region Luhansk lebt:

"Natürlich machen wir uns Sorgen um sie. Wir haben zu ihr gesagt: Bleib bei uns, wegen der Situation dort. Aber sie will es nicht und sagt: wir schaffen das schon. Wir haben 1941 überlebt, wir werden das auch überleben."

Die beiden sind keine Einzelfälle- hunderte Familien leben nur wenige Kilometer voneinander entfernt und haben sich seit Jahren nicht gesehen. Zwar sind Grenzübertritte prinzipiell möglich, die Antragstellung und langwierige Einreiseprozedur halten viele Menschen davon ab, es überhaupt zu versuchen.

Was ihnen bleibt ist das Hoffen und Warten - auf bessere Zeiten.