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Dauerbeschuss in der Luhansk-Region: ein Schicksal wie Mariupol?

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Von Katharina Sturm
Zerstörte Brücke die Sjewjerodonezk und Lyssytschansk miteinander verbindet, 22.05.2022
Zerstörte Brücke die Sjewjerodonezk und Lyssytschansk miteinander verbindet, 22.05.2022   -   Copyright  ARIS MESSINIS/AFP or licensors

Droht den Städten Sjewjerodonezk und Lyssytschansk in der Ostukraine das gleiche Schicksal wie Mariupol?
In den vergangenen 24 Stunden wurden beide Ortschaften, die östlich und westlich des Flusses Donezk liegen, von russischen Streitkräften unablässig mit Artillerie und aus der Luft angegriffen. Russland hatte den Einsatz von Flugzeugen vor Ort verstärkt, um seine Bodentruppen zu unterstützen, da die Präzisionsraketen der russischen Armee langsam zur Neige gehen. Nach ukrainischen Angaben wurden bei den Angriffen mindestens sechs Zivilisten getötet.

Die russischen Streitkräfte rücken dabei aus drei Richtungen auf das Oblast vor. Es wird befürchtet, dass die letzten beiden Enklaven unter ukrainischer Kontrolle im Donbas - ähnlich wie Mariupol - von russischen Truppen eingekesselt und belagert werden könnten.

Der Pressesprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums Oleksandr Motuzyanyk warf Russland eine Taktik der "verbrannten Erde" vor und warnte, dass Russland bei der Offensive schwere Verluste zu befürchten habe. Die Kriegstaktik "verbrannte Erde" bezeichnet das Zerstören aller Dinge, die dem Gegener von Nutzen sein könnten - also jegliche Infrastruktur wie Gleise, Straßen, Brücken - Fahrzeuge, Wohnhäuser, Fabriken oder Lebensmittelsvorräten. Manchmal bis hin zur Zerstörung von ganzen Städten und Dörfern.

Russland geht auf diesen Vorwurf der Ukraine nicht ein, sondern berichtet hingegen von Fortschritten bei der Eroberung der umkämpften Gebiete - mehrere ukrainische Panzerfahrzeuge und ein militärischer Stützpunkt seien dort zerstört worden. Für Russland ist die Eroberung der Region von besonders großer strategischer Bedeutung, um die vollständige Kontrolle über die selbsternannteVolksrepublik Luhansk zu erlangen.

Unterdessen hat das russische Fernsehen Bilder aus dem Inneren der Azovstal-Fabrik in Mariupol veröffentlicht. Dort haben rund 2.000 ukrainische Kämpfer wochenlang einer brutalen Belagerung Widerstand geleistet und sich schließlich den russischen Truppen ergeben hatten. Außerdem wirft die Pressesprecherin des russischen Außenminsteriums Maria Sacharowa dem Westen vor, Waffen an die Ukraine zu liefern: Dies sei nicht förderlich für Friedensgespräche.

In den vergangenen 24 Stunden gab es in der Region Luhansk insgesamt bereits neun Angriffe der russischen Streitkräft. Die Ukraine kämpft dort weiterhin um die Kontrolle über eine wichtige Verbindungsstraße in Richtung Sjewjerodonezk. Das gestaltet sich jedoch als schwierig, da die ukrainischen Truppen in der Region zahlenmäßig im Verhältnis von 7 zu 1 deutlich unterlegen seien, erklärte Präsident Zelenskyj.

Wladimir Putins Armee erzielt auch in der östlichen Donbass-Region Durchbrüche. In den letzten Tagen haben die russischen Streitkräfte dort eine Reihe von Städten und Dörfern erobert und die Ukrainer gezwungen, sich in besser zu verteidigende Stellungen zurückzuziehen. Sie tun dies mit ihrer schieren Masse an Soldaten, Artillerie, Panzern und Luftstreitkräften.

Man geht davon aus, dass sich in den Zwillingsstädten Sjewjerodonezk und Lyssytschansk Tausende von ukrainischen Truppen verschanzt haben und auf eine lange Schlacht vorbereitet sind. Die ukrainischen Streitkräfte müssen jedoch damit rechnen, dass sie eingekesselt und dann durch die enorme Größe der russischen Armee besiegt werden. Wenn das passiert, werden einige der besten ukrainischen Truppen aus dem Krieg genommen.

Aber für die Ukrainer ist noch nicht alles verloren. Sie verfügen über enorme Mengen an internationaler militärischer Unterstützung, die sowohl zugesagt als auch bereits auf dem Weg dorthin ist. Ein Großteil davon ist weitaus fortschrittlicher als das, was derzeit im Donbass zu sehen ist.