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"Wir werden alle nach Spanien gehen": Warum Senegals Fischer in der Krise sind

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Von Valérie Gauriat
Ein Fischer trocknet ein Tuch neben den Fischerbooten in Dakar, Senegal, 30.07.2020
Ein Fischer trocknet ein Tuch neben den Fischerbooten in Dakar, Senegal, 30.07.2020   -   Copyright  Sylvain Cherkaoui/Copyright 2020 The Associated Press. All rights reserved.   -  

Diese Boote waren lange Zeit eine Quelle des Reichtums für die Fischer von Saint Louis, die angesehensten in Senegal. Aber seit einigen Jahren stecken sie in einer Krise.

"Heutzutage ist die Fischerei wegen der Ausländer schwer. Ihre Schiffe behindern den Fischfang, sie verschmutzen das Meer. Sie fangen alles, was wir sonst gefangen haben", meint Kapitän Kala Gueye Ndiaye aus Saint Louis.

Europäische Schleppnetze schuld am fehlenden Fisch?

Moustapha Dieng leitet zwei Gewerkschaften der traditionellen Fischerei im Sengal. Er prangert die illegalen Praktiken chinesischer Schiffe in der Region an. Und gibt auch europäischen Fischfangflotten die Schuld, denn sie dürfen nur 12 Kilometer vor der Küste Thunfisch und Seehecht fangen - nach einem Fischereiabkommen zwischen der Europäischen Union und dem Senegal:

"Die Europäer, die hier Thunfisch fangen müssen Jungfische als lebende Köder einsetzen. Doch diese sollte man heranwachsen lassen, damit sie die Meere bevölkern können. Und die Schiffe, die Seehechte fangen, machen das mit Grundschleppnetzen, diese Art der Fischerei ist in Europa verboten. Es sind diese Abkommen, die den ganzen Fisch verschlingen."

In einer der Fischverarbeitungsanlagen in Saint Louis herrschte früher ein reger Betrieb, aber die Krise hat zugeschlagen.

Amina Diallo arbeitet dort und erklärt: "Wir sind so müde. Wenn es nach uns ginge, würden wir Unterstützung gegen diese Boote suchen. Damit sie gestoppt werden und alles dafür getan wird, dass wir Fisch bekommen. Es gibt einfach keinen mehr."

"Es gibt keinen Wettbewerb"

Doch was sagt die Europäische Union zu den Vorwürfen der Fischer? Irene Mingasson ist EU-Botschafterin im Senegal, sie sagt: 

"Dieses Abkommen beruht im Wesentlichen auf dem Vorhandensein eines Überschusses an Ressourcen, und wenn dieser nicht vorhanden ist, kann das Fischereiabkommen nicht umgesetzt werden. Zweitens muss gesagt werden, dass die betreffenden Arten nicht von senegalesischen Berufsfischern gefangen werden. Es gibt also keinen Wettbewerb."

Argumente, die diejenigen nicht abschrecken können, die entschlossen sind, auf illegalem Weg nach Europa zu gelangen.

"Wenn man den Fisch verkauft, bleibt fast nichts mehr übrig. Es gibt keinen Gewinn! Wir haben keine andere Arbeit, wir kennen nur das Meer, wir sind von ihm abhängig. Niemand wird hier bleiben, wir werden alle nach Spanien gehen", meint ein junger Mann.

Die gesamte Reportage unserer Reporterin Valérie Gauriat (@valgauriat) gibt es diese Woche in der Sendung Euronews Witness.