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Zuflucht in Italien: 55 ukrainische Flüchtlinge erleben Gastfreundschaft

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Von Luca Palamara, Sabine Sans
Zuflucht in Italien: 55 ukrainische Flüchtlinge erleben Gastfreundschaft
Copyright  Η Ταΐσια με τον γιο της   -  

Gegensätzlicher könnten die Bilder nicht sein: Auf der einen Seite eine Mutter, die friedlich mit ihrem Kind spielt und andererseits Familien, die hektisch versuchen per Zug vom Krieg in der Ukraine zu flüchten.

Taisia und ihr Sohn fanden Zuflucht in Ercolano in der Nähe von Neapel bei derselben Familie, die sie als sogenanntes "Tschernobyl-Kind" mit damals sieben Jahren

"Wir konnten uns nicht verständigen, wir wussten nicht, wie wir uns ihr gegenüber verhalten und was wir ihr zu essen geben sollten", erzählt die Mutter der Gastfamilie Anna Cioffi. _"Ich öffnete also den Kühlschrank, stellte sie davor, und mit ihren kleinen Händen nahm sie zwei Eier und machte dann eine Geste... ich verstand, dass sie Spiegeleier wollte."
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Wiederholte Gastfreundschaft

Vor 26 Jahren kam Taisia Vechurko als Kind nach Italien, um einem unsichtbaren Feind zu entkommen: der Radioaktivität im Gebiet von Tschernobyl. Heute zwingt sie ein allgegenwärtiger sichtbarer Feind, zu derselben Familie zurückzukehren, die sie damals aufgenommen hatte, diesmal als Mutter.

Die Ukrainerin Taisia hat den Kontakt zu ihrer italienischen Gastfamilie nie verloren: "Ich bin sehr dankbar, dass sie mich wieder aufgenommen haben, denn es ist schwierig, wenn man nicht weiß, wohin man gehen soll. Aber wenn man einen Zufluchtsort hat und weiß, dass eine andere Familie einen aufnimmt, ist das sehr gut, auch für meinen kleinen Sohn. Ich wollte nicht, dass er die derzeitige Situation in der Ukraine erlebt."

Integration und Hilfe

Taisia und ihr Sohn gehören zu den 55 Flüchtlingen, die die Stadtverwaltung von Herculaneum gemeinsam mit Hilfsorganisationen wie der Associazione Uniti per la Vita und dem Roten Kreuz an der ungarischen Grenze abgeholt hat.

"Wir integrieren sie in das soziale Gefüge der Stadt", erklärt der Bürgermeister von Ercolano Ciro Buonajuto. "Wir haben die medizinische Versorgung organisiert, wir haben mit den Schulen die Möglichkeit geschaffen, dass ukrainische Kinder die gleichen Klassen besuchen können wie italienische Kinder. Ich glaube, dass die Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen eine große Bereicherung für meine Stadt und unser Land sein kann".

Die Ungewissheit bleibt

Taisia Vechurko erzählt: "Hier angekommen ist man erst einmal erleichtert, dass man in Sicherheit ist, aber natürlich hat man seine Freunde und Verwandten dort zurückgelassen, und man vermisst sie. Man möchte dorthin zurückkehren, man möchte wissen, wie es ihnen geht, und man macht sich Sorgen um all die Nachbarn, die dortgeblieben sind."

Von der Atomkatastrophe in Tschernobyl bis zum heutigen Krieg: Taisias Leben wird immer wieder erschüttert, aber ihre italienische Familie ist nach all den Jahren immer noch da, um ihr zu helfen.