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Affenpockenausbruch in mehreren Ländern Europas

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Von Euronews  mit dpa
Affenpocken
Affenpocken   -   Copyright  AP/CDC   -  

Immer mehr Länder in Europa melden Nachweise und Verdachtsfälle von Affenpocken. Zunächst war das Virus in Großbritannien aufgetreten, bei einem Mann, der in Nigeria gewesen war. Jetzt gibt es Fälle in Schweden, Italien, Portugal und Spanien. Das Ausmaß überrascht und löst bei Experten erhöhte Aufmerksamkeit aus.

Enrique Perez von der Pan American Health Organization (PAHO): "Portugal hat offiziell bestätigt, dass es allein in diesem Monat mehr als 20 Verdachtsfälle von Affenpocken gab, sowohl in der Region Lissabon als auch in anderen Regionen, bei fünf Menschen wurden die Affenpocken bereits sicher diagnostiziert. Und auch das spanische Gesundheitsministerium hat eine Warnung herausgegeben, denn in Madrid sind acht Fälle auftreten. Alle Patienten sind Männer, die Sex mit anderen Männern hatten." 

Intimkontakt ist aber nur eine Möglichkeit der Übertragung - es kann Zufall sein, dass das Virus zunächst in diesen Personenkreis getragen wurde und dann vor allem dort weiter kursierte.

Araceli Arce, stellvertretende Direktorin des Gesundheitsamts Madrid: "In Spanien sind alle Fälle im Raum Madrid aufgetreten. Normalerweise kursiert das Virus in bestimmten Gebieten Afrikas. Die Erkrankten in Madrid waren nie in Afrika. Auch nicht in Großbritannien, wo das Virus aufgetreten war, und auch nicht in Portugal."

Die Virus-Erkrankung ruft meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen.

Fachleute vermuten, dass der Erreger der Affenpocken in Nagetieren zirkuliert.

Zu den ersten Krankheitsanzeichen gehören: Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost und Erschöpfung. Es könne sich ein Ausschlag entwickeln, der sich oft ausgehend vom Gesicht auf andere Körperteile ausbreite. Der Ausschlag sehe je nach Phase unterschiedlich aus und könne Windpocken und Syphilis ähneln. Es gibt keine spezifische Therapie und keine Impfung gegen Affenpocken. Historischen Daten zufolge schützt aber eine Pockenimpfung gut vor Affenpocken - und das wohl lebenslang. Wie das RKI erläutert, haben weite Teile der Weltbevölkerung allerdings keinen Impfschutz. 

"Der aktuelle Ausbruch deutet auf eine veränderte Mensch-zu-Mensch-Übertragbarkeit hin", schrieb der Leiter der Klinik für Infektiologie an der Berliner Charité, Leif Sander, am Donnerstag auf Twitter. Die nachlassende Bevölkerungsimmunität seit Ende der Pockenimpfungen trage vermutlich dazu bei. Der Wissenschaftler beschreibt die Affenpocken als weniger krankmachend als die Pocken, es sei aber "dennoch eine ernste und in Einzelfällen tödliche Erkrankung". Grund zur Panik sieht Sander derzeit nicht: Der Ausbruch zeige aber, "wie sehr Infektionskrankheiten in einer globalisierten Welt eine ständige Gefahr darstellen, auf die wir uns besser vorbereiten müssen".

Patient in Italien kam von den Kanaren

Auch in Italien ist eine erste Infektion mit Affenpocken festgestellt worden. Der Assessor für Gesundheit der Region Latium, Alessio D'Amato, bestätigte am Donnerstag einen ersten erfassten Fall der Virusinfektion. Er habe Gesundheitsminister Roberto Speranza über den Befund, der im Nationalen Institut für Infektionskrankheiten bestätigt worden war, in Kenntnis gesetzt, schrieb D'Amato bei Facebook. Das Institut kündigte noch für Donnerstag eine Presseerklärung an.

Die Nachrichtenagentur Ansa meldete, dass es sich bei dem Infizierten um einen Mann handle, der von einer Reise auf die Kanarischen Inseln zurückkam und in Rom in ein Krankenhaus ging. Dort sei er isoliert worden, hieß es.