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Nach Flucht aus Odessa: Ukrainische Tennis-Heldin erreicht WTA-Halbfinale

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Von Francisco Marques
Dayana Yastremska beim Return während des Turniers in Lyon. Dort hat sie das Halbfinale erreicht
Dayana Yastremska beim Return während des Turniers in Lyon. Dort hat sie das Halbfinale erreicht   -   Copyright  AP Photo/Andy Brownbill

Sie ist der eigentliche Star unter vielen Tennis-Sternen beim WTA-Turnier "Open 6ème Sens - Métropole de Lyon": Die Ukrainerin Dayana Yastremska hat nach ihrer überstürzten und gefährlichen Flucht aus Odessa körperliche und seelische Strapazen weggesteckt und das Halbfinale erreicht. 

Stets an ihrer Seite: Dayanas 15-jährige Schwester Ivanka, mit der sie in der Doppel-Konkurrenz allerdings früher die Segel streichen musste.

Nach ihrem 6:4, 7:6 (7:3) Sieg über die an Nummer fünf gesetzte Italienerin Jasmine Paolini, für den sie allerdigs stattliche in 1:41 Stunden benötigte, kämpft Yastremska nun sogar an diesem Samstag um den Einzug ins Endspiel. In Lyon wurde sie vom Publikum vom ersten Turniertag an besonders herzlich unterstützt.

Auf dem Programm in Lyon stand auch ein Empfang durch Bürgermeister Grégory Doucet. In der Stadt und im benachbarten Villeurbanne wurden in den vergangenen Tagen viele privat eingefädelte Hilfsgütersammlungen und deren Transport an die ukrainische Grenze organisiert.

Yastremska im Euronews-Interview

Euronews-Reporter Francisco Marques hatte die Gelegenheit die Ukrainerin in Lyon zu einem Vier-Augen-Interview zu treffen und sie dabei zu fragen, wie sie mit dieser seelischen Ausnahmesituation zurechtkommt. Schließlich musste das Geschwisterpaaar die Eltern in der Ukraine zurücklassen.

Dazu sagte Yastremska am Euronews-Mikrofon:"Es war sehr schwer und schmerzhaft, weil wir nicht wissen, wann wir unsere Eltern wiedersehen werden. Es ist hart, wenn ich mich daran erinnere, wie wir im Boot geblieben sind und wie unsere Eltern am anderen Ufer standen. Es war sehr emotional."

Mit dem Auto, mit einem Boot und dann zu Fuß flohen die Geschwister aus Odessa zunächst nach Rumänien. Von dort reisten sie zum WTA-Turnier nach Lyon.

In Gedanken ist sie trotzdem daheim in Odessa. Ab und zu telefoniert sie mit ihren Eltern: "Es sind jetzt einige Russen in Odessa. Mein Vater sagt, die Lage sei trotzdem unter Kontrolle. Aber ich denke das sagt er nur, um mich hier nicht abzulenken."

"Sie sind Helden"

Dank einer Wildcard durfte Dayana Yastremska in Lyon aufschlagen. Und sie startete einen unerwarteten Siegeszug bis ins Halbfinale. Der Anfang verlief allerdings eher holprig, sagt sie: "Ich war in den ersten Spielen eigentlich relativ entspannt, aber auch blockiert. Ich bin glücklich über den Sieg, aber gleichzeitig auch traurig. Ich bin glücklich, dass ich heute wieder für mein Land gewonnen habe und bin stolz auf die Ukraine und unser Volk."

Nach dem Viertelfinalerfolg über die Italienerin Jasmine Paolini twitterte Yastremska: "Härtestes Match meiner Karriere - für die Ukraine."

Ihre Botschaft an ihre Landsleute und den Rest der Welt verkündeet sie am Ende des Euronews-Interviews:_ "Ich bin stolz darauf, dass sie dort für unser Leben kämpfen, für eine freie Ukraine. Ein großer Dank geht an sie, an die Menschen, die dort überleben und sich wirklich für das Land und für jede Stadt der Ukraine und für alle Frauen und Kinder einsetzen, damit die Ukraine frei ist. Unser Volk verdient großen Respekt. Sie sind Helden."_