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Neue Realität in der Ukraine: Buntes Markttreiben und Leichen im Hinterhof

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Von Euronews mit AFP
Menschen bummeln durch die Markthalle von Butscha nahe Kiew
Menschen bummeln durch die Markthalle von Butscha nahe Kiew   -   Copyright  AFP   -  

Die meisten Stände sind noch geschlossen, doch mit der Wiedereröffnung des Marktes in Butscha kehrt in dieser nordukrainischen Stadt, die zum Synonym für Kriegsverbrechen geworden ist, wieder ein Hauch von Normalität ein. Auch frische Lebensmittel gibt es.

Schlachterin Valeriya Bilyk sagte an ihrem Marktstand: "Die Geschäfte öffnen nach und nach, Menschen mit kleinen Kindern und Hunden kommen zurück. Es ist wie früher. Die Stadt lebt wieder auf. Butscha sehe ich nur hier, aber ich glaube, es verändert sich. Die Straßen werden nach und nach instand gesetzt. Alles erwacht wieder zum Leben; wir sind wirklich froh, das zu sehen. Also wie gesagt - wenn man die Ruinen ignoriert, erholen wir uns praktisch von all dem."

Olena und Dmytro sind ein junges Paar, das über den Markt schlendert.

Olena sagte: "Am Anfang ist es ein Schock, und dann begreift man, dass das unsere neue Realität ist und man sein Leben ändern und weiterleben muss."

Dmytro nickt: "Das Leben geht weiter und man muss leben. Wie auch immer das Leben ist."

Olena: "Ja, denn wenn du das nicht akzeptierst, wirst du verrückt werden."

Dmytro stimmt erneut zu: "Das ist richtig."

Noch kein Markttreiben in Charkiw

Während im Osten der Ukraine die Kämpfe toben, ist es den ukrainischen Streitkräften gelungen, die russischen Truppen aus der Stadt Charkiw unweit der Grenze zu Russland, zu vertreiben. In den befreiten Gebieten kehren die Einwohner wie Aleksandr Vandenko langsam zurück. Er besucht sein hölzernes Geburtshaus und stellt nüchtern fest: "Bis jetzt haben wir nichts. Keine Arbeit, kein Geld. Wir müssen uns etwas suchen, vielleicht unten im Garten, damit wir die Löcher reparieren können. Wir werden uns etwas einfallen lassen".

Die ukrainische Präsidentengattin fordert die Weltgesundheitsorganisation auf, bei der Bewältigung der enormen psychischen Probleme zu helfen. Olena Zelenska warnt in ihrer an die WHO adressierten Videobotschaft, dass die Auswirkungen des dreimonatigen Krieges noch Jahrzehnte andauern könnten: "Wir zählen auf Ihre fachkundige Unterstützung beim Aufbau eines wirklich einzigartigen und weltweit führenden psychologischen Betreuungsdienstes. Ja, wir haben diesen Ehrgeiz, und wir haben den Ehrgeiz, dies schnell zu tun, damit wir neben dem Sieg im Krieg auch den Sieg über die Trauer, den Schock und den Stress unserer Bürger erringen werden."

Leiche des Sohnes im Hinterhof

In Borodjanka, am Stadtrand von Kiew, wird auf humanitäre Hilfe gewartet. Die Stadt ist völlig zerstört. Es gibt Mütter, die ihre Kinder verloren haben, und andere, deren Söhne an der Front sind.

Der Sohn von Nadya Orikhovska ist in Charkiw in einen Hinterhalt geraten. Sie unterstützt ihre Worte mit Gesten: "Der Heckenschütze war dort, mein Sohn ging in diese Richtung, er wollte in den Schutzraum und wurde in den Kopf geschossen. Die Kugel ging von hinten nach vorne durch den Kopf."

Weggehen aus Borodjanka kommt für die trauernde Mutter derzeit nicht in Frage. Die sterblichen Überreste ihres Sohnes sind in ihrem Hinterhof beigesetzt worden.