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Slowakei gespalten über Waffenlieferungen an die Ukraine

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Von Johannes Pleschberger
Kampfjet der slowakischen Armee
Kampfjet der slowakischen Armee   -   Copyright  Luftstreitkräfte der Slowakischen Republik

Artillerie und Luftabwehr hat die Slowakei bereits in die Ukraine geliefert. Als nächstes will Bratislava mehrere Kampfjets in das bekriegte Nachbarland überstellen. Doch laut einer Umfrage steht nur die Hälfte der Bevölkerung hinter diesen Waffenlieferungen. Brüche gehen sogar mitten durch Familien.

Beispielhaft dafür stehen Iveta und ihre Großmutter, die Euronews-Reporter Johannes Pleschberger in der Innenstadt von Bratislava trifft. Während die Enkelin ohne zu zögern sagt, dass sie die Waffenlieferungen an die Ukraine unterstützt, ist die Oma der gegenteiligen Meinung. Sie unterstütze das absolut nicht, übersetzt die Enkelin für sie.

Slowakei als Ziel russischer Propaganda

Unter den Menschen in den östlichen EU-Mitgliedsstaaten ist die slowakische Bevölkerung am meisten pro-russisch eingestellt. Ein Drittel sieht Russland nach wie vor als strategischen Partner und die USA als eine Gefahr – trotz Moskaus Invasion in der Ukraine. Darüber ist sich auch Verteidigungsminister Jaroslav Nad' bewusst. Im Euronews-Interview erklärt er, die russische Propaganda tue alles, um um die Einstellung der Bevölkerung zu ändern. Lieferungen weiterer Militärgüter für die Ukraine sollten so blockiert werden. "Aber unsere Regierung hat sich entschieden, die Unterstützung fortzusetzen, weil wir den Ukrainern helfen müssen, das verdienen sie. Und wir wissen sehr genau, was Besatzung bedeutet."

Im Herbst will Minister Nad' seine MIG-29-Luftwaffe der Ukraine übergeben – vorausgesetzt die Slowakei erhält eine Entschädigung von 300 Millionen Euro. Durch diese Waffenlieferungen würde Bratislava Moskau den Krieg erklären, behaupten Tausende in den sozialen Medien und verlinken zu angeblichen Beweisen. Diese wurden von der Polizei zwar als Falschmeldungen entlarvt, doch viele Slowaken glauben trotzdem lieber den Russen als dem Westen.

Hohe Anfälligkeit für Verschwörungsmythen

Ein Grund für den Erfolg solcher Falschmeldungen liege in der Schulbildung, meint Dominika Hajdu vom Think-Tank GLOBSEC. Das kritische Denken der slowakischen Schülerinnen und Schüler sei sehr gering, erklärt sie. "Das macht sie natürlich anfälliger für Desinformation und Verschwörungsmythen."

Euronews-Reporter Johannes Pleschberger blickt voraus: "Ob und wie viele Waffen die Slowakei in die Ukraine schickt, hängt nicht nur vom Stimmungsbild in der Bevölkerung ab. Auch die aktuelle Koalitionskrise in der slowakischen Regierung könnte so manche bisherige Entscheidung über Bord werfen."

Journalist • Johannes Pleschberger