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Bunker mit Panzertür und Trockentoilette - der neue Trend aus Berlin kommt wenig glamourös daher

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Von Andrea Buring
Zugangsrampe im Atombunker Pankstraße in Berlin. Dieser wurde 1977 während des Kalten Krieges errichtet und sollte die Bürger West-Berlins schützen. 10.5.2022, Berlin.
Zugangsrampe im Atombunker Pankstraße in Berlin. Dieser wurde 1977 während des Kalten Krieges errichtet und sollte die Bürger West-Berlins schützen. 10.5.2022, Berlin.   -   Copyright  JOHN MACDOUGALL/AFP or licensors

Der neue Trend aus Berlin: ein bombensicherer Zweitwohnsitz. Eine wachsende Zahl von Menschen in Berlin legt sich private Bunker zu. Mit Türen aus Panzerstahl und Trockentoilette. Hier wollen sie Schutz suchen, sollte der Krieg in der Ukraine auf das Ausland übergehen.

Wir haben im Osten Deutschlands (...) Menschen, die Angst haben, dass der Russe vor der Tür steht.
Mark Schmiechen
Pressesprecher, Bunkerhersteller BSSD

Mark Schmiechen, der Pressesprecher des Bunkerhersteller BSSD erklärt, "wir haben im Westen mehr die Menschen, die Sorge vor einem Atomschlag oder einem Atomangriff haben. Und wir haben im Osten Deutschlands, also in den ehemals neuen Bundesländern, eher die Menschen, die Angst haben, dass der Russe vor der Tür steht."

Luxus aus Stahl

Bis zu 5.300 Euro kostet ein Quadratmeter Bunker bei dem Berliner Hersteller Bssd - damit kann er es mit den besseren Wohnlagen in der deutschen Hauptstadt aufnehmen. Allein der 18 Quadratmeter große "Bunker B1" kostet ab 95.000 Euro aufwärts. Keine Kleinigkeit, aber für viele offenbar eine Notwendigkeit: Öffentliche Bunker gibt es kaum noch in Berlin - und wenn, dann nur zweckentfremdet oder in schlechtem Zustand. Wären alle 23 Schutzräume noch intakt, hätte dort heute weniger als ein Prozent der Berliner Bevölkerung Platz.

Die deutsche Bundesinnenministerin Nancy Faeser sagt, "ich weiß aber, dass einige dabei sind, einige zu reaktivieren, die vorhandenen Schutzräume, die es noch gibt, auch wieder so aufzustellen, dass sie auch nutzbar sind."

Metrostation als Bunker?

U-Bahn-Stationen als Schutzräume wie in Kiew fallen in Berlin hingegen flach - da sie zu flach unter der Erde sind. In vielen Fällen sei die Decke eines U-Bahnhofs gleichzeitig der Untergrund für die darüber liegende Straße - und zum Teil nur 60 Zentimeter dick, vermutet Touristenführer Kay Heyne von den "Berlin Unterwelten"-Touren. Er meint, "man hat in Berlin versucht, relativ schnell und preiswert, gerade bis in die 50er 60er Jahre hineinzubauen, sodass also die U-Bahnhöfe in so einer geringen Tiefe sind, dass sie gegen direkte Treffer, die von oben auf dem Bahnhof fallen, überhaupt keinen Schutz mehr bieten."

Während mehr und mehr Berliner bunkern, klettern die Preise weiter in die Höhe.