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Wahl knapp verfehlt: Der Bäcker aus Besançon kehrt zurück zu seinen Brötchen

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Von Anja Bencze  mit AFP/DPA/Le Parisien
Der bäcker mit seinen frischen Baguettes
Der bäcker mit seinen frischen Baguettes   -   Copyright  SEBASTIEN BOZON/AFP or licensors   -  

Stéphane Ravacley gehörte zu den ungewöhnlichen Kandidaten bei dieser Parlamentswahl in Frankreich. Mit seinen "Schuhen voller Mehl" wolltee er in die Nationalversammlung einziehen, erklärte der Bäcker aus Besançon, der nach der ersten Wahlrunde in seinem Wahlkreis im Departement Doubs überraschend die Nase vorn hatte.

Doch seine unglaubliche Geschichte endet am vergangenen Sonntag. Ravacley unterlag mit 43,7% der Stimmen gegen den amtierenden macronistischen Abgeordneten Éric Alauzet (52,2%).

Der 53-Jährige Politneuling hatte im ersten Durchlauf erreichte aus dem Stand 32,51% erreicht und eine ganze Woche lang von der Möglichkeit des EInzugs in die Nationalversammlung geträumt. Nun kehrt er zurück in seine Backtsube im Stadtzentrum von Besançon. Das begeisterte Engagement, mit dem er Wahlkampf führte ,wird ihn wohl auch künftig nicht verlassen.

10 Tage Hungerstreik für das Bleiberecht seines Lehrlings

Aufgestellt wurde der Parteilose von den Grünen (EELV) mit Unterstützung der linken Parteienallianz Nupes. Seine Kampagne, die sich direkt an die Bedürfnisse und Sorgen der "kleinen Leute" richtete kam, gut an und wurde von den französischen Medien aufmerksam verfolgt. 

Ravalay ist ein militanter Kämpfer für soziale Gerechtigkeit. Im Januar 2021 hatte er sich mit einem zehntägigen Hungerstreik für das Bleiberecht seines guineischen Lehrlings im hervorgetan. Mit Erfolg: Der damals 18-jährige Bäckerlehrling durfte  in Frankreich bleiben, wegen seiner "vorbildlichen Integrationsleistungen und seiner Aussichten auf eine berufliche Eingliederung", hieß es in der Erklärung des Präfekten.

SEBASTIEN BOZON/AFP or licensors
Bäcker Stephane Ravacley mit seinem guineischen Lehrling Laye Fode Traore in seiner Bäckerei in BesançonSEBASTIEN BOZON/AFP or licensors

Die Dardenne Brüder widmeten ihm ihren Filmpreis in Cannes

Bei der Abschlussfeier des 75. Filmfestivals von Cannes widmeten die belgischen Regisseure Jean-Pierre und Luc Dardenne sogar ihren Sonderpreis dem "Bäcker von Besançon".

10 Monate später organisierte Ravacley einen spektakulären Hilfskonvoi für die Ukraine, der seinen Bekanntheitsgrad noch weiter steigerte. Ravalay sagt, seine politische Karriere sei im Grunde die Kontinuität des Weges, den er im Januar 2021 einschlug.

Stéphane Ravacley auf Twitter: "Tausend Dank an alle! Ihr habt wie die Löwen gekämpft! Ab morgen werden wir wieder in Aktion treten. Die Dynamik ist in Gang gesetzt, nichts wird uns aufhalten".

"Ein Bäcker in der Nationalversammlung"

"Ein Bäcker in der Nationalversammlung", wie sein Slogan lautete, wird es also nicht so bald Realität werden. Ravacley konnte seinen knappen Vorsprung aus der ersten Runde nicht halten. Die Übertragung der konservativen Wählerstimmen auf den Kandidaten von Emmanuel Macron war erfolgreich und ermöglichte es seinem Gegner,   dem Arzt und Akupunkteur Eric Alauzet, seinen Rückstand aufzuholen. 

Dabei hatte der engagierte Bäcker unermüdlich und mit weißer Bäckerschürze um die vielen Nichtwähler in seinem Wahlkeis gekämpfte - trotz der extremen Arbeitszeiten in der Bäckerei.

"Ich bin enttäuscht, aber so ist die Politikl", sagte Ravacley nach der Wahl. "Wir hatten sehr wenig Stimmenreserven, die Rechte hatte viel mehr als wir. Wir werden unsere Wunden lecken und dann werden wir etwas Neues beginnen, wir werden diese Dynamik beibehalten, denn sie ist wirklich sehr schön", fügte er hinzu.

Während des Wahlkampfs war ein Wahlplakat des Bäckers mit einem großen Hakenkreuz und dem Wort "Nègre" überklebt worden. Der Schock war groß, es gab Unterstützung vom Nationalsekretär der Grünen (Julien Bayou).

"Selbstständige, Handwerker, Bäcker, ich weiß, wie hart unsere Berufe sind"

Der Kandidat hatte im Wahlkampf die Bedeutung und den Wert der Arbeit immer wieder unterstirchen. "Selbstständige, Handwerker, Bäcker, ich weiß, wie hart unsere Berufe sind", schrieb er auf Twitter und forderte "eine Anerkennung für diese Arbeit", "ein würdiges Leben" und "ein notwendiges Recht auf Erholung".

Er kämpft gegen eine der wichtigsten Reformen Macrons, die Rente mit 65. "Wenn das Rentenalter auf 65 Jahre verschoben wird werden jedes Jahr 27.000 Menschen sterben, bevor sie die Rente erreichen", so  Ravacley .

"Wenn ich gewählt werde, werde ich nie nur ein Politiker sein, ich werde immer ich selbst bleiben", hatte der Bäcker aus Besançon versprochen. "Sehen Sie diese Schuhe voller Mehl? ich werde sie mit in die Nationalversammlung nehmen, sie werden die Stufen hinaufgehen, um mich daran zu erinnern, dass ich für Sie da bin!"