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Zwischen TikTok und Kutsche: zu Besuch bei einer mennonitischen Influencerin in Mexiko

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Von Andrea Buring  & Hérika Martínez
Mennoniten in Cuauhtémoc, Mexiko am 31.3.2022
Mennoniten in Cuauhtémoc, Mexiko am 31.3.2022   -   Copyright  HERIKA MARTINEZ/AFP or licensors   -  

Mennoniten in Mexiko - eine hundertjährige Geschichte zwischen Tradition und Moderne.

Fahren die konservativen Mitglieder der evangelischen Freikirche in manchen Gemeinden noch mit der Kutsche, hält bei den Traditionalisten seit einigen Jahren die Technik Einzug - und wieder andere leben ganz am Puls der Zeit: mit E-Mail-Konto, Smartphone und TikTok.

Mennoniten haben doch gar keine Handys!
Marcela Enns
Influencerin

Wie Marcela Enns in Cuauthémoc. Als mennonitische Influencerin will sie mit Vorurteilen aufräumen. Sie erklärt schmunzelnd, "mit all den Videos, die ich schon gemacht habe, sagen mir noch immer viele Leute: "Du bist doch keine Mennonitin, die hast ein Handy, das passt nicht zusammen. Mennoniten haben doch gar keine Handys!"

Auf zwei Youtube-Kanälen gibt sie Kurse in Niederdeutsch - der gemeinsamen Sprache der Mennoniten -, backt Kekse, rappt oder synchronisiert Rihanna.

Heute ist die junge Frau, die sich schon mit 15 Jahren in Technik verliebte, als sie ihre erste Kamera bekam, Community Managerin von zwei Unternehmen in Cuauhtémoc. Marcela lobt die Mennoniten für ihre harte Arbeit und ihren Sinn für Solidarität.

Ich hoffe, dass ich andere mennonitische Frauen inspirieren kann, unabhängiger zu sein (...) und keine Angst zu haben, ihre Meinung zu sagen.
Marcela Enns
Influencerin

"Mein Großvater war sehr rebellisch", sagt sie. Ihm ist es zu verdanken, dass ihr Vater der erste in der Gemeinde war, der seine Kinder auf eine öffentliche Schule schickte. Marcela wurde auch als Austauschschülerin nach Kanada geschickt.

"Für mich bedeutet das, viele Regeln zu brechen. Ich hoffe, dass ich andere mennonitische Frauen inspirieren kann, unabhängiger zu sein, stark zu sein und keine Angst zu haben, ihre Meinung zu sagen."

Eine Weltoffenheit, die auch langsam in der 460 Kilometer weit entfernten Kolonie El Sabinal ankommt. Strom gibt es dort erst seit vier Jahren. Danach kamen die Reifen, Handys und Internet.

Sehr zur Freude von Jacob Brown Brown. Er meint, "bei Reparaturen können wir jetzt einfach das Licht anmachen. Wir können Laster und Traktor fahren, das erleichtert unsere Arbeit."

Etwa der Hälfte der 2.000 Dorfbewohner von El Sabinal ging das zu weit - sie zogen weiter ins Hinterland. Insgesamt leben in Mexiko etwa 100.000 Mennoniten.