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Energie treibt die Preise im Euroraum - Verbraucher stöhnen

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Von su  mit dpa
Die Regierung in Ungarn hat angesichts der Inflation einen Preisstopp für verschiedene Grundnahrungsmittel angekündigt.
Die Regierung in Ungarn hat angesichts der Inflation einen Preisstopp für verschiedene Grundnahrungsmittel angekündigt.   -   Copyright  ATTILA KISBENEDEK/AFP   -  

Die Inflationsrate, angeheizt durch stark gestiegene Öl- und Gaspreise, hat in Europa im dritten Monat in Folge ein Rekordniveau erreicht. Verbraucher, die mit Gas kochen und heizen, zahlen annähernd doppelt so viel wie vor einem Jahr. Die Preisspirale an den Ölbörsen schraubt sich immer weiter nach oben.

In den 19 Euro-Ländern stiegen die Verbraucherpreise im Januar um 5,1 Prozent im Jahresvergleich, so die Statistikbehörde der Europäischen Union Eurostat.

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An der Spitze liegt Litauen mit + 12,2 Prozent, am Ende Frankreich mit + 3,3 Prozent - in Deutschland stiegen die Verbraucherpreise um 4,9 Prozent. Die Euro-Zahl brach Rekorde von 5 Prozent im Dezember und 4,9 Prozent im November und war die höchste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1997. Die Energiepreise stiegen demnach um 28,6 Prozent, Lebens- und Genussmittel waren 3,6 Prozent teurer als vor Jahresfrist.

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Das schürt Ängste bei den Verbrauchern – sie müssen wohl noch länger mit höherer Inflation leben, schätzen Volkswirte. Denn die treibenden Kräfte wirken weiter: Die Ölpreise sind gestiegen, weil sich die Weltwirtschaft von den strengsten COVID-19-Beschränkungen erholt. Die Erdgaspreise in Europa sind aufgrund der erschöpften Winterreserven, der geringeren Lieferungen aus Russland und der Furcht vor einem militärischen Vorgehen Moskaus gegen die Ukraine in die Höhe geschossen.

VERBRAUCHERÄNGSTE

In einer Umfrage im Auftrag der Auskunftei Schufa gaben 44 Prozent der Verbraucher an, ihren Lebensstandard nicht halten zu können. 28 Prozent der Befragten befürchten, dass es ihnen zunehmend schwerfallen wird, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Auch einer von der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners veröffentlichten Erhebung zufolge hatten 54 Prozent der Konsumenten im vergangenen Jahr das Gefühl, sich weniger leisten zu können als 2020. Besonders stark betroffen waren demnach Geringverdiener: Zwei Drittel der Befragten mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.500 Euro beklagten schwindende Kaufkraft.

EZB WIEGELT AB

Die Europäische Zentralbank (EZB) – sie steuert mittelfristig zwei Prozent Inflation an - sieht die steigenden Preise vor allem durch Sonderfaktoren getrieben und rechnet im Verlauf des Jahres mit einem Rückgang der Inflationsrate (2023 und 2024 auf 1,8 Prozent). Daher sei es "sehr unwahrscheinlich", so die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, dass die Bank die Zinssätze in diesem Jahr anheben werde - das typische Gegenmittel der Zentralbanken gegen übermäßige Inflation. Zu den vorübergehenden Faktoren gehören demnach Engpässe bei der Lieferung von Teilen und Rohstoffen, sowie Vergleiche mit den extrem niedrigen Energiepreisen während der schlimmsten Zeit der Pandemiekrise. Diese "Basiseffekte" würden mit der Zeit aus den Inflationsstatistiken verschwinden.

KONTRÄR ZUR FED

Analysten zufolge werden die Märkte darauf achten, ob sich die Aussichten der Bank ändern - die Haltung der EZB steht in krassem Gegensatz zu der der US-Notenbank.An den Finanzmärkten wird auf eine Leitzinserhöhung in diesem Jahr spekuliert – die US-Notenbank FED könnte angesichts einer Inflationsrate auf 40-Jahres-Hoch bereits im März eine Reihe von Zinserhöhungen ankündigen.

su mit dpa